Länder in der Europäischen Region verpflichten sich gemeinsam zu beschleunigten Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor gesundheitlichen Notlagen

Video - Protecting people from health emergencies together

WHO

Anhaltende Investitionen, gegenseitiges Lernen und gegenseitige Unterstützung sowie eine regelmäßige Erfolgskontrolle – diese Aspekte werden von den Gesundheitsministern und hochrangigen Delegierten als entscheidend für eine Ausweitung von Bereitschaftsplanung und Gegenmaßnahmen für gesundheitliche Notlagen in der Europäischen Region der WHO angesehen.

Die Liste an Prioritäten und Maßnahmen, die in der Zusammenfassung der Ergebnisse der vom 12. bis 14. Februar 2019 in Istanbul abgehaltenen Konsultation auf Ministerebene und hochrangigen Tagung zusammengestellt wurde, soll der Beschleunigung koordinierter Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor gesundheitlichen Notlagen jeglicher Art dienen.

„Diese Tagung hat gezeigt, dass es gegenwärtig eine nie da gewesene Dynamik gibt, unsere politische Entschlossenheit in Maßnahmen umzusetzen“, sagte Dr. Nedret Emiroglu, Direktorin für Programm-Management und Direktorin der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa.

„Eine einzelne Organisation, ein einzelnes Ressort oder ein einzelnen Land kann alleine es nicht schaffen. Wir müssen alle an einem Strang ziehen und gemeinsam handeln und Verantwortung übernehmen. Und wir müssen sicherstellen, dass alle Ressorts und alle Teile der Gesellschaft, einschließlich örtlicher Gemeinschaften, Teil der Lösung sind“, erläuterte sie.

In Istanbul hatten sich mehr als 150 Delegierte aus der Europäischen Region versammelt, um sich über Herausforderungen und vorbildliche Praktiken auszutauschen. Gemeinsam legten sie einen Kurs fest, um den Aktionsplan zur Verbesserung von Vorsorge- und Bewältigungsmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region der WHO zu operationalisieren, der von den Mitgliedstaaten auf der 68. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa angenommen wurde.

Europäische Region weiterhin anfällig für vielfältige Gefahren

Krankheiten können sich durch den Flugverkehr in der gesamten Region rasant ausbreiten und Menschen, die vor Notlagen flüchten, überqueren auf ihrer Flucht oft internationale Grenzen. Dies kann eine Kettenreaktion in Ländern und Regionen auslösen, selbst in jenen, die nicht unmittelbar von Notlagen betroffen sind. Zu den eindringlichsten Beispielen in der jüngsten Vergangenheit zählen etwa die Ausbrüche des Ebola- und des Zika-Virus sowie die humanitäre Krise in Syrien.

Die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region haben gezeigt, dass sie mit der Einschleppung von Krankheiten wie hämorrhagischen Fiebern umgehen können. Die Länder der Region, die in vorderster Reihe mit Migration konfrontiert sind, ergreifen Maßnahmen, um Neuankömmlingen den Zugang zu Gesundheitsleistungen zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und der WHO ist ein besonders gutes Beispiel für die Bereitstellung von Gesundheitsleistungen für Flüchtlinge auf demselben Niveau wie die Gesundheitsversorgung für die örtliche Bevölkerung.

Dennoch ist die Region weiterhin anfällig für vielfältige Gefahren wie ein Masernausbruch oder ein Ausbruch des West-Nil-Virus, antimikrobielle Resistenzen, Infektionen durch kontaminierte Nahrung und kontaminiertes Wasser, Überschwemmungen und Erdbeben, Konflikte und Terroranschläge.

Jedes Jahr gehen beim WHO-Regionalbüro für Europa mehr als 20 000 Warnungen vor gefahrenübergreifenden Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit ein. Von diesen erfordern 2000 eine formelle Bewertung der Organisation und etwa 50 – bzw. eine Warnung pro Woche – bedürfen einer Reaktion.

Diese vielfältigen Gefahren werfen die Frage auf, ob die Europäische Region und die Welt bereit sind, Gesundheitskrisen zu bewältigen. Besonders wichtig ist die Vorsorge innerhalb der Region für die nächste Influenzapandemie. Gegenwärtig haben weniger als ein Drittel aller Länder in der Europäischen Region seit der Pandemie von 2009 ihre Bereitschaftspläne für eine Pandemie überarbeitet und die Akzeptanz der Grippeimpfung ist konstant rückläufig.

Ziel der Tagung in Istanbul war es, gemeinsame Lösungsansätze für Krisen zu finden, die der Region immer mehr abverlangen, und die Bereitschaftsplanung für Notlagen jeglicher Art als gemeinschaftliche Verantwortung zu stärken.

Investitionen in Vorsorge zahlen sich aus

Eines haben alle Notlagen gemeinsam: ihre Auswirkungen lassen sich durch Investitionen in die Vorsorge drastisch verringern. Das Plädoyer der WHO für Investitionen lässt keine Zweifel: jeder in die Vorsorge für gesundheitliche Notlagen investierte Dollar bringt eine Rendite von mehr als 8 US$ und mit einer auf fünf Jahre angelegten Investition lassen sich schätzungsweise 1,5 Mio. Menschenleben retten und ein wirtschaftlicher Zugewinn von 240 Mrd. US$ erzielen.

Diese Investitionen zahlen sich auf vielfache Weise aus. Neben der Tatsache, dass Menschenleben gerettet werden, schützen sie auch Gesellschaften und Volkswirtschaften, stärken sie die Gesundheitssysteme und tragen sie zu den globalen Anstrengungen der WHO bei, eine Milliarde Menschen mehr weltweit vor gesundheitlichen Notlagen zu schützen. Dies macht auch den Weg frei für die Verwirklichung verschiedener Ziele für nachhaltige Entwicklung.

„Die Europäische Region verfügt über die erforderliche Sachkompetenz und das erforderliche Know-how, und gemeinsam müssen wir diese ausweiten durch das politische und finanzielle Bekenntnis, die Europäische Region und die Welt für die Menschen sicherer zu machen“, sagte Dr. Emiroglu. Die WHO arbeitet eng mit den Ländern in der Region zusammen, um deren Kapazitäten zur Verhinderung, Vorsorge, Bewältigung und Überwindung sämtlicher Arten von gesundheitlichen Notlagen zu stärken.