EHEC-Ausbruch: Lagebericht 12

Der Schwerpunkt des Ausbruchs liegt nach wie vor in Deutschland, und die Untersuchungen zur Klärung von Eigenschaften und Herkunft dieses bisher unbekannten Serotyps des Escherichia-coli-Bakteriums dauern noch an.

Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)

Mit Stand vom 8. Juni um 15.00 MESZ hatte Deutschland insgesamt 722 HUS-Fälle, darunter 18 Todesfälle, gemeldet. Das waren 33 Fälle mehr als am Vortag, jedoch trat kein weiterer Todesfall auf.  69% der gemeldeten Fälle entfielen auf Frauen und Mädchen und 88% auf Personen über 20 Jahre. Die höchsten Raten traten in der Altersgruppe von 20–49 Jahren auf. Der Symptombeginn lag in der Zeit zwischen 1. Mai und 6. Juni.

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)

Mit Stand vom 8. Juni um 15.00 Uhr MESZ hatte Deutschland insgesamt 2086 Fälle von EHEC-Infektion (ohne HUS) gemeldet, darunter acht mit tödlichem Ausgang. Das waren 127 Fälle  und zwei Todesfälle mehr als am Vortag. 60% der Fälle entfielen auf Frauen und Mädchen und 88% auf Personen über 20 Jahre. Der Symptombeginn lag in der Zeit zwischen 1. Mai und 6. Juni.

Nach Aussage des Robert-Koch-Instituts in Deutschland lassen die aktuellen Meldedaten zu HUS und EHEC und auch die Informationen aus der Surveillance blutiger Durchfälle in Notaufnahmen derzeit insgesamt einen abnehmenden Trend der Fallzahlen erkennen. Ob dieser Rückgang auf eine Veränderung im Verzehrverhalten der Bevölkerung hinsichtlich roher Gemüse und Salate oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen sei, könne derzeit noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

Andere Länder

Mit Stand vom 8. Juni um 23.00 MESZ hatten 13 weitere Länder der Europäischen Region insgesamt 35 HUS-Fälle (ein Todesfall) und 61 EHEC-Fälle (kein Todesfall) gemeldet. Dies waren zwei HUS-Fälle mehr bzw. drei EHEC-Fälle weniger als am Vortag gemeldet. Aufgrund der Anwendung der überarbeiteten Falldefinition der Europäischen Union wurde eine Reihe von zuvor gemeldeten Fällen inzwischen ausgeschlossen. Außerdem hatten die Centers for Disease Prevention and Control (CDC) der Vereinigten Staaten in Atlanta zuvor Informationen veröffentlicht, wonach in den USA drei HUS-Fälle (ein bestätigter Fall, zwei Verdachtsfälle) sowie ein EHEC-Verdachtsfall (ohne HUS) mit dem Ausbruch verknüpft sind. Am 7. Juni meldete die Public Health Agency of Canada einen Verdachtsfall einer Infektion mit E. coli O104 (ohne HUS). Die betroffene Person war auf einer Reise in Norddeutschland in Kontakt mit einem bestätigten Fall von Infektion mit E. coli O104 gewesen.


Die Tabelle zeigt die Gesamtzahlen für die betroffenen Länder


Land
HUS
EHEC
Anmerkungen
 Fälle Todesfälle  Fälle  Todesfälle  
Dänemark 8
 0 12
0
 
Frankreich  0 0
 2  0  +7 noch nicht als EHEC bestätigte Fälle von blutigem Durchfall
Deutschland 722
 18 2086
 8
Griechenland 0
0
1
 0  Tourist aus Deutschland
Kanada 0
1
2
0

Luxemburg
 0 0  1 0
 
Niederlande 4
 0  2 0
Norwegen 0
 0 1
0
Kontakt mit Deutschem in Norwegen
Österreich 1
 0 3
0
 
Polen 2
0
0
0

Schweden 16
1
30
 0  
Schweiz 
0
 0 5
0
 
Spanien 1
0
1
0
 
Tschechische Republik 0
0
1
0
Tourist aus den USA, der auch in Deutschland gereist ist.
Vereinigtes Königreich 3
0
2
0
Alle 5 Fälle bestätigt
Vereinigte Staaten von Amerika  3 0
 1 0
3 HUS-Fälle (1 x bestätigt, 2 x Verdacht) und 1 Verdachtsfall von EHEC ohne HUS
 Insgesamt  760  19  2149  8  

Hinweis: Insgesamt gibt es 2909 Fälle von HUS und EHEC.

Mit einer Ausnahme hatten sich alle der genannten HUS- und EHEC-Patienten innerhalb der Inkubationszeit, meist drei bis vier Tage nach der Exposition (Bandbreite: zwei bis zehn Tage), in Deutschland aufgehalten.
Als Ausbruchsstamm wurde der E.-coli-Serotyp O104:H4 oder genauer ein Stamm des enteroaggregativen Verotoxin produzierenden E. coli (EAggEC VTEC) O104:H4 nachgewiesen.
Die Untersuchung der Quelle des Ausbruchs dauert noch an.

Hinweis

EHEC und HUS unterliegen getrennten Meldekategorien, sodass es bei den Fallzahlen keine Überschneidungen geben sollte. Wie bei jedem sich schnell entwickelnden Ausbruchsgeschehen sollten die Zahlen jedoch nur als vorläufig betrachtet werden. Sie können sich aus unterschiedlichen Gründen noch ändern.
Mit der Bereitstellung der genannten Informationen möchte die WHO auch den Beitrag ihrer Mitgliedstaaten und ihrer fachlichen Partner anerkennen, zu denen die Europäische Kommission, das Europäische Zentrum für die Kontrolle und die Prävention von Krankheiten sowie eine Reihe von Kooperationszentren der WHO zählen.