Gesundheitliche Folgen von Überschwemmungen

WHO/Ardian Xinxo

Cows in a flooded field on a farm

Überschwemmungen sind die in der Europäischen Region der WHO am häufigsten auftretende Naturkatastrophe und waren im vergangenen Jahrzehnt  in 50 der 53 Mitgliedstaaten in der Region zu verzeichnen.  Wenn künftig extreme Regenfälle wie vorhergesagt häufiger auftreten, kann dies auch eine Zunahme der Anzahl und des Ausmaßes von Überschwemmungen jeglicher Art bedeuten. Überschwemmungen wirken sich erheblich und umfassend auf den Gesundheitsbereich aus und außer mit unmittelbaren Folgen wie Ertrinkungsunfällen und Verletzungen ist auf längere Sicht auch mit Infektionskrankheiten und psychischen Gesundheitsprobleme zu rechnen.

Überschwemmungen forderten im zurückliegenden Jahrzehnt in der Region ca. 1000 Menschenleben und betrafen unmittelbar über 3,4 Mio. Einwohner. Zwei Drittel der Todesfälle waren auf Ertrinken zurückzuführen, der Rest ging auf das Konto von psychischen Traumata, Herzinfarkten, Stromschlägen, Kohlenmonoxidvergiftungen und Bränden.

Während einer Überschwemmung und danach ist eine Zunahme der Anzahl von Verletzungen, Infektionen, Vergiftungen und psychischen Gesundheitsproblemen zu verzeichnen. Zu einem Ausbruch von Infektionskrankheiten kommt es allerdings nur selten. Längerfristige gesundheitliche Folgen entstehen durch den Verlust eines Zuhauses, das Fehlen einer sicheren Wasserversorgung, Verletzungen, Ausfälle in den Gesundheitsdiensten und Verzögerungen im Wiederaufbau.

Durch Überflutung von Gesundheitseinrichtungen wird oft deren Funktion und Infrastruktur beeinträchtigt (etwa Strom- und Wasserleitungen) sowie die geregelte Versorgung chronisch erkrankter Patienten gerade zu dem Zeitpunkt erschwert, an dem die Nachfrage steigt. 

Wenn nicht Präventivmaßnahmen ergriffen werden, könnten über ihre Ufer tretende Flüsse in den 2080er Jahren 250 000 bis 400 000 Menschen zusätzlich in Mitleidenschaft ziehen, was eine Verdoppelung gegenüber den Jahren 1961 bis 1990 wäre. Ansteigende Meeresspiegel und Sturmfluten könnten in küstennahen Gebieten durch Überflutungen Millionen Menschen zusätzlich betreffen.

Notfallplanung gegen Überschwemmungen

Angemessene Planung ist für die Minimierung der Gesundheitsfolgen von Überschwemmungen entscheidend: Das erfordert einen breit angelegten, sektorübergreifenden und alle Gefahren berücksichtigenden Ansatz in der Notfallplanung durch örtliche Bebauungs- und Entwicklungspläne, die Aspekte der öffentlichen Gesundheit und primären Gesundheitsversorgung berücksichtigen.

Zentral dabei:

  • langfristige Nutzungsplanung von Land und Bau von Gesundheitseinrichtungen an geeigneten Orten (z. B. außerhalb von Flutungszonen),
  • bauliche Schutzmaßnahmen und Flutsperren für Gesundheitseinrichtungen,
  • Schaffung von Frühwarnsystemen und Evakuierungsplänen,
  • Erkennen anfälliger und stark gefährdeter Bevölkerungsgruppen,
  • Informations- und Kommunikationsstrategien, die insbesondere anfällige und stark gefährdete Menschen erreichen (etwa chronisch erkrankte Patienten, deren kontinuierliche Versorgung erforderlich ist),
  • Maßnahmen zur Sicherung der Wasserqualität, Abwasserentsorgung und Hygiene sowie Lebensmittelsicherheit während einer Überschwemmung und danach,
  • Aufzeigen der Vorkehrungen zum Schutz der Gesundheit während der Aufräumarbeiten und Schutzmaßnahmen gegen übertragbare Krankheiten und chemische Gefahren,
  • Messung und Begleitung des psychischen und physischen Wohlbefindens,
  • solide epidemiologische Überwachung während einer Überschwemmung und danach.

Studie zu den gesundheitlichen Folgen von Überschwemmungen

Von 2009 bis 2011 führten das Regionalbüro und das Amt für Gesundheitsschutz in England ein gemeinsames Projekt durch, mit dem die Gesundheitsfolgen von Überschwemmungen untersucht und die besten Methoden des Gesundheitsschutzes in der Europäischen Region der WHO aufgezeigt werden sollten.  Sie erhoben Daten mit Hilfe eines an alle Mitgliedstaaten versandten Fragebogens und einer systematischen Durchsicht epidemiologischer Forschungsliteratur zu den globalen Auswirkungen von Überschwemmungen auf die Gesundheit. 

Das Regionalbüro für Europa hat die Ergebnisse veröffentlicht: Überschwemmungen in der Europäischen Region der WHO: Gesundheitliche Folgen und Vorsorgemaßnahmen.