EHEC-Ausbruch: Lagebericht 16

Am 10. Juni haben die zuständigen deutschen Behörden erklärt, es gebe aus epidemiologischer Sicht und aufgrund der Überprüfung der Nahrungskette vermehrt Anzeichen dafür, dass für den EHEC-Ausbruch in Deutschland Sprossen (u. a. Bockshornklee, Mung-Bohnen, Linsen, Adsuki-Bohnen, Luzernen) verantwortlich sind.

Vermehrte Anzeichen, neue Empfehlungen

Am 10. Juni haben das Robert-Koch-Institut (RKI), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärt, es gebe aus epidemiologischer Sicht und aufgrund der Überprüfung der Nahrungskette vermehrt Anzeichen dafür, dass Sprossen (u. a. Bockshornklee, Mung-Bohnen, Linsen, Adsuki-Bohnen, Luzernen) die Überträger des für den EHEC-Ausbruch in Deutschland verantwortlichen neuartigen enteroaggregativen Verotoxin produzierenden Escherichia-coli-Bakteriums (EAggEC VTEC) O104:H4 sind.

  • Die Behörden empfehlen nun der Bevölkerung in Deutschland, Sprossen jeder Herkunft nicht roh zu verzehren. Haushalten und Gastronomiebetrieben wird bis auf Weiteres empfohlen, noch vorrätige Sprossen sowie möglicherweise damit in Berührung gekommene Lebensmittel zu vernichten.
  • Darüber hinaus rät das BfR auch vom Verzehr von selbstgezogenen rohen Sprossen und Keimlingen ab.
  • Die Empfehlung, in Norddeutschland auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat zu verzichten, wird aufgehoben.
  • Die Behörden empfehlen weiterhin, alle Lebensmittel aus dem Betrieb in Niedersachsen, aus dem die fraglichen Sprossen stammen, aus dem Verkehr zu ziehen.
  • In einer Vielzahl weiterer Untersuchungen werden u. a. die Vertriebswege ins Visier genommen. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Sprossen von dem fraglichen Hof an Orte außerhalb Deutschlands exportiert wurden.
  • Die zuständigen Behörden empfehlen, bei Kontakt mit Lebensmitteln, beim Umgang mit Patienten und nach dem Toilettenbesuch die üblichen Hygieneempfehlungen streng zu befolgen.

Weitere Informationen sind der gemeinsamen Pressemitteilung von BfR, BVL und RKI vom 10. Juni zu entnehmen. Diese wurde am 12. und 13. Juni aktualisiert.

Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)

Mit Stand vom 14. Juni um 15.00 Uhr MESZ hatte Deutschland insgesamt 784 HUS-Fälle (darunter 23 mit tödlichem Ausgang) gemeldet; das waren zwei Fälle bzw. ein Todesfall mehr als am Vortag. 68% der gemeldeten Fälle entfielen auf Frauen und Mädchen und 88% auf Personen über 20 Jahre. Die höchsten Raten (pro 100 000 EW) traten in der Altersgruppe von 20–49 Jahren auf. Der Symptombeginn lag in der Zeit zwischen 1. Mai und 8. Juni.

Enterohämorrhagische E. coli (EHEC)

Mit Stand vom 14. Juni um 15.00 Uhr MESZ hatte Deutschland insgesamt 2470 Fälle von EHEC-Infektion (ohne HUS) gemeldet (davon 13 mit tödlichem Ausgang); das waren gegenüber dem Vortag neue 17 Fälle, aber kein zusätzlicher Todesfall. 59% der Fälle entfielen auf Frauen und Mädchen und 87% auf Personen über 20 Jahre. Der Symptombeginn lag in der Zeit zwischen 1. Mai und 11. Juni.

Am 15. Juni erklärte das RKI, die Zahl der ihm gemeldeten HUS- und EHEC-Fälle habe seit etwa einer Woche deutlich abgenommen. Daten von der Sentinel-Surveillance für blutigen Durchfall in den Notaufnahmen der Krankenhäuser deuten auch auf einen Rückgang der absoluten wie relativen Fallzahlen seit dem 30. Mai hin. Ob dieser Rückgang auf eine Veränderung im Verzehrverhalten der Bevölkerung hinsichtlich roher Gemüse und Salate oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen ist, kann derzeit noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

Andere Länder

Mit Stand vom 14. Juni haben 13 weitere Länder der Europäischen Region insgesamt 36 HUS-Fälle (ein Todesfall) und 66 EHEC-Fälle (kein Todesfall) gemeldet. Außerdem haben die Centers for Disease Prevention and Control (CDC) der Vereinigten Staaten in Atlanta Informationen veröffentlicht, wonach in den USA drei HUS-Fälle (ein bestätigter Fall, zwei Verdachtsfälle) sowie zwei EHEC-Verdachtsfälle (ohne HUS) mit dem Ausbruch in Verbindung gebracht werden. Am 7. Juni meldete die Public Health Agency of Canada einen Verdachtsfall einer Infektion mit E. coli O104 (ohne HUS). Die betroffene Person war auf einer Reise in Norddeutschland in Kontakt mit einem bestätigten Fall von Infektion mit E. coli O104 gekommen.

Seit dem 10. Juni sind keine HUS- oder EHEC-Fälle oder damit verbundene Todesfälle mehr außerhalb von Deutschland gemeldet worden. Der EHEC-Stamm, der vergangene Woche in einer Tagesstätte in Helsinki gefunden wurde, ist nach Angaben des Nationalen Instituts für Gesundheit und Soziales in Finnland nicht mit dem für den Ausbruch in Deutschland verantwortlichen Stamm identisch. Seit dem 14. Juni wurden aus der Tagesstätte keine weiteren EHEC-Fälle mehr gemeldet.

Die nachstehende Tabelle zeigt die Gesamtzahlen für sämtliche betroffenen Länder.

Land
HUS
EHEC
Anmerkungen
 Fälle Todesfälle
 Fälle  Todesfälle  
Dänemark 8
 0 12
0
 
Deutschland  784 23
 2470 13  
Frankreich 0
 0 2  0
Griechenland 8
0
1
 0 Ein Tourist aus Deutschland
Kanada 0
0
1
0

Luxemburg
   2  
Niederlande 4
 0 4 0
Norwegen 0
 0 1 0
 Kontakt mit Deutschem in Norwegen
Österreich 1
 0 3
0
 
Polen 2 0
1
0

Spanien 1
0
1  0  
Schweden 17
 1 30
0
 
Schweiz 0
0
5
0
 
Tschechische Republik 0
0
1
0
Ein Tourist aus den Vereinigten Staaten, der in Deutschland unterwegs war 
Vereinigtes Königreich 3
0
3 0

Vereinigte Staaten von Amerika  3 0
 2 0
3 HUS-Fälle (1 bestätigter Fall, 2 Verdachtsfälle) und 2 EHEC-Verdachtsfälle
 Insgesamt  823  24  2539  13  

Hinweis: Die Gesamtzahl der HUS- und EHEC-Fälle beträgt 3362, darunter 37 Todesfälle.

Von fünf Ausnahmen abgesehen hatten sich alle der genannten HUS- und EHEC-Patienten innerhalb der Inkubationszeit, meist drei bis vier Tage nach der Exposition (Bandbreite: zwei bis zehn Tage), in Deutschland aufgehalten. Diese fünf Fälle werden jedoch allesamt mit dem Ausbruch in Deutschland in Verbindung gebracht.

Hinweis

EHEC und HUS unterliegen getrennten Meldekategorien, sodass es bei den Fallzahlen keine Überschneidungen geben sollte. Wie bei jedem sich schnell entwickelnden Ausbruchsgeschehen sollten die Zahlen jedoch nur als vorläufig betrachtet werden. Sie können sich aus unterschiedlichen Gründen noch ändern.

Mit der Bereitstellung der genannten Informationen möchte die WHO auch den Beitrag ihrer Mitgliedstaaten und ihrer fachlichen Partner anerkennen, zu denen die Europäische Kommission, das Europäische Zentrum für die Kontrolle und die Prävention von Krankheiten sowie eine Reihe von Kooperationszentren der WHO zählen.