Weltflüchtlingstag: WHO bildet syrische Flüchtlinge zu Pflegepersonal für ältere Flüchtlinge und Flüchtlinge mit Behinderungen in der Türkei aus

WHO/Rocío López

Aaliyah ist eine von 350 syrischen Flüchtlingen, die von der WHO zu Hilfskräften für die häusliche Pflege von in der Türkei lebenden älteren Syrern und Syrern mit Behinderungen ausgebildet werden.

Wenn Aaliyah* morgens aufwacht, ist der Himmel über ihrem Haus nahe der an der Mittelmeerküste gelegenen Stadt Mersin im Süden der Türkei noch dunkel. Bevor sie das Haus verlässt, um den ersten Bus des Tages zu nehmen, schaut sie nach ihrer Schwester Lilah*, die bettlägerig ist, seit eine Bombe das Haus der Familie in der syrischen Stadt Homs traf. Durch die Explosion erlitt Lilah Verbrennungen am ganzen Körper, als das Dach über ihr zusammenstürzte. Sie kann nicht mehr gehen, ihre Hände bewegen oder gar sprechen.

Als die hohen Ausgaben für die Behandlung ihrer Schwester überhandnahmen, erfuhr Aaliyah von Bekannten, dass das Ausbildungszentrum für die Gesundheit von Flüchtlingen in Mersin Bewerber für das neue Ausbildungsprogramm für häusliche Pflegekräfte suchte. Mit diesem Programm unterstützt die WHO das türkische Gesundheitsministerium bei dessen Ziel, ältere syrische Flüchtlinge und syrische Flüchtlinge mit Behinderungen zu Hause zu betreuen.

Mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung hat die WHO 350 syrische Flüchtlinge wie Aaliyah zu gemeindenahen Gesundheitshilfskräften für die häusliche und soziale Betreuung jener syrischen Flüchtlinge ausgebildet, die Schwierigkeiten haben, zu den Gesundheitszentren zu gelangen.

Nach ihrer Zertifizierung können Aaliyah und andere Hilfspflegekräfte unter Aufsicht von syrischen Ärzten und Pflegekräften in sieben Ausbildungszentren für die Gesundheit von Flüchtlingen im ganzen Land eingesetzt werden. In Zusammenarbeit mit dem Personal der von der WHO unterstützten Zentren werden sie regelmäßige Hausbesuche bei syrischen Patienten durchführen, um deren Wohlbefinden zu gewährleisten.

„Ich bin es gewohnt, meine Schwester zu pflegen. Ich weiß, wie ich sie bewegen muss, um Wundliegen und Infektionen zu verhindern, wie ich sie wasche und füttere“, erklärt Aaliyah. „Ich mag es, sie zu pflegen, und ich bin sicher, dass es mit anderen Patienten ähnlich sein wird.“

Niemanden zurücklassen

Konfliktbedingte Verletzungen, der langfristige Zusammenbruch des syrischen Gesundheitssystems und die schlechte bzw. unzureichende Bewältigung chronischer Krankheiten haben zur Folge, dass eine Vielzahl von Menschen mit Behinderungen zurückgelassen wurden oder keine angemessene Betreuung erhalten. In der Türkei unterstützt die WHO das Gesundheitsministerium dabei, diese gefährdete Gruppe zu erreichen und sicherzustellen, dass sie nicht übersehen wird.

„Neben den sprachlichen und kulturellen Herausforderungen, denen sich syrische Flüchtlinge beim Zugang zur Gesundheitsversorgung gegenübersehen, können sich Flüchtlinge mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität auch auf andere Weise ausgeschlossen fühlen“, erläutert Dr. Pavel Ursu, Repräsentant der WHO in der Türkei. „Ziel dieses Projekts ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Personal in den Gesundheitszentren und den Patienten zu Hause, um eine solche Ausgrenzung zu vermeiden.“

Um auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten eingehen zu können, werden die von der WHO geschulten syrischen Hilfspflegekräfte dazu beitragen, dass eine sichere Umgebung gewährleistet ist, um Unfälle zu Hause zu vermeiden, die Selbstversorgungsfähigkeiten und eine ausgewogene Ernährung der Patienten fördern, die Nachbeobachtung unterstützen und die angemessene Pflege bettlägeriger Patienten gewährleisten, um Komplikationen zu verhindern.

Neue Chancen für syrische Frauen schaffen

Angesichts der Tatsache, dass mehr als 84% der Bewerber für die Ausbildung Frauen sind, schafft die WHO darüber hinaus zusätzliche bezahlte Beschäftigungsmöglichkeiten für syrische Frauen. Viele syrische Auszubildende wie Aaliyah sind arbeitslos und schaffen es kaum, ihre Grundbedürfnisse zu decken. „Aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten ist das Leben für Syrer in der Türkei nicht einfach“, erklärt sie. „Diese Ausbildung und diese Tätigkeit sind eine großartige Chance für mich. Ich brauche das Geld für meine Familie, schließlich muss ich auch weiterhin Lilahs Behandlung bezahlen.“

Grundlage für die Zertifizierung, die durch das türkische Gesundheitsministerium mit Unterstützung der WHO durchgeführt wird, sind die Leistung während der Ausbildung sowie ein persönliches Interview mit den türkischen Behörden. Diejenigen, die das Zertifikat erhalten, können im türkischen Gesundheitssystem arbeiten und erhalten ein regelmäßiges Einkommen. Sie erhalten damit eine klarere Perspektive für die Zukunft in ihrer neuen Heimat.

Erinnerung an die Stärke und den Mut von Flüchtlingen

Der Weltflüchtlingstag bietet jedes Jahr Gelegenheit, an die Stärke, den Mut und die Ausdauer von Millionen von Flüchtlingen zu erinnern – darunter auch die mehr als 3 Mio. syrischen Flüchtlinge, die in der Türkei leben.

Mehr noch als die Europäische Region der WHO insgesamt hatten in den vergangenen Jahren vor allem die Nordafrika und dem Nahen Osten am nächsten gelegenen Länder große Migranten- und Flüchtlingsströme zu bewältigen, was diese Länder vor beträchtliche gesundheitliche Herausforderungen gestellt hat. Das WHO-Regionalbüro für Europa arbeitet eng mit den Mitgliedstaaten zusammen, um die Bereitschaftsplanung und die Kapazitäten des Gesundheitswesens zu stärken, besser mit der durch Krisensituationen bedingten Migration umgehen zu können, und nach Wegen zu suchen, um besser auf die gesundheitlichen Bedürfnisse von Flüchtlingen in der Europäischen Region eingehen zu können.
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* Name wurde auf Wunsch der Befragten geändert.