Neue Datenbank der WHO verdeutlicht unzureichende Luftqualität in Städten

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Luftverschmutzung stellt in vielen Städten eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen dar. Dies geht aus einer bisher einmaligen Zusammenstellung von Daten hervor, die heute von der WHO veröffentlicht wurde. Darin wurden Daten aus knapp 1100 Städten in 91 Ländern zusammengetragen, darunter Hauptstädte sowie Städte mit über 100 000 Einwohnern. Auf der globalen wie auch auf der europäischen Ebene liegt die durchschnittliche jährliche Exposition gegenüber PM10 (kleine Partikel mit einem Durchmesser von unter 10 µm) für einen Großteil der städtischen Bevölkerung oberhalb des in den Luftgüteleitlinien der WHO empfohlenen Grenzwertes (20 µg/m3). Weltweit erfüllen nur wenige Städte den Richtwert der WHO.

Situation in der Europäischen Region

In der Europäischen Region der WHO führt die Exposition gegenüber PM10 aus menschlichen Quellen durchschnittlich zu einer Verringerung der Lebenserwartung um 8,6 Monate. Die neue WHO-Datenbank enthält Daten über PM10 aus 357 Städten in 33 Ländern der Europäischen Region. In diesen Städten sind über 80% der Bevölkerung PM10-Werten oberhalb des Richtwerts der WHO ausgesetzt, und jährlich sterben mehr als 250 000 Menschen an den Folgen dieser Exposition.

„Diese Daten stammen aus den wichtigsten europäischen Städten und zeigen, dass die Menschen in den meisten Großstädten einem ungesunden Maß an Luftbelastung ausgesetzt sind, was zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt und das Risiko von Atemwegserkrankungen erhöht. Diese Erkenntnisse sind ein starkes Argument für Politiker in der gesamten Region, auf eine Verbesserung der Luftgüte und der Bevölkerungsgesundheit insgesamt hinzuarbeiten. Der Mangel an Daten aus Städten in bestimmten Ländern der Europäischen Region behindert die Prävention und zeigt, dass wir eine verbesserte Überwachung brauchen“, sagt Michal Krzyzanowski, Leiter des Bonner Büros des WHO-Regionalbüros für Europa.

Bekämpfung der Luftverschmutzung – eine Priorität für die Europäische Region

In den einschlägigen Grundsatzdokumenten des Regionalbüros verpflichten sich die Mitgliedstaaten zu einer Verringerung der gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung. So würden bei einer vollständigen Umsetzung der Bestimmungen der Europäischen Union über Schadstoffemissionen, die auf den Erkenntnissen aus den Luftgüteleitlinien der WHO basieren, die negativen Gesundheitsfolgen der Exposition gegenüber Schwebstaub um 30% reduziert.

Solche Konzepte umfassen ein breites Spektrum an Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen aus Industrie, Energieerzeugung, Wohnen und Verkehr. Sie kommen sowohl der Gesundheit als auch dem Klimaschutz zugute. So werden durch Zufußgehen oder Radfahren anstatt kurzer Autofahrten und eine häufigere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht nur die Treibhausgasemissionen verringert, sondern es wird auch Bewegung gefördert, der Adipositas vorgebeugt und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt. Dieser Ansatz wäre auch auf andere Länder in der Region anwendbar.