Türkische und syrische Gesundheitsfachkräfte stellen gemeinsam die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge bereit

Video: Turkish and Syrian health workers stand together to deliver health services for refugees

WHO

Bevor Dr. Umit Sezginer 2017 seinen Posten als Chefarzt beim Schulungszentrum für die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Izmir antrat, hatte er nie eng mit Menschen zusammengearbeitet, die eine andere Sprache sprechen. Er hatte mehr als zehn Jahre lang an verschiedenen Krankenhäusern in der Küstenstadt praktiziert, doch er war der Meinung, er könne noch viel zur Unterstützung der syrischen Bevölkerung in der Türkei tun. Leider stellte die Sprache ein erhebliches Hindernis dar. „Am Anfang war es nicht leicht“, erzählt er. Das türkische Gesundheitspersonal konnte nicht problemlos mit den syrischen Patienten kommunizieren, und durch die Verdolmetschung verdoppelte sich die Behandlungszeit. „Das kann für Ärzte und Patienten sehr ermüdend werden, und vor allem kann es bei Untersuchungen zu Missverständnissen kommen.“

Dies änderte sich nach der Einführung eines Programms, bei dem syrische Gesundheitsfachkräfte für die Arbeit im türkischen Gesundheitssystem zusammen mit türkischen Kollegen geschult werden. Heute arbeitet Umit in dem Zentrum eng mit syrischen Ärzten zusammen und fühlt sich in der Lage, hochwertige Gesundheitsleistungen zu erbringen, bei denen sprachliche und kulturelle Barrieren überwunden werden. Seine syrischen Kollegen sind Gesundheitsfachkräfte, die zur Unterstützung des Gesundheitsministeriums von der WHO geschult wurden, um im türkischen Gesundheitssystem zu arbeiten und ihre Landsleute in Arabisch zu betreuen. Nach der Fertigstellung ihrer theoretischen und praktischen Ausbildung werden sie vom Gesundheitsministerium in verschiedenen

Gesundheitszentren im ganzen Land eingestellt.

„Trotz der Sprachbarriere haben wir gelernt, miteinander zu arbeiten“, erklärt Umit. „Wir respektieren einander und erleben als Kollegen so manche erfreuliche Momente.“ Ob beim Mittagessen, beim Abendessen während des Ramadan oder beim Fußball: Umit und sein syrisches Mitarbeiterteam sind ein Beispiel dafür, wie Integration das Beste für geflüchtete Patienten bewirken kann.

Ramy ist einer der syrischen Gesundheitsfachkräfte, die 2017 zu Umits Team gestoßen sind. Nach einer Reihe intensiver theoretischer Schulungen erhielt er bei Umit die Anleitung, die er brauchte. „Wir haben von den türkischen Kollegen gelernt, wie hier das Gesundheitswesen funktioniert“, erzählt er. „Ihre Unterstützung hat uns entscheidend dabei geholfen, das System zu verstehen.“

Nach Abschluss der Schulungen wurde Ramy vom Schulungszentrum für die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Izmir eingestellt. Dort werden jeden Monat fast 7000 Termine mit syrischen Flüchtlingen absolviert, sodass das Team keinerlei Zeit vergeuden darf. „Als Arzt muss man wirksam kommunizieren können“, erklärt Umit. „Es ist wichtig, die Beschwerden der Patienten klar zu verstehen, und die arabischsprachigen Ärzte sind uns dabei behilflich, diese Kluft zu überwinden und gute ärztliche Leistungen zu erbringen.“

Ein Unterschied für das Leben syrischer Kinder und Familien

Mit Blick auf die konkreten Leistungsangebote der Zentren sprechen beide Ärzte gleichermaßen enthusiastisch davon, wie ihre Arbeit für syrische Neugeborene einen Unterschied bewirkt. Umit und Ramy sind stolz auf die langfristigen positiven Auswirkungen des Programms für das Neugeborenenscreening auf die Jüngsten unter den syrischen Flüchtlingen. Im Rahmen des Programms wird den Neugeborenen eine Blutprobe (Fersenstich) abgenommen, um sie konkret auf vier Stoffwechselerkrankungen zu untersuchen. Wenn das Ergebnis auf ein Risiko für das Neugeborene hindeutet, wird seine Familie zu einer weiteren Untersuchung an ein Krankenhaus überwiesen.

Ramy erzählt, dass diese Praxis im syrischen Gesundheitssystem fehlte. „Dank der Betreuung durch Umit verstehe ich jetzt, wie das funktioniert, und kann es auf die Patienten anwenden“, sagt er. „Dies ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit in den Zentren, aber seine Wirkung auf das Wohlbefinden der syrischen Familien ist unermesslich.“

Weltflüchtlingstag: Das Recht auf Gesundheit bedeutet, niemanden zurückzulassen

Der Weltflüchtlingstag bietet jedes Jahr Gelegenheit, an die Stärke, den Mut und die Ausdauer von Millionen von Flüchtlingen zu erinnern – darunter auch die mehr als 3,6 Mio. syrischen Flüchtlinge, die in der Türkei leben.
Er ist auch eine Erinnerung daran, dass das Menschenrecht auf Gesundheit bedeutet, niemanden zurückzulassen – unabhängig von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Herkunftsland und Aufenthaltsstatus. Genau das demonstrieren türkische Gesundheitsfachkräfte Tag für Tag mit ihrer konstruktiven Unterstützung für ihre syrischen Kollegen.

Das Programm der WHO für die Gesundheit von Flüchtlingen in der Türkei hat diese Synergieeffekte ermöglicht und dieses menschliche Band geschaffen. Ohne die großzügigen Beiträge der unterstützenden Partnerorganisationen wäre dies nicht möglich gewesen. Darunter waren: die KfW Entwicklungsbank (Deutschland); der Regionale Treuhandfonds der Europäischen Union als Reaktion auf die Syrien-Krise; das Büro für Bevölkerungsfragen, Flüchtlinge und Migration des Außenministeriums der USA; und die Regierung Japans.