Neue Leitlinien zur Bewegungsförderung in sozial benachteiligten Gruppen

WHO/Matthias Braubach

Benötigt: leicht zugängliche und anregende Bewegungsmöglichkeiten. Foto: WHO/Matthias Braubach

Heute gibt das WHO-Regionalbüro für Europa eine grundsatzpolitische Zusammenfassung und einen vollständigen Bericht zur Bewegungsförderung in sozial benachteiligten Gruppen heraus. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Bewegungsmangel ein führender Risikofaktor für schlechte Gesundheit ist und dass sozial benachteiligte Gruppen eher weniger zu körperlicher Betätigung neigen. Obwohl die ungleiche Verteilung des Ausmaßes körperlicher Betätigung Anlass zu großer Sorge gibt, wird zunehmend erkannt, dass Werbekampagnen möglicherweise nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gut erreichen.

Im Rahmen vom Gesundheitsprogramm der Europäischen Union mitfinanzierten WHO-Projekts zur Förderung von Vernetzung und Maßnahmen zugunsten eines gesunden und ausgewogenen Umfelds für körperliche Betätigung (PHAN) wurden bewährte Verfahren und politische Leitlinien für die Bewegungsförderung in sozial benachteiligten Gruppen mit Schwerpunkt auf einem gesunden Umfeld herausgearbeitet. Der vollständige Bericht bietet einen detaillierten Überblick über die Methoden der Projektgruppe und ihre Schlussfolgerungen in Bezug auf Erkenntnisse, Politikkonzepte und Interventionen. In der kürzeren Publikation sind die wichtigsten politikrelevanten Feststellungen zusammengefasst.

Grundsätze für gezielte Interventionen

In Anbetracht des breiten Spektrums von Zielgruppen und in Betracht kommenden Interventionen werden in den Leitlinien verbindliche Empfehlungen vermieden. Dennoch benötigen sozial benachteiligte Gruppen möglicherweise in allen Phasen eines Projekts eine intensivere Unterstützung, die durch vielfältige, über Informationsangebote hinausgehende Strategien bereitgestellt wird.

Aus den im Bericht dargestellten Fallstudien lassen sich unter anderem die folgenden zentralen Grundsätze für gezielte Maßnahmen ableiten:

  • Die Zielgruppe und die erwarteten Ergebnisse konkret benennen.
  • Sich dessen bewusst sein, dass die Zielgruppe möglicherweise nur durch verstärkte Anstrengungen erreicht werden kann.
  • Die Möglichkeit prüfen, Fachkollegen oder lokale Moderatoren (lokale Vorreiter) zur Förderung von Aktivitäten hinzuzuziehen.
  • Ausgehend davon, dass die Gesundheitsbedingungen nur langfristig verbessert werden können, auch Bewertungen im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen vornehmen.
  • Veränderungen am Umfeld mit verhaltensbezogenen, sozialen und/oder informationsbezogenen Maßnahmen kombinieren.
  • Sicherstellen, dass die Zielgruppe leichten Zugang zu Bewegungsmöglichkeiten hat.

Nutzen körperlicher Betätigung

Der Nutzen körperlicher Betätigung geht weit über die Verhinderung einer Gewichtszunahme und die Verbesserung des physischen wie psychischen Wohlbefindens hinaus. Ausreichende Bewegung sorgt dafür, dass das Risiko von Leiden wie Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes um etwa 50% und auch das Risiko von Bluthochdruck und einigen Formen von Krebskrankheit erheblich sinkt und Stress, Angst, Depression und Einsamkeit abgebaut werden. Wie aus der jüngsten Untersuchung der WHO zur globalen Krankheitslast hervorgeht, ist allein in der Europäischen Region der WHO jährlich schätzungsweise fast 1 Million Todesfälle auf unzureichende Bewegung zurückzuführen.