Weltkonferenz zu Klima und Gesundheit steckt Prioritäten ab

WHO/Malin Bring

Die Mitgliedstaaten der WHO in der Europäischen Region haben Prioritäten aufgezeigt, wie Impulse für den Kapazitätsausbau der Gesundheitssysteme erhalten, dieser beschleunigt und Gesellschaften geschaffen werden können, die dem Klimawandel widerstehen können, indem:

  • die Widerstandskraft gegen klimabedingte Gesundheitsgefahren und Naturkatastrophen gestärkt wird;
  • die Anpassungsfähigkeit von Menschen wie Einrichtungen gefördert wird;
  • die Wissensgrundlage für eine enge Verzahnung gesundheitlicher Maßnahmen mit der Abschätzung von Klimarisiken durch die staatliche Politik ausgeweitet wird;
  • die Emission von Treibhausgasen durch das Gesundheitswesen gemessen, verringert und gesteuert wird.

Dies wurde von Herrn Prof. Patrick Rampal, dem neuen Ko-Vorsitzenden der WHO-Arbeitsgruppe Klimawandel und Gesundheit während der zweiten Weltkonferenz zu Klima und Gesundheit vorgetragen, die am 7. und 8. Juli 2016 in Paris stattfand. Zur Durchsetzung dieser Prioritäten fordern die Mitgliedstaaten eine bessere Kommunikation und ressortübergreifende Maßnahmen sowie Partnerschaft und Zusammenarbeit mit der WHO und weiteren internationalen Partnern.

Klimagelder auch für Gesundheit

Die Direktorin der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden des Regionalbüros, Dr. Piroska Östlin, beteiligte sich an einer Sitzung unter Vorsitz der Weltbank, die eine leichtere Finanzierung von Gesundheit durch Gelder aus dem Klimaschutz thematisierte und an der Gesundheitsminister und führende Vertreter internationaler Organisationen und Entwicklungsbanken teilnahmen. Sie betonte, dass die Entwicklung und Annahme einer Politik zur Stärkung der Widerstandskraft und der Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit in mehreren europäischen Ländern unter fehlender Finanzierung leide, obwohl diese über relativ gute Planungs- und Umsetzungskapazitäten verfügten. Das liege daran, dass mehrere Länder keine Entwicklungshilfemittel erhalten könnten, da sie zu den Ländern mittleren Volkseinkommens zählten.

Die ökonomische Dimension eines abgemilderten Klimawandels und der gesundheitlichen positiven Nebeneffekte einer verbesserten Luftqualität müssten abgeschätzt und bewertet werden, wie es das Regionalbüro bereits mache. Dr. Östlin wiederholte die Bitte der Arbeitsgruppe Klimawandel und Gesundheit an die Mitgliedstaaten, ihre Zusammenarbeit zu verstärken und Möglichkeiten zu einer ausgeweiteten Kooperation etwa im Rahmen der Climate and Clean Air Coalition zu erkunden.

Kampagne Lebensluft

Die WHO und die Climate and Clean Air Coalition läuteten eine globale Kampagne für Lebensluft (Breathe Life) ein. Sie soll Bewusstsein für Gesundheitsrisiken durch kurzlebige Klimaschadstoffe wie Ruß, Ozon und Methan schaffen, die erheblich zum Klimawandel und zur Luftverschmutzung beitragen.

Die zweite Weltkonferenz Klima und Gesundheit

Die zweite Weltkonferenz Klima und Gesundheit fand in Paris statt. Frankreich war als vorsitzende Nation der 21. Konferenz der Vertragsparteien (VSK21) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen auch Gastgeberin dieser Konferenz, deren Ziel die Festlegung einer Agenda zur Umsetzung des Pariser Übereinkommens war. Als zentrales Ergebnis der Konferenz wird diese Agenda nun in die 22. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien (COP22) einfließen, die im November 2016 in Marrakesch unter Vorsitz Marokkos stattfinden wird.

An der Konferenz beteiligten sich mehr als 300 Minister, Gesundheitsexperten und Praktiker, Vertreter nichtstaatlicher Organisationen sowie Fachleute für Klimawandel und nachhaltige Entwicklung. Sie unterstrichen die Bedeutung einer starken Führungsrolle des Gesundheitsbereichs für eine Verständigung mit Politik und Öffentlichkeit über:

  • die Dringlichkeit der Klimawandelthematik;
  • die schweren und zunehmenden gesundheitlichen Gefahren;
  • den potenziellen Nutzen einer Bewältigung von Klimarisiken; 
  • die Verbindungen zwischen verwandten Themen wie Klimawandel und Luftverunreinigung.