Am Welttag der humanitären Hilfe würdigt die WHO die Rolle von Frauen an vorderster Front der humanitären Arbeit

WHO/Rocio Lopez

Zu den größten Herausforderungen für Menschen in Notlagen gehört ein fehlender Zugang zu unentbehrlichen Gesundheitsleistungen. Eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit aufgrund von Unsicherheit, Störungen bei der Bereitstellung von medizinischen Hilfsgütern und Engpässe beim Gesundheitspersonal gestalten die humanitäre Hilfe in solchen Gebieten besonders schwierig. Trotzdem erbringen humanitäre Hilfskräfte lebensrettende Leistungen und kümmern sich um die Krankenversorgung, die Krankheitsprävention und die Förderung einer gesunden Lebensweise.

Der Welttag der humanitären Hilfe steht ganz im Zeichen der Anerkennung der Arbeit des humanitären Hilfspersonals und all derer, die aufgrund ihres humanitären Engagements ihr Leben verloren haben. In diesem Jahr hebt die WHO den besonderen Beitrag hervor, den Frauen in der humanitären Hilfe leisten, und unterstreicht ihren unermüdlichen Einsatz für mehr Gesundheit und Hoffnung für die in Konfliktgebieten lebenden Menschen.

Bei anhaltenden Notlagen, wie etwa den andauernden Konflikten und humanitären Krisen in der Arabischen Republik Syrien und der Ostukraine, sowie bei der gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlingen in der Türkei sorgen gemeindenahe Gesundheitsangebote dafür, dass die unerlässliche Hilfe jene erreicht, die sie am dringendsten benötigen. Doch trotz der überwiegenden Beteiligung von Frauen an der gemeindenahen Gesundheitsversorgung wird ihre Rolle als Hilfeleistende an vorderster Front nicht immer anerkannt.

„In den Gemeinden tätige Frauen bringen den Hilfsbedürftigen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten näher. Die Anerkennung des lebenswichtigen Beitrags, den das gesamte gemeindenahe Gesundheitspersonal leistet, ist wesentlich für eine bessere Notfallvorsorge auf kommunaler und nationaler Ebene. Diese Frauen sind stille Heldinnen und verdienen es, gefeiert zu werden“, sagt Dorit Nitzan, Geschäftsführende Direktorin für gesundheitliche Notlagen in der Europäischen Region beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Die Gesundheitsversorgung näher an die Menschen in den vom Konflikt betroffenen Gebieten in der Arabischen Republik Syrien heranbringen

Derzeit leben noch immer schätzungsweise 4 Mio. Menschen im nordwestlichen Teil der Arabischen Republik Syrien, die nach acht Jahren Krieg eine der am stärksten vom Konflikt betroffenen Regionen des Landes ist. Zivilisten sind täglich Bombenangriffen, Granatenbeschuss und anderen Formen von Gewalt ausgesetzt. Auch Gesundheitseinrichtungen werden häufig zum Ziel von Angriffen.

„Die Unsicherheit bewirkt, dass viele Menschen Angst davor haben, ihre Wohnung zu verlassen, und so manchmal notwendige Arztbesuche verschieben. Deshalb ist unsere Arbeit so wichtig: wir sind diejenigen, die von Haus zu Haus gehen“, erklärt Helama Ali, eine Führungskraft der gemeindenahen Pflegekräfte in Idleb.

Um sicherzustellen, dass die Menschen die unentbehrlichen Gesundheitsleistungen erhalten, hat die WHO die Schulungen für gemeindenahe Pflegekräfte ausgeweitet. „Vor fünf Jahren wussten wir nicht, welche Aufgaben gemeindenahe Pflegekräfte haben. Das war alles Neuland für uns. Mit Hilfe der WHO haben wir unsere Fähigkeiten weiterentwickelt, und jetzt bilde ich neue Kräfte aus und überwache sie“, fügt Helama hinzu.

Die WHO und ihre Partner im Gesundheitsbereich haben das Programm für gemeindenahe Pflegekräfte durch Einführung eines standardisierten Lehrplans, die Erstellung geeigneter Bildungsinhalte und Botschaften zur Bewusstseinsbildung sowie die Einrichtung eines wirksamen Systems von Vorsorgeuntersuchungen und Überweisungen aufgebaut.

Helama erklärt: „Ich bin stolz, humanitäre Hilfe leisten zu können. Frauen sind für diese Tätigkeit wie geschaffen, weil wir in den Häusern der Menschen willkommen sind. Dadurch bin ich in der Lage, ihnen zu helfen und sie vor Krankheiten zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie die benötigte Versorgung erhalten. Der direkte Kontakt mit der Bevölkerung ist der lohnendste Teil meiner Tätigkeit – und der Grund, warum ich meine Stelle als Hebamme in einem Gesundheitszentrum gekündigt habe. Ich kann alle Frauen nur ermutigen, diese Tätigkeit auszuüben, selbst wenn sie in unserer Gegend mit erheblichen Gefahren verbunden ist.“

Mit finanzieller Unterstützung aus Norwegen und den Vereinigten Staaten sind inzwischen über 600 von der WHO ausgebildete, überwachte ambulante Pflegekräfte im nordwestlichen Teil des Landes tätig.

Mobile ambulante Teams kümmern sich um psychische Gesundheitsbedürfnisse in den Konfliktgebieten der östlichen Ukraine

Humanitäre Helferinnen erbringen in allen Konfliktgebieten der Europäischen Region der WHO unentbehrliche Gesundheitsleistungen für die bedürftigsten Gemeinschaften und stellen ihre Stärke und Widerstandsfähigkeit unter Beweis.

Tetiana Yartseva verbringt ebenso wie Helama ihre Tage damit, entlang der Kontaktlinie zwischen den Kriegsparteien anfälligen Gruppen wie den Binnenvertriebenen zu helfen. Sie ist als Sozialarbeiterin in Slovyansk tätig, einer Kleinstadt in der Region Donezk, die von dem bewaffneten Konflikt in der östlichen Ukraine betroffen ist. Seit drei Jahren arbeitet Tetiana in einem mobilen Team für psychische Gesundheitsversorgung, das von der WHO unterstützt wird.

„Zusammen mit dem Psychiater, der Psychologin und der Krankenschwester sind wir für eine der am stärksten stigmatisierten Gruppen da: Menschen mit psychischen Störungen. Zu unseren Patienten gehören Frauen mit traumatischen Kriegserlebnissen und unverheiratete Mütter; sie werden medizinisch versorgt und beraten“, erklärt Tetiana.

Psychische Gesundheitsprobleme sind immer noch mit einem Stigma behaftet und stellen eine erhebliche Gefährdung für die Bevölkerung dar. Das Team leistet die dringend benötigte Unterstützungsarbeit für Menschen mit moderaten bis schweren psychischen Gesundheitsstörungen.

„Ich finde es sehr erfüllend, wenn ich sehe, dass unsere Hilfe es den Menschen ermöglicht, sich zu erholen und zu einem normalen Leben zurückzufinden: einer Beschäftigung, besseren Beziehungen zu Freunden und Familie und einer aktiven Beteiligung am gesellschaftlichen Leben“, fügt Tetiana hinzu.