Neue Leitlinien der WHO für die Raumluftqualität: Ineffiziente Verbrennung fester Brennstoffe schädlich für Gesundheit und Klima

WHO/Nigel Bruce

Burning solid fuel contributes to unhealthy indoor and outdoor air quality.

In den heute veröffentlichten neuen Leitlinien der WHO für die Raumluftqualität bei Verbrennung im Haushalt werden erstmals Emissionsziele festgelegt, die den ernsten Gesundheitsrisiken aufgrund der Verbrennung von Brennstoffen Rechnung tragen. Ferner wird darin von der Verwendung von Rohkohle und unverarbeitetem Kerosin abgeraten, die eine starke Belastung der Raumluft und erhebliche Risiken in Bezug auf Brände, Verbrennungen und Rauchvergiftung mit sich bringt. Weltweit haben immer noch fast 3 Mrd. Menschen keinen Zugang zu sauberen Brennstoffen und Technologien zum Kochen. 2012 starben laut einem Bericht der WHO 4,3 Mio. Menschen vorzeitig infolge von Luftverschmutzung im Haushalt.

Auch wenn Kochen über offenem Feuer in den Ländern der Europäischen Region der WHO nicht weit verbreitet ist, so geben die gesundheits- und klimaschädlichen Auswirkungen der Verbrennung von festen Brennstoffen wie Holz und anderer Biomasse für die Beheizung im Haushalt doch nach wie vor Anlass zur Besorgnis. 2012 gab es in der Europäischen Region über 117 000 Todesfälle infolge von Luftverschmutzung im Haushalt.

Verbrennung im Haushalt kann zu höherer Belastung der Außenluft führen

Die Verbrennung von Haushaltsbrennstoffen hat eine Belastung der Außenluft zur Folge, die 2012 für über 482 000 Todesfälle in der Europäischen Region verantwortlich war. Dort, wo die Verwendung fester Brennstoffe weit verbreitet ist, können die Schadstoffemissionen in die Außenluft die in den Luftgüteleitlinien der WHO vorgesehenen Grenzwerte überschreiten. Während Todesfälle aufgrund verschmutzter Außenluft in allen Ländern der Europäischen Region unabhängig vom Volkseinkommen auftreten, ist die Zahl der Todesfälle aufgrund verschmutzter Innenluft in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Volkseinkommen um ein mehr als Fünffaches höher als in den wohlhabenderen Ländern.

„In vielen Teilen der Europäischen Region lässt sich die Belastung der Außenluft kaum wirksam bekämpfen, ohne neben den verkehrs- und industriebedingten Emissionen auch die Verbrennung im Haushalt einzubeziehen“, sagte Marie-Eve Héroux, Fachreferentin für Luftqualität und Lärmbelastung beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Die Verringerung der Emissionen aus der Verbrennung von Haushaltsbrennstoffen wiederum kann sich unmittelbar positiv auf die Gesundheit auswirken und zur Senkung bestimmter klimarelevanter Schadstoffemissionen führen.“

Empfehlungen der Leitlinien

Die neuen Emissionsziele sehen vor, dass 90% aller privaten Haushalte weltweit die empfohlenen Richtwerte aus den Luftgüteleitlinien der WHO einhalten. In den Empfehlungen der Leitlinien wird die Notwendigkeit hervorgehoben, den Zugang zu saubereren Energiequellen für den Haushalt zu verbessern, insbesondere in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.

Saubere, nachhaltige Haushaltsbrennstoffe spielen auch eine bedeutende Rolle im Klimaschutz, insbesondere durch eine erhebliche Reduzierung der Kohlendioxidemissionen. Die WHO empfiehlt Regierungen und anderen Organisationen, die in der Klimaschutzpolitik tätig sind, Maßnahmen im Bereich der Energieversorgung von Haushalten sowie Bewertungen in Bezug auf die Maximierung gesundheitlicher und klimaschutzbezogener Zugewinne. Darüber hinaus müssen umweltverträgliche Technologien und Brennstoffe auch für Haushalte mit den niedrigsten Einkommen bezahlbar sein.

Die Arbeit des Regionalbüros in den Bereichen Luftreinhaltung und Klimaschutz
In der Erklärung von Parma über Umwelt und Gesundheit von 2010 verpflichteten sich die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region zur Krankheitsprävention durch Verbesserung der Außen- und Innenraumluft. Die WHO wird die Länder der Region bei der Umsetzung der neuen Leitlinien unterstützen, die in regelmäßigen Abständen überprüft und aktualisiert werden.

Die Sonderarbeitsgruppe zu den Gesundheitsaspekten grenzüberschreitender

Luftverschmutzung, in der das Regionalbüro und das Europäische Zentrum für Umwelt und Gesundheit gemeinsam den Vorsitz führen, will die aktuellen Ergebnisse für eine intensivere Unterstützung jener Mitgliedstaaten nutzen, die ihre Politik unabhängig von den Prozessen der Europäischen Union entwickeln.

Das Regionalbüro ist im Bereich Klimawandel und Gesundheit tätig, indem es den gesundheitlichen Nutzen von Konzepten zur Senkung der Treibhausgasemissionen in verschiedenen Politikbereichen thematisiert.