Häufig gestellte Fragen – Ab Frühsommer Zika-Virus in Europa zu erwarten, doch insgesamt geringe bis mäßige Risiken

1. Ist in Europa ein ähnlicher Ausbruch zu befürchten wie in Amerika?

Das Risiko, dass ein Ausbruch der Zika-Viruskrankheit in der Europäischen Region erfolgt wie in Amerika, ist mäßig bis gering. Die für den Ausbruch in Amerika verantwortliche Mückenart (Aedes aegypti) ist nämlich in Europa nicht sehr verbreitet, auch wenn sie auf Madeira und in begrenzten Gebieten nordöstlich des Schwarzen Meeres vorkommt. 

Aedes albopictus kommt allerdings ebenfalls als Überträger für das Zika-Virus in Frage und ist in 18 Ländern der Region, hauptsächlich im Mittelmeerraum, verbreitet. Aedes albopictus ist in der Europäischen Region der wichtigste Vektor für Arboviren (durch Insekten übertragene Viren), in Afrika sowie in Laborversuchen hat diese Mückenart auch das Zika-Virus übertragen und neulich wurden in Mexiko Exemplare gefunden, die das Zika-Virus trugen. Allerdings ist davon auszugehen, dass Aedes albopictus Arboviren (hierunter Zika) nicht in gleichem Maße überträgt wie Aedes aegypti.


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2. Wie groß ist demzufolge die Gefahr für Europa?

Zwar ist das Risiko für einen Ausbruch der Zika-Viruskrankheit von Land zu Land verschieden, doch sollte es für die Europäische Region insgesamt nicht unterschätzt werden. In Ländern, in denen Aedes-Mücken vorkommen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung groß ist mäßig. 

In 18 Ländern der Europäischen Region gilt eine örtliche Übertragung des Zika-Virus als wahrscheinlich (nach Reihenfolge zunehmende Wahrscheinlichkeit): Frankreich, Italien, Malta, Kroatien, Israel, Spanien, Monaco, San Marino, Türkei, Griechenland, Schweiz, Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Georgien, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro. In geografisch eingegrenzten Gebieten, nämlich auf Madeira (Portugal) und nordöstlich des Schwarzen Meers, gilt die Wahrscheinlichkeit einer örtlichen Übertragung des Zika-Virus als hoch.

Diese Länder und Regionen sollten sich gut auf den Schutz ihrer Bevölkerung vor einer Ausbreitung der Zika-Viruskrankheit und möglicher neurologischer Komplikationen, hierunter Mikrozephalie und Guillain-Barré-Syndrom, vorbereiten.


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3. Wie ist diese Bewertung entstanden?

Zwei wesentliche Faktoren wurden zur Bewertung des Risikos herangezogen: 

  • die Wahrscheinlichkeit einer örtlichen Übertragung des Virus aufgrund des Vorhandenseins von Überträgermücken (Aedes aegypti bzw. Aedes albopictus) sowie Faktoren wie ein für die Mücken günstiges Klima, frühere Übertragungen von Dengue oder Chikungunya, Schifffahrt und Flugverkehr, Bevölkerungsdichte und Verstädterung;
  • die Fähigkeit des Landes zur frühzeitigen Eindämmung einer Übertragung durch Vektorbekämpfung, klinische Überwachung, Laborkapazität und Risikokommunikation.  

us der Kombination dieser Faktoren ergab sich die Abschätzung des Risikos für die Europäische Region.


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4. Was ist der Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeit und Risiko?

Mit der Wahrscheinlichkeit wird die Möglichkeit einer Ausbreitung des Zika-Virus angesprochen, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Sie wird bestimmt durch das Vorhandensein von Überträgermücken sowie ein für die Mücken günstiges Klima, frühere Übertragungen von Dengue oder Chikungunya, Schifffahrt und Flugverkehr, Bevölkerungsdichte und Verstädterung.

Für die Bewertung zog die WHO jedoch auch die Kapazitäten zur schnellen Reaktion auf die Ausbreitung des Virus heran. Das Risiko ergibt sich somit aus Wahrscheinlichkeit und Fähigkeit zur Abwehr.  Für die Europäische Region ist das Risiko eines Ausbruchs der Zika-Viruskrankheit als gering bis mäßig anzusehen.


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5. Wie wurde die Kapazität der Länder bewertet?

Zur Bewertung der Kapazitäten wurden vier Faktoren herangezogen: Vektorbekämpfung, klinische Überwachung, Laborkapazität und Risikokommunikation. Alle Daten entstammen aus den Antworten auf einen an alle 53 Mitgliedstaaten in der Region versandten Fragebogen. 

Die Antworten aus 51 Mitgliedstaaten sowie Liechtenstein in Bezug auf die Fähigkeit zur schnellen Eindämmung einer Übertragung des Zika-Virus deuten darauf hin, dass 41 Länder (79%) über gute bis sehr gute Kapazitäten verfügen, auch wenn diese im Einzelfall stark variierten.


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6. Warum wurde das Risiko auf Ebene der Region bewertet?

Der Fragebogen sollte die Länder in der Bewertung ihrer Kapazitäten zur Prävention und schnellen Eindämmung eines Zika-Virus-Ausbruchs unterstützen. Aufgrund von Zeitmangel war nicht zu gewährleisten, dass alle Länder die Fragen in gleicher Weise verstanden und die Antworten direkt miteinander verglichen werden konnten. Insgesamt lassen sich die Daten aber dazu nutzen, das Risiko auf Ebene der Region abzuschätzen und auch Aussagen zur Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus in einzelnen Ländern zu machen. 

Die WHO möchte das Thema weiter verfolgen, um das Ausmaß der nationalen Risiken präzise vergleichen und veröffentlichen zu können.


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7. Wie ist die Selbsteinschätzung der Kapazität durch die Länder zu bewerten?

Die Länder sind in der besten Position eigene Kapazitäten zu bewerten und wir setzen darauf, dass sie diese Übung dazu nutzen, ihre Maßnahmen entsprechend der Kombination einer Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung und der Fähigkeit zur Abwehr auszurichten, damit ein Zika-Ausbruch gegebenenfalls vermieden bzw. schnell eingedämmt werden kann. 

Die WHO möchte dabei helfen, dass auf alle Lücken und Erfordernisse in Bezug auf Vorsorge- und Gegenmaßnahmen angemessen reagiert wird.


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8. Warum werden die Empfehlungen aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung des Virus ausgesprochen?

Die Leitlinien der WHO für Vektorbekämpfung, epidemiologische Überwachung, Labordiagnose und Risikokommunikation hängen in Bezug auf das Zika-Virus nicht von den Kapazitäten des Landes, sondern von der Wahrscheinlichkeit einer örtlichen Übertragung des Zika-Virus ab. 

Länder der gleichen Wahrscheinlichkeitsstufe sollten die gleichen Empfehlungen befolgen bzw. abschätzen, inwieweit diese bereits befolgt werden. Insbesondere Länder mit erhöhtem Risiko sollten die Empfehlungen der WHO zur Prävention und schnellen Eindämmung einer örtlichen Übertragung des Zika-Virus beherzigen. Einige Länder können bereits Maßnahmen ergreifen, um die Gesamtrisiken durch einen Ausbruch verringern.


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9. Wieso wurde der sexuelle Übertragungsweg nicht berücksichtigt?

Mücken sind laut allen Erkenntnissen die wichtigsten Überträger des Zika-Virus, auch während des aktuellen Ausbruchs in Amerika. 

Angesichts kaum verfügbarer Daten zum Umfang des Risikos einer sexuellen Übertragung der Krankheit, konnte dieses nicht berücksichtigt werden. So bald weitere Erkenntnisse über eine sexuelle Übertragung des Zika-Virus vorliegen, wird die WHO ihre Risikoabschätzung entsprechend aktualisieren.


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10. Warum wird die Einschleppung von Fällen erwähnt?

Seit dem 15. April 2016 hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten 409 Fälle von Einschleppung in 17 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) gemeldet, davon 23 Fälle mit Schwangeren. Zwar wurden die eingeschleppten Fälle für die Risikoabschätzung nicht berücksichtigt, doch belegen sie, dass eine Einschleppung des Virus in die Europäische Region stattfindet. 

Seit dem 15. April 2016 wurde noch kein einziger Fall einer örtlichen Übertragung des Zika-Virus gemeldet. Doch könnten mit dem Zika-Virus infizierte Reisende, die im Frühsommer und Sommer in die Europäische Region zurückkehren, eine örtliche Übertragung des Virus dort auslösen, wo Überträgermücken vorhanden sind.


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11. Welche Aussagekraft hat die Risikoabschätzung?

Jedes wissenschaftliche Projekt hat inhärente Begrenzungen. Im Falle des Zika-Virus sind dies in erster Linie das begrenzte aktuelle Wissen und das Fehlen validierter Modelle zur Vorhersage der Übertragung in der Europäischen Region der WHO. 

  • Zwar wurden öffentlich zugängliche Quellen zur Bestimmung des Vorkommens von Aedes-Mücken genutzt, doch ist die epidemiologische Überwachung in manchen Gebieten mangelhaft.
  • Weil die Daten nur auf Ebene der Länder verfügbar waren, wurden diese als Einheit betrachtet, obwohl das Vorkommen von Vektoren und die Kapazitäten innerhalb eines Landes wahrscheinlich beträchtlich schwanken.
  • Die Validierung der Antworten auf den Fragebogen zu den Kapazitäten lag außerhalb des Untersuchungsauftrags.

Die WHO sieht allerdings in dem offenen Umgang mit den Schwächen der Untersuchung die Chance zur besseren Deutung ihrer Ergebnisse. Forscher und Partner werden hierauf aufmerksam gemacht und können so künftige Bewertungen und Modelle verbessern.


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12. Behält die Risikoabschätzung ihre Gültigkeit, wenn weitere Erkenntnisse vorliegen?

Die Bewertung beruht auf den derzeit verfügbaren Erkenntnissen. Sie berücksichtigt alle vorliegenden Erkenntnisse zum Risiko eines Ausbruchs der Zika-Viruskrankheit in der Europäischen Region der WHO. 

In dem Bewusstsein, dass Risikobewertungen den sich ändernden Rahmenbedingungen folgen, wird die WHO ihre Bewertung gemäß der Verfügbarkeit neuer Daten anpassen.


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13. Wie unterstützt die WHO die Länder in der Prävention und Bekämpfung einer Ausbreitung des Zika-Virus nach der Risikobewertung?

Die Bewertung ist ein wichtiger Schritt, der die Vorbereitung der Länder in der Region beeinflussen und helfen soll, Aktivitäten zur Prävention eines größeren Ausbruchs zu priorisieren. Zur Abwehr der Gefahren durch eine Ausbreitung des Zika-Virus wird die WHO ihre Hilfe konsolidieren durch:

  • Stärkung der Pläne zur Vektorbekämpfung gegen die Einfuhr von Mücken, Aufspüren von Mücken an Grenzübergangsstellen, Prävention ihrer Ausbreitung und Ausdünnung ihrer Populationen; 
  • Hinweise zur Vektorbekämpfung in Abstimmung mit anderen Sektoren;
  • Stärkung der klinischen und epidemiologischen Überwachung zur frühen Feststellung einer Übertragung der Zika-Viruskrankheit (hierunter Frühwarnsysteme für gehäuftes Auftreten von Fieber und Ausschlag);
  • Erleichterung der Versendung von Proben an die Referenzlabore der WHO oder Bereitstellung von Diagnostika für Tests vor Ort; 
  • Förderung der Beteiligung örtlicher Gemeinden im Kampf gegen Brutstätten der Mücken und Schutz insbesondere der am stärksten gefährdeten Einzelpersonen vor Mückenstichen;
  • Unterstützung der Länder in der Europäischen Region vor Ort im Falle eines Ausbruchs der Zika-Viruskrankheit.

Die WHO wird im Juni 2016 zu einer Konsultation für die Region in Portugal einladen, um Schlussfolgerungen aus der Risikobewertung zu prüfen und Erfordernisse und Lücken in Bezug auf die Prävention und Bekämpfung der Zika-Viruskrankheit zu benennen.


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14. Was unternehmen die übrigen WHO-Regionen zur Vorbereitung?

Die Unterstützung der WHO für die Länder in Vorbereitung auf Gesundheitsrisiken und entsprechende Gegenmaßnahmen ist ein zentraler Aspekt der Reform der Notfallbereitschaft auf nationaler, regionaler und globaler Ebene der Organisation. 

Auch die anderen Regionen der WHO bereiten sich durch Tagungen, Ländermissionen und Kapazitätsbewertungen auf eine mögliche Ausbreitung des Zika-Virus vor. Die Regionalbüros für den östlichen Mittelmeerraum und Afrika arbeiten hieran mit ihren Mitgliedstaaten und das Hauptbüro koordiniert auf globaler Ebene.

Die jetzt erschienene Risikoabschätzung für die Europäische Region der WHO ist ein wichtige Komponente dieser Arbeit und bietet eine solide methodische Grundlage für die Durchführung ähnlicher Untersuchungen in anderen Teilen der Organisation. So werden die Länder innerhalb wie außerhalb der Region darin unterstützt, sich besser auf die Ausbreitung des Zika-Virus vorzubereiten, sie zu verhindern oder rasch einzudämmen.


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15. Welche Ratschläge haben Sie in diesem Sommer für Reisende in Europa? Ändert die Risikobewertung etwas an den Reisehinweisen?

Wir ändern unsere Reiseempfehlungen auf Grundlage der Risikobewertung nicht. Allgemeine Einschränkungen in Handel und Verkehr mit Ländern, Gebieten oder Territorien, in denen das Zika-Virus übertragen wird, sind auf Grund der verfügbaren Erkenntnisse nicht angezeigt.

Fall es zu einem Ausbruch der Zika-Viruskrankheit in Ländern der Europäischen Region kommen sollte, werden wir unsere Reiseempfehlungen in Abstimmung mit der WHO auf globaler Ebene anpassen. Reisende in Gebieten, in denen es einen Ausbruch der Zika-Viruskrankheit bereits gibt, sollten aktuelle Hinweise über mögliche Risiken und angemessene Gegenmaßnahmen erhalten, damit sie Mückenstiche möglichst verhindern und bei Rückkehr in die Heimat angemessene Vorkehrungen treffen, hierunter geschützten Geschlechtsverkehr, um das Risiko einer Weiterübertragung zu verringern. Schwangere sollten nicht in Gebiete reisen, in denen es einen Ausbruch der Zika-Viruskrankheit gibt.


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16. Steigt das Risiko eines Ausbruchs der Zika-Viruskrankheit nach Rückkehr von in Rio infizierten Besuchern der Olympischen Spiele und der Paralympics 2016?

Es ist nicht auszuschließen, dass Reisende sich in Ländern oder Territorien anstecken, in denen eine anhaltende Übertragung des Zika-Virus stattfindet. Dort gibt die WHO Empfehlungen für den Schutz vor Mückenstichen heraus, durch die das Risiko einer Infektion der Reisenden und damit einer Weiterübertragung nach Rückkehr in die Heimat gesenkt wird. Außerdem rät die WHO Schwangeren davon ab, in Gebiete mit anhaltender Übertragung des Zika-Virus, also auch nach Rio de Janeiro, zu reisen. Sexualpartnern Schwangerer, die aus den betreffenden Gebieten zurückkehren, wird zu geschütztem Geschlechtsverkehr oder zu Abstinenz während der Schwangerschaft geraten. 

Die WHO und die Panamerikanische Gesundheitsorganisation beraten die brasilianische Regierung hinsichtlich einer Abmilderung der Zika-Risiken für Athleten und Besucher. Ein Schwerpunkt der empfohlenen Maßnahmen ist die Reduzierung der Bestände an Aedes-Mücken, die neben Zika auch die Erreger von Chikungunya, Dengue und Gelbfieber übertragen. Die Olympischen Spiele finden allerdings im brasilianischen Winter statt, in dem es weniger Mücken gibt und das Risiko eines Mückenstichs entsprechend geringer ist.


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17. Erhöht sich das Risiko für einen Ausbruch der Zika-Viruskrankheit in Europa während der Fußball-Europameisterschaft EURO 2016 in Frankreich?

Derzeit findet in Europa und Frankreich keine Übertragung des Zika-Virus statt. Zwar gehört Frankreich zu der Gruppe von Ländern, in der eine mäßige Wahrscheinlichkeit besteht, dass es zu einer Übertragung des Zika-Virus kommen kann, doch besitzt es nach Ansicht der WHO auch die erforderlichen Kapazitäten zur schnellen Aufdeckung und Eindämmung eines Ausbruchs, sollte er erfolgen. 

Es ist nicht auszuschließen, dass Besucher der Fußballeuropameisterschaft aus Ländern und Territorien, in denen es eine anhaltende Übertragung des Zika-Virus gibt, bei ihrer Ankunft in Europa schon infiziert sind. Die WHO bietet allen Ländern, in denen es eine anhaltende Übertragung des Zika-Virus gibt, Hinweise zur Abmilderung des Infektionsrisikos an.


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