Bericht der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (IPCC): Negative gesundheitliche Folgen übersteigen Nutzen

ORFK/H. Szabó Sándor

Hochwasser in jüngster Zeit in Ungarn. Foto: H. Szabó Sándor, ORFK

Der Klimawandel wird in erster Linie bestehende Gesundheitsprobleme verschärfen, zumindest bis zur Mitte des Jahrhunderts. Am stärksten gefährdet sind Bevölkerungsgruppen, die schon jetzt am meisten von klimabedingten Krankheiten betroffen sind. Als größte Risiken für die Gesundheit gelten:

  • Unterernährung aufgrund einer sinkenden Nahrungsmittelproduktion;
  • Verletzungen und Krankheiten infolge intensiver Hitzeperioden und Brände;
  • Veränderung der zeitlichen und räumlichen Verteilung von Nahrungsmitteln, Wasser und Vektorkrankheiten;
  • Verlust der Arbeitsfähigkeit bzw. verringerte Arbeitsproduktivität in gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

So lautet das Fazit des zweiten Teils des fünften Sachstandsberichts der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (IPCC) zum Klimawandel und seinen Folgen.

Die Einschätzung der IPCC stellt eine wissenschaftliche Grundlage dar, anhand derer Regierungen auf allen Ebenen klimarelevante Handlungskonzepte entwickeln können, und bildet auch die Verhandlungsgrundlage für die jährlich stattfindenden Konferenzen der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.

Folgen des Klimawandels

Die Temperaturen der Landes- und Meeresoberfläche steigen weltweit an. Seit 1950 sind Veränderungen in Bezug auf extreme Wetterereignisse zu beobachten: eine weltweite Abnahme der Zahl kalter Tage und Nächte und eine entsprechende Zunahme warmer Tage und Nächte. Häufige Hitzeperioden in weiten Teilen Europas, Asiens und Australiens und heftige Niederschläge in Nordamerika und Europa machen die Lebensbedingungen in Armut lebender Menschen zunehmend gefährlich. Die Weltmeere erwärmen sich; gleichzeitig haben die Eisschilde von Grönland und Antarktis an Masse verloren, und der globale mittlere Meeresspiegel steigt.

Der Klimawandel hat in den letzten Jahrzehnten zur Verschlechterung der gesundheitlichen Situation beigetragen. Auch wenn die gegenwärtige weltweite Krankheitslast noch relativ gering ist, so deuten doch Erkenntnisse aus dem Bericht darauf hin, dass bei Durchführung konkreter Maßnahmen wie der Senkung von Treibhausgasemissionen ein sofortiger gesundheitlicher Nutzen für alle möglich ist. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Senkung des Ausstoßes kurzlebiger Schadstoffe wie Methan oder schwarzem Kohlenstoff nicht nur eine Verlangsamung der Erwärmung bewirken, sondern weltweit 2 bis 2,5 Mio. Todesfälle pro Jahr verhindern könnte.

Aus ökonomischer Sicht könnten die aus den Klimaschutzmaßnahmen resultierenden gesundheitlichen Zugewinne einen Großteil der frühen Kosten der Senkung der Treibhausgase kompensieren. Dies deutet darauf hin, dass sowohl die klimabedingten Gesundheitsrisiken als auch der gesundheitliche Nutzen der Senkung der Treibhausgasemissionen in der Debatte über den Klimawandel an zentraler Stelle stehen und die anstehenden Entscheidungen maßgeblich prägen müssen.

Mehr Anzeichen für High-end-Klimaszenarien

In den Bericht flossen u. a. neueste Forschungsergebnisse ein, nach denen eine erhebliche Wahrscheinlichkeit von High-end-Klimaszenarien besteht, wobei teilweise eine Erwärmung um 4 bis 7 oC in weiten Teilen der Welt prognostiziert wird. Unter diesen Bedingungen würde die menschliche Fähigkeit zur Bewältigung von Hitze während der heißesten Zeit des Jahres in manchen Regionen überschritten, sodass Arbeit im Freien ohne Hitzeschutz sowie bestimmte Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich sind.

Die Antwort auf die Auswirkungen des Klimawandels erfordert oftmals Entscheidungen, die mit einem hohen Maß an Ungewissheit verbunden sind, sowie eine Anpassung der Planungsverfahren. Doch es muss noch mehr getan werden.

Der fünfte Sachstandsbericht der IPCC befasst sich konkret mit den Auswirkungen des Klimawandels sowie mit der Gefährdung durch und die Anpassung an den Klimawandel und hilft der Politik bei der Bewältigung der problematischen langfristigen Folgen.