Fast 600 000 Todesfälle in Europa jährlich wegen Luftverschmutzung: neuer Bericht des WHO-Hauptbüros

Weltweit starben 2012 rund 7 Millionen Menschen aufgrund von Luftverschmutzung, davon fast 600 000 in der Europäischen Region der WHO. Dies ist der wichtigste Befund eines heute veröffentlichten Berichts der WHO (1) über Krankheitslasten, die auf die Verschmutzung der Außen- und Innenluft zurückzuführen sind. Konkret waren 2012 in der Europäischen Region der WHO 482 000 Todesfälle auf die Verschmutzung der Außenluft und 117 200 auf die Verschmutzung der Innenluft zurückzuführen. Während Todesfälle aufgrund verschmutzter Außenluft in allen Ländern der Region unabhängig vom Volkseinkommen auftreten, ist die Zahl der Todesfälle aufgrund verschmutzter Innenluft in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Volkseinkommen mehr als fünfmal höher als in Ländern mit höherem Volkseinkommen.

Luftverschmutzung – ein krank machender Risikofaktor

Luftverschmutzung ist der größte Umweltfaktor in Bezug auf die Krankheitslast. Die Gesundheitsschäden werden durch winzige Staubpartikel (Durchmesser ≤10 μm – PM10) verursacht und treten als Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Krebs zutage. Die neuen Schätzungen beruhen auf den aktuellen Daten der WHO über Todesfälle und Erkrankungen aufgrund der Belastung durch Luftverschmutzung. Das unterstreicht, dass Luftverschmutzung als Risikofaktor für schwere Erkrankungen (wie ischämische Herzerkrankungen und Schlaganfälle) bedeutsamer ist, als früher angenommen wurde.

Luftqualität muss verbessert werden

Die Wissenschaft liefert uns heute überzeugende Argumente für ein entschiedenes Handeln zur Verbesserung der Luft und dadurch zur Verringerung der Zahl der Todesfälle und Erkrankungen in Europa. Vom Regionalbüro im Rahmen des internationalen Prüfprojektes zu den Gesundheitsaspekten der Luftverschmutzung (REVIHAAP) veröffentlichte Erkenntnisse (2) bestätigten im vergangenen Jahr die Außenluftverschmutzung als wichtigen Risikofaktor für eine Beeinträchtigung der Gesundheit.

Die Befunde stützen auch Schlussfolgerungen der Luftgüteleitlinien und deuten darauf hin, dass Gesundheitsfolgen schon bei erheblich geringeren Konzentrationen als denen in den Leitlinien empfohlenen eintreten können. Das Internationale Krebsforschungszentrum IARC als Sonderorganisation der WHO klassifizierte denn auch im Oktober 2013 die Kombination aus Luftverschmutzung und PM als kanzerogen für den Menschen (Gruppe 1).

Arbeit des Regionalbüros gegen Luftverschmutzung

In der Erklärung von Parma über Umwelt und Gesundheit bekannten sich die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO zur Krankheitsprävention durch die Verbesserung der Außen- und Innenraumluft. Das Regionalbüro arbeitet weiterhin mit den Mitgliedstaaten und in Partnerschaft mit anderen regionalen Akteuren zusammen:

  • mit der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) im Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung und dem Paneuropäischen Programm für Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP),
  • mit der Europäischen Kommission an der Überarbeitung ihrer Politik zur Luftgüte.

Die Sonderarbeitsgruppe zu den Gesundheitsaspekten grenzüberschreitender Luftverschmutzung, die vom Regionalbüro und Europäischem Zentrum für Umwelt und Gesundheit gemeinschaftlich geleitet werden, will die aktuellen Ergebnisse für eine intensivere Unterstützung derjenigen Mitgliedstaaten nutzen, die ihre Politik unabhängig von den Prozessen der Europäischen Union entwickeln.