Zika-Virus: Steigendes Risiko der Einschleppung in die Europäische Region, im Winter jedoch weiterhin sehr geringe Ausbreitungsgefahr

Ausbruch auf dem amerikanischen Kontinent

Seit Mai 2015 hat sich das Zika-Virus – eine neu auftretende Viruskrankheit, die durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen wird – auf dem amerikanischen Kontinent und in der Karibik ausgebreitet, nachdem in Brasilien erste Fälle gemeldet worden waren. Die Ankunft des Virus wird mit einem starken Anstieg der Zahl von Neugeborenen mit ungewöhnlich kleinen Köpfen und in einigen Fällen mit dem vermehrten Auftreten des Guillain-Barré-Syndroms in Verbindung gebracht. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Zika-Virus-Infektion und Geburtsschäden sowie neurologischen Störungen wurde bislang nicht nachgewiesen, wird jedoch stark vermutet.

Gefahr der Einschleppung und Ausbreitung in Europa 

Mit der weiteren Ausbreitung des Zika-Virus in der WHO-Region Gesamtamerika wächst das Risiko der Einreise von Infizierten in die Europäische Region. In mehreren Ländern der Region wurden eingeschleppte Fälle gemeldet.

Im Winter ist die Gefahr einer Übertragung des Zika-Virus äußerst niedrig. Zwar gibt es Aedes-Mücken – dieselben Mücken, die auch Dengue-Fieber und Chikungunya verbreiten – in mehreren Ländern der Europäischen Region, insbesondere im Mittelmeerraum, doch sind die derzeitigen klimatischen Verhältnisse für ihre Aktivität ungeeignet. 

Mit Beginn des Frühlings und Sommers besteht in der Region ein erhöhtes Risiko für eine Übertragung des Zika-Virus, da die Mücken in einem wärmeren Klima bessere Brutstätten vorfinden. 

Unterstützung der Länder der Europäischen Region durch die WHO

Die Länder der Europäischen Region sollten für die Erkennung von Zika-Infektionen bei Rückkehrenden aus betroffenen Ländern und den Umgang damit gerüstet sein.

Zudem sollten sich die Länder, in denen Aedes-Mücken vorkommen, darauf vorbereiten, dem Risiko der Ausbreitung des Zika-Virus im Frühling und Sommer zu begegnen. Bei der Bekämpfung dieser Mücken können die Länder der Region auf ihre Erfahrung mit Dengue-Fieber und Chikungunya zurückgreifen. 

Die WHO rät den Ländern in der Region, die Vektorenbekämpfung sowie die Überwachung und laborgestützte Erkennung des Zika-Virus und neurologischer Komplikationen zu stärken und die Kommunikation mit dem gefährdeten Personenkreis zu verbessern. Dadurch wird das Auftreten von Aedes-Mücken gesenkt und somit die Gefahr der Ausbreitung des Zika-Virus in der Europäischen Region gemindert. 

WHO-Notfallausschuss für das Zika-Virus nach Maßgabe der Internationalen Gesundheitsvorschriften 

Im Einklang mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften beruft WHO-Generaldirektorin Margaret Chan einen Notfallausschuss für das Zika-Virus und die beobachtete Zunahme neurologischer Störungen und neonataler Missbildungen ein. Der Ausschuss soll am Montag, den 1. Februar 2016, zusammentreten, um zu prüfen, ob der Ausbruch eine Notlage für die öffentliche Gesundheit von internationaler Tragweite darstellt.