Nordsyrien: Zugang zur primären Gesundheitsversorgung weckt Hoffnung für unterernährtes Kind

Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM)

Sham war sechs Monate alt, als ihre besorgte Mutter Ghadir sie zu einer Gesundheitseinrichtung in Al-Zafaranah brachte, einer Stadt etwa 30 Kilometer entfernt von ihrem Dorf im umkämpften Gebiet nördlich von Homs (Syrien).

Schon seit einiger Zeit hatte Ghadir Probleme beim Stillen gehabt. Das lag zum Teil an der großen Belastung, in einem ausgebombten, halb zerstörten Haus in einer schon seit langer Zeit von Gewalt beherrschten Region zu leben. Ihre Familie hat kaum genug zum Überleben, während die Preise für Nahrung immer weiter ansteigen und die beruflichen Perspektiven und der Verdienst ihres Ehemanns zusammenschrumpfen. Doch vor allem war Sham immer weniger in der Lage, Muttermilch aufzunehmen, da sich an ihren Lippen ein rapide wachsender Tumor gebildet hatte. Das kleine Mädchen war sehr dünn und schwach.

„Als Sham Anfang November an unser Zentrum für primäre Gesundheitsversorgung in Al-Zafaranah überwiesen wurde, haben wir sofort diverse Tests durchgeführt und herausgefunden, dass sie an schwerer akuter Mangelernährung litt“, erinnert sich ihr Arzt, Dr. Kamar Osta. „Schnell haben wir einen Behandlungsplan entworfen.“

Das Personal des Zentrums gab Ghadir Empfehlungen zu Alternativen für die Fütterung und startete ein reglementiertes Ernährungsprogramm, das die Einführung therapeutischer Nahrungsmittel wie angereicherte, hochkalorische Pistazienpaste sowie wöchentliche Kontrollbesuche vorsah.

Zwei Monate später, Anfang Januar, hatte Sham ein gesundes Gewicht erreicht und litt nicht länger unter Mangelernährung. Zudem diagnostizierten die Ärzte den Tumor an ihren Lippen als gutartig – eine Geschwulst, die irgendwann operativ entfernt werden muss.

„Dieses kleine Mädchen hat Glück gehabt“, sagt Dr. Abdullrazak Kintar, der bei der Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM), der für die Einrichtung in Al-Zafaranah zuständigen WHO-Partnerorganisation, für die Koordination der Programme der primären Gesundheitsversorgung zuständig ist. „Die Mangelernährungsraten sind hoch in belagerten Gebieten, und eine viel zu hohe Anzahl an Kindern kann nicht getestet oder behandelt werden, da sie keinen sicheren Zugang zur Gesundheitsversorgung haben oder diese nicht länger existiert.“

Das Zentrum für primäre Gesundheitsversorgung in Al-Zafaranah wurde im Jahr 2014 errichtet, um etwa 60 000 Menschen, die in der Stadt oder den umliegenden Dörfern leben, darunter Tausende, die durch den bewaffneten Konflikt aus ihrer Heimat vertrieben wurden, eine kostenlose Gesundheitsversorgung zu bieten.

Die Einrichtung wurde bereits fünfmal seit ihrer Eröffnung bei Luftangriffen getroffen, darunter ein Angriff im Jahr 2016, bei dem vier Patienten getötet wurden. Nach jedem Angriff wurde die beschädigte Einrichtung von UOSSM wieder instand gesetzt, neu ausgestattet und wiedereröffnet.

Die WHO finanziert die Betriebskosten des Zentrums in Al-Zafaranah sowie der angrenzenden Entbindungsstation, wodurch 6500 ärztliche Untersuchungen pro Monat sowie die Beschäftigung eines Teams von 24 Pflegekräften, Ärzten, Hebammen, Ernährungsfachkräften, Beratern und anderen Gesundheitsfachkräften ermöglicht werden.

Die Unterstützung der Einrichtung erfolgt im Rahmen eines vorrangigen Projekts, das von der auf der anderen Seite der Grenze in Gaziantep (Türkei) liegenden WHO-Außenstelle koordiniert wird und dem Wiederaufbau und der Verbesserung der primären Gesundheitsversorgung und des Netzwerks für Überweisungen im Norden Syriens dient, die im Laufe des Krieges stark geschwächt wurden.

Das Programm umfasst Unterstützung, Schulungen und klinische Supervision für syrische Partnerorganisationen und Leistungsanbieter im Gesundheitsbereich. Darüber hinaus werden Zentren für die primäre Gesundheitsversorgung und mobile medizinische Teams mit Arzneimitteln, Ausrüstung, Krankenwagen und anderen Bedarfsgütern versorgt. Mit den im Rahmen des Programms unterstützten Gesundheitseinrichtungen können mittlerweile mehr als 1 Mio. Menschen im Norden Syriens versorgt werden.

Die Arbeit der WHO für den Wiederaufbau des primären Gesundheitsversorgungssystems im Norden Syriens wird durch die Unterstützung der Regierung Japans und des britischen Ministeriums für internationale Entwicklung (DFID) ermöglicht.