Veröffentlichung eines neuen Berichts über die Maßnahmen der WHO zur Bewältigung der humanitären Krise in Syrien sowohl innerhalb der als auch aus der Türkei heraus

WHO

Der jüngst vom WHO-Regionalbüro für Europa veröffentlichte Bericht zu dessen Maßnahmen zur Bewältigung der humanitären Krise in Syrien im Jahr 2018 erläutert die Tätigkeiten des Programms der WHO für gesundheitliche Notlagen und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen syrischen Bevölkerung. Die zwei Programme des WHO-Länderbüros in der Türkei – einerseits grenzüberschreitende Maßnahmen im Nordwesten Syriens und andererseits das Gesundheitsprogramm für Flüchtlinge – haben ihre Aktivitäten auf das Ausmaß der Notlage und die gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten.

„Das WHO-Regionalbüro für Europa wird seine Tätigkeiten im Rahmen der umfassenden humanitären Hilfe in Reaktion auf die Krise in Syrien sowohl innerhalb der als auch aus der Türkei heraus fortsetzen und gleichzeitig die anhaltende Unterstützung auf allen Ebenen der WHO gewährleisten“, erklärt Dr. Dorit Nitzan, Geschäftsführende Direktorin für gesundheitliche Notlagen im WHO-Regionalbüro für Europa. „Dadurch wird eine vollständige Abstimmung von Plänen und Aktivitäten mit den regionsweiten und nationalen Strategien ermöglicht und eine gemeinsame Rechenschaftspflicht in der gesamten Organisation sowie unter Partnern und maßgeblichen Akteuren gegenüber sämtlichen Unterstützungsempfängern sichergestellt.“

8 Jahre Syrien-Konflikt

Der anhaltende Konflikt in der Arabischen Republik Syrien betrifft Millionen von Menschen und hat zu einer der größten und dynamischsten Flüchtlingskrisen weltweit geführt. Mehr als die Hälfte aller Syrer wurden aus ihrer Heimat vertrieben: 40% von ihnen leben im Nordwesten Syriens und über 3,6 Mio. sind in die Türkei geflüchtet. Trotz eines Rückgangs der Kampfhandlungen in einigen Gebieten und der Anzahl an Menschen, die in schwer erreichbaren Gebieten leben, blieb der Zugang für humanitäre Einsätze 2018 durch den Konflikt weiterhin eingeschränkt.

Die gesundheitliche Situation verschlechterte sich weiter: 13,2 Mio. Syrer benötigen im Jahr 2019 eine medizinische Versorgung. Seit September 2018 waren 46% der Gesundheitseinrichtungen in ganz Syrien entweder gar nicht oder nur teilweise funktionsfähig. Das ganze Jahr über gab es trotz einer internationalen Verurteilung anhaltende flächendeckende Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsfachkräfte.

Die Türkei ist mittlerweile das Land, das weltweit die größte Anzahl an Flüchtlingen aufgenommen hat. Dies stellt das nationale Gesundheitssystem vor Herausforderungen in Bezug auf die Gestaltung von Handlungskonzepten, die Erbringung von Leistungen und die Mobilisierung von Ressourcen. Sowohl sprachliche als auch kulturelle Barrieren stellen erhebliche Hindernisse für den Zugang der Flüchtlinge zu Gesundheitsleistungen dar, da die Patienten oft nicht in der Lage sind, ihre Symptome zu beschreiben oder Behandlungsanweisungen zu verstehen. Die psychischen Gesundheitsbedürfnisse unter Syrern nahmen stetig zu, denn die ständige Exposition gegenüber Gewalt und die Erfahrungen des Exillebens bleiben nicht folgenlos. Viele der Flüchtlinge leiden unter Depressionen, Angstzuständen oder einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Berichterstattung über die seit einem Jahr andauernden gesundheitlichen Notfallmaßnahmen

Die Erbringung von Gegenmaßnahmen im Nordwesten Syriens und im Rahmen des Gesundheitsprogramms für Flüchtlinge wurde gemäß der standardisierten Struktur des als Ereignis-Managementsystem definierten Programms der WHO für gesundheitliche Notlagen organisiert. Darüber hinaus arbeiteten die zwei Programme nach den relevanten Plänen für gemeinsame Gegenmaßnahmen (dem Plan für humanitäre Hilfsmaßnahmen 2018 und dem Regionalplan Flüchtlinge und Resilienz 2018–2019).

„Dieser Bericht bietet einen Überblick über unsere Gegenmaßnahmen im Jahr 2018 und hebt dabei sowohl die grenzüberschreitenden Maßnahmen als auch die Reaktion des Gesundheitssystems auf die Flüchtlingsströme in der Türkei hervor“, erläutert Dr. Pavel Ursu, WHO-Repräsentant in der Türkei. „Mit der großzügigen Unterstützung unserer Geber können wir auf zahlreiche Erfolge verweisen. Wir hoffen, sowohl die syrische als auch die türkische Bevölkerung auch im Jahr 2019 weiterhin unterstützen zu können – ganz im Sinne der allgemeinen Gesundheitsversorgung und getreu der Maxime ,Niemanden zurücklassen‘.“

Schwerpunkte

  • Die für gesundheitliche Notlagen zuständigen Teams der WHO in Ankara und Gaziantep stellen sicher, dass die unternommenen Aktivitäten den regionsweiten und nationalen Strategien entsprechen, die Arbeit in enger Zusammenarbeit mit und in voller Verantwortlichkeit gegenüber den Gebern erfolgt und Verantwortung für öffentliche Informationen übernommen und Überzeugungsarbeit geleistet wird.
  • Die WHO koordiniert Gesundheitspartner im Nordwesten Syriens und in der Türkei und verfolgt mit diesen gemeinsame Strategien und Ziele zur Identifizierung und Schließung von Lücken, die weiterhin die Gesundheit von Millionen von Menschen betreffen.
  • Die Organisation gewährleistet, dass relevante gesundheitsbezogene Daten unter den Partnern erfasst, analysiert und geteilt werden, um programmbezogene Entscheidungen und die Definition von Handlungsprioritäten zu erleichtern.
  • Eine zentrale Priorität der fachlichen Unterstützung der WHO im Nordwesten Syriens ist der Kapazitätsaufbau unter den Gesundheitspartnern, um drängende gesundheitliche Bedürfnisse in den am stärksten betroffenen Gebieten und unter den durch den Konflikt Vertriebenen in Angriff nehmen zu können. In der Türkei zielen die Anstrengungen auf die Stärkung eines umfassenden, flüchtlingssensiblen nationalen Gesundheitssystems unter den vom Gesundheitsministerium vorgegebenen Rahmenbedingungen ab.
  • Die WHO gewährleistet die operative Unterstützung von Aktivitäten im Nordwesten Syriens durch die Bereitstellung von medizinischen Hilfsgütern und medizinischer Ausrüstung. In der Türkei übernimmt die Organisation einen Teil der operativen Kosten für sieben Ausbildungszentren für die Gesundheit von Flüchtlingen, einschließlich der Kosten für Personal, Verbrauchsgüter und medizinische Hilfsgüter.