Seit 2015 haben mobile Dienste in der Ukraine fast 200 000 Patientenbesuche durchgeführt

WHO/Shuvayev

Halyna ist 70, herzkrank und hat nur durch ein mobiles Einsatzteam der WHO Zugang zu Gesundheitsversorgung.

Menschen warten in dem ukrainischen Dorf Synykha in einem alten Gebäude, das eine Einrichtung der primären Gesundheitsversorgung beherbergt, auf die Arztsprechstunde. Halyna (70) weint. Sie ist herzkrank, doch es ist ihr fast unmöglich, einen Arzt aufzusuchen. „Die Poliklinik ist 30 km entfernt, der Bus fährt nur einmal am Tag und selbst in der Stadt gibt es keinen Kardiologen, der eine Sprechstunde anbietet. Die Medikamente kann ich mir nicht leisten. Wir haben, seitdem der Konflikt vor zwei Jahren losbrach, keine angemessene Gesundheitsversorgung erhalten. Ich weiß nicht, wie ich ohne Unterstützung durch das mobile Team überleben könnte."

Viele Binnenvertriebene in der Ukraine können nur über mobile Einrichtungen medizinisch versorgt werden. 

Halyna ist kein Einzelfall. Um die Bedürfnisse der unter dem Krieg leidenden Bevölkerung und der Binnenvertriebenen zu befriedigen, hat die WHO mobile Einrichtungen zur primären Gesundheitsversorgung geschaffen.

Ein Team aus Pflegekräften, einem Arzt und einem Fahrer sammeln wichtige Daten und machen Angebote in den Bereichen Kindergesundheit, Ernährung, übertragbare und nichtübertragbare Krankheiten, Gesundheit von Mutter und Kind, psychische Gesundheit und Hygiene. Der Ärztin Valentyna vom mobilen Team in Kupyansk zufolge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders in den vom Konflikt betroffenen Bevölkerungsgruppen verbreitet und oft gibt es keinen Zugang zu für Prävention und Therapie unentbehrliche Arzneimittel. Die WHO beschaffte und verteilte alle erforderlichen Medikamente.

Einige der mobilen Einrichtungen suchen Menschen nahe der Frontverläufe auf, wo die Sicherheitslage angespannt ist und Gesundheitseinrichtungen oft zerstört wurden oder aus anderen Gründen nicht mehr funktionieren. Die mobilen Gesundheitseinrichtungen dienen auch der Versorgung von Binnenvertriebenen in Sammelunterkünften. Wenn sie an ihrem neuen Wohnort nicht gemeldet sind, kann die mobile Einheit ihr einziger Zugang zur Gesundheitsversorgung sein.

Die WHO und ihre Partner finanzieren die mobilen Einrichtungen

Partnerorganisationen aus dem Gesundheitsbereich wie das Ukrainische Rote Kreuz und die griechische Hippocrates-Stiftung betreiben die Einheiten. Die Finanzierung teilen sich die Abteilung Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission, die Entwicklungsagentur des Vereinigten Königreichs, der Zentrale Fonds der Vereinten Nationen für die Reaktion auf Notsituationen und die Regierungen Kanadas, Estlands, Israels und Finnlands.

„Wir unterstützen die WHO und ihre Partner, damit sie mobile Einrichtungen zur Versorgung der am stärksten isolierten Gemeinden in den vom Konflikt betroffenen Gebieten im Osten der Ukraine betreiben können. Der Ansatz hat sich als höchst wirksam erwiesen und auch die örtlichen Gesundheitsbehörden engagieren sich stark dafür," sagt Fergus Thomas, humanitärer Berater der britischen Botschaft in der Ukraine. „Insbesondere hat dieses Vorgehen auf beeindruckende Weise nicht nur den Weg zur primären Gesundheitsversorgung, sondern auch zur psychischen Gesundheitsversorgung durch mobile psychiatrische Teams geebnet.

Vier mobile psychiatrische Teams helfen betroffenen Ukrainern posttraumatische Störungen zu bewältigen 

Das Dorf Artema liegt dicht an der Front und wurde vor etwas mehr als einem Jahr bombardiert. Obwohl heute keine Bomben mehr fallen, sind die Menschen noch bestürzt und verängstigt. „Wir leben in ständiger Angst, dass der Krieg in unser Dorf zurückkehrt. Nachts kann ich nicht schlafen," sagt Raisa (57). In den von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffenen Gebieten werden hochwertige psychiatrische Angebote benötigt.

Zu dem mobilen Konzept der WHO gehören auch vier psychiatrische Teams, die in den vier Regionen im Rahmen des ukrainischen Gesundheitssystems arbeiten. Sie sollen nicht nur der Zugang zu spezialisierter psychiatrischer Versorgung verbessern, sondern auch die Kapazität im Rahmen des bestehenden Systems insgesamt erweitern. Die gemeindenahe psychiatrische Versorgung kann mit der Zeit ausgeweitet werden und in die Reform der Psychiatrie der Ukraine einfließen.

„Vier Einrichtungen reichen nicht annähernd aus, um eine Million bedürftige Menschen zu unterstützen," sagt Patricia Kormoss, Notfallkoordinatorin des WHO-Länderbüros in der Ukraine. „Wir wollen die Zahl der mobilen Einheiten zur Bewältigung der Kriegstraumata und psychologischen Probleme der Menschen in dieser humanitären Krise erhöhen."