Ausbrüche von E. coli O104:H4: Lagebericht 27

Am 28. Juni 2011 meldete das Institut de veille sanitaire in Frankreich neue Zahlen für den anhaltenden Ausbruch von Verotoxin produzierenden Escherichia coli (VTEC) bzw. hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) in Bordeaux. Insgesamt wurden seit dem 22. Juni acht Fälle von enterohämorrhagischen E. coli (EHEC) sowie acht HUS-Fälle gemeldet. Eine Infektion mit E. coli O104:H4 konnte bisher in vier Fällen bestätigt werden.
Ebenfalls am 28. Juni meldete Schweden einen bestätigten Fall von E. coli O104:H4; betroffen war ein erwachsener Mann in Südschweden. In keinem der in Frankreich und Schweden aufgetretenen neuen Fälle hatten sich die Betroffenen seit dem 1. Mai 2011 in Deutschland aufgehalten.
Auch wenn die Untersuchungen in Frankreich noch andauern, so gibt es doch erste Anzeichen dafür, dass bei dem Ausbruch Sprossen oder Keimlinge aus lokaler Erzeugung eine Rolle spielten. In Schweden wird weiter nach dem Überträger der Infektion gesucht.
Am 30. Juni 2011 erklärte das Institut de veille sanitaire, die Ergebnisse der vom französischen Referenzzentrum für E. coli und Shigella und dem dazugehörigen Labor durchgeführten Analysen zeigten, dass der für den Ausbruch in Frankreich im Juni 2011 verantwortliche Erreger vom Typ E. coli O104:H4 mit dem für den Ausbruch in Deutschland im Mai und Juni verantwortlichen genetisch verwandt sei. Damit mehrten sich die Anzeichen dafür, dass es für die beiden Ausbrüche eine gemeinsame Quelle gebe.

EHEC-Ausbruch in Deutschland

In Deutschland sinkt die Zahl der täglich gemeldeten HUS- und EHEC-Fälle seit dem Höhepunkt des Ausbruchs am 22. Mai kontinuierlich. Dennoch steigen die kumulativen Zahlen aus Deutschland weiter an, was vor allem auf Verzögerungen bei der Meldung zurückzuführen ist.
Untersuchungen der deutschen Behörden deuten darauf hin, dass die Überträger des für den Ausbruch in Deutschland verantwortlichen Bakteriums, des enteroaggregativen Verotoxin produzierenden E. coli (EAggEC VTEC) O104:H4, Sprossen und Keimlinge sind. Deshalb rät das Robert-Koch-Institut der Bevölkerung in Deutschland, Sprossen und Keimlinge jeglicher Herkunft nicht roh zu verzehren.
Die nachstehende Tabelle zeigt die gemeldeten Fälle und Todesfälle aufgrund von HUS bzw. EHEC-Infektion in Deutschland und in anderen Ländern, wobei sich in letzteren die Betroffenen zuvor in Norddeutschland aufgehalten hatten (Stand: 29. Juni).Sie schließt weder die 16 Fälle von dem Ausbruch in Frankreich noch den neuen inländischen Fall in Schweden ein.

Land
HUS
EHEC
 Fälle Todesfälle
 Fälle  Todesfälle
Dänemark 9
 0 14 0
Deutschland  841 30  3110 17
Frankreich 0
 0 2  0
Griechenland 0
0
1
 0
Kanada 0
0
1
0
Luxemburg 1  0  1 0
Niederlande 4
 0 7 0
Norwegen 0
 0 1
0
Österreich 1
 0 4
0
Polen 2 0
1
0
Schweden 18
1
35  0
Schweiz 0
 0 5 0
Spanien 1
0
1
0
Tschechische Republik 0
0
1
0
Vereinigtes Königreich 3
0
3 0
Vereinigte Staaten von Amerika  4 1
 2 0
Insgesamt  884  32  3189  17

Ingesamt wurden bisher von 16 Ländern 4073 HUS- und EHEC-Fälle (darunter 49 Todesfälle) gemeldet, die mit dem Ausbruch in Deutschland in Verbindung gebracht werden.
In Deutschland lag bei den letzten HUS-Fällen mit blutigem Durchfall der Symptombeginn am 24. Juni, bei den letzten EHEC-Fällen am 22. Juni. Von fünf Ausnahmen abgesehen hatten sich alle der genannten HUS- und EHEC-Patienten innerhalb der Inkubationszeit, meist drei bis vier Tage nach der Exposition (Bandbreite: zwei bis zehn Tage), in Deutschland aufgehalten.  Die übrigen fünf Fälle werden jedoch ebenfalls mit dem Ausbruch in Deutschland in Verbindung gebracht.

Hinweis

EHEC und HUS unterliegen getrennten Meldekategorien, sodass es bei den Fallzahlen keine Überschneidungen geben sollte. Wie bei jedem sich schnell entwickelnden Ausbruchsgeschehen sollten die Zahlen jedoch nur als vorläufig betrachtet werden. Sie können sich aus unterschiedlichen Gründen noch ändern.

Mit der Bereitstellung der genannten Informationen möchte die WHO auch den Beitrag ihrer Mitgliedstaaten und ihrer fachlichen Partner anerkennen, zu denen die Europäische Kommission, das Europäische Zentrum für die Kontrolle und die Prävention von Krankheiten sowie eine Reihe von Kooperationszentren der WHO zählen.