Schulung für ukrainische Ärzte in Kommunikation über Polio und Impfstoffe

WHO/N Alexander

Dr. Oleg Tokarchuk war einer der insgesamt 22 Vertreter des ukrainischen Gesundheitswesens, die an einer Schulung über klare Kommunikation in Bezug auf Polio und den Polioimpfstoff teilnahmen.

Eine nervenaufreibende Situation: Im Konferenzraum eines Hotels in Kiew sitzt ein Arzt vor einer Fernsehkamera und wird mit Fragen und Kritik über Poliomyelitis und den zu ihrer Bekämpfung eingesetzten Impfstoff überhäuft. Zu allem Überfluss ist er auch noch von einer Gruppe von Fachkollegen umgeben, die auf jedes einzelne Wort achten.

Glücklicherweise ist das alles nur Teil einer Schulung. Aber vielleicht muss sich Dr. Oleg Tokarchuk, Chefarzt am Kinderkrankenhaus in Kolomyia in der Provinz Ivano-Frankivsk, bald wirklich vor Live-Kameras echten Fragen stellen. Denn das Land hat es zum ersten Mal seit 19 Jahren wieder mit Poliofällen zu tun, nachdem das Virus bei zwei Kindern festgestellt wurde. Am 1. September 2015 gab die Regierung die Nachricht von dem Ausbruch bekannt und kündigte Pläne für umfassende Gegenmaßnahmen an. 

Bei den Vorbereitungen auf diese Gegenmaßnahmen gehört es zu den schwierigsten Herausforderungen, der Öffentlichkeit die Krankheit und den vorbeugenden Impfstoff zu erklären. 

„Es gibt Menschen, die ihre Kinder geimpft haben wollen, und andere, die eine negative Einstellung gegenüber Impfungen haben", sagt Dr. Tokarchuk. „Manchmal sind es dieselben Personen. Sie haben ein Wirrwarr von Informationen im Kopf, und wir müssen ihnen dabei helfen, dieses Durcheinander zu entwirren."

Um den Gesundheitsbeamten und Gesundheitsfachkräften die benötigten Informationen – und die beste Art der Vermittlung dieser Informationen – an die Hand zu geben, hat das UNICEF zusammen mit dem Gesundheitsministerium und mit Unterstützung durch die WHO eine Reihe von Schulungen organisiert. Die Schulung, an der Dr. Tokarchuk teilnahm, befasste sich mit Medienkompetenz; in anderen Schulungen standen die zwischenmenschliche Kommunikation und die Versorgung der Menschen in unterversorgten Gebieten im Vordergrund.

„Auf eine derartige Schulung warte ich schon seit langem, nicht nur in Bezug auf Polio", erklärt Dr. Tokarchuk. „Wir haben zwar das Wissen, aber wenn wir nicht in der Lage sind, es zu vermitteln, können wir unser Ziel nicht erreichen."

Die Schulung wurde von Kateryna Bulavinova, einer medizinischen Expertin des UNICEF, geleitet. „Wir haben hier Fachkräfte mit der besten Motivation", erklärt sie. „Aber sie benötigen Hilfe dabei, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mit optimaler Wirkung einzusetzen. Wir können es uns nicht leisten, dass die Botschaft aufgrund schlechter Kommunikation auf der Strecke bleibt." 

Zugangsschwierigkeiten und Impfskepsis in der Ukraine

Während Dr. Tokarchuk an seinen Kommunikationsfähigkeiten arbeitet, bemühen sich das UNICEF, die WHO und andere Partner um eine Verbesserung des Zugangs der ukrainischen Bevölkerung zu dringend benötigten Impfstoffen. Die Kombination aus Skepsis und einem unzureichenden Zugang zu Impfmaßnahmen hat dazu geführt, dass das Land eine der niedrigsten Impfraten in der Europäischen Region – und sogar weltweit – aufweist.

„Auch die Eltern, die ihre Kinder impfen lassen wollen, müssen manchmal feststellen, dass kein Impfstoff zur Verfügung steht. Die Verfügbarkeit ist eine weitere Hürde für dieses Land, die wir schon seit langem zu überwinden versuchen", erklärt Dr. Dorit Nitzan, die Repräsentantin der WHO in der Ukraine. „Bei diesem Ausbruch verfügt das Land dank finanzieller Unterstützung von der kanadischen Regierung über genügend Polioimpfstoff für die erste Impfrunde. Es gilt nun, mit zügigen Gegenmaßnahmen die Kinder in der Ukraine zu schützen und etwaige Auswirkungen auf den Reise- und Handelsverkehr zu vermeiden."