Neues Instrument: AirQ+ misst gesundheitliche Auswirkungen der Luftverschmutzung

WHO

Luftverschmutzung ist das größte ökologische Einzelrisiko für die Gesundheit und zählt mit ihrer Auswirkung auf Herz, Kreislauf und Atmung weltweit zu den führenden Ursachen von Krankheit und Tod.  In der Europäischen Region der WHO führte die Belastung mit Feinstaub (PM) 2012 zu fast 600 000 vorzeitigen Todesfällen. Die durch vorzeitige Todesfälle und Erkrankungen aufgrund von Luftverschmutzung verursachten Kosten beliefen sich 2013 laut Schätzungen in der Europäischen Region der WHO auf 1,6 Mrd. US-$ oder ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union. Die wissenschaftlichen Aussagen über die gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung und die mit ihr verknüpfte Krankheitslast belegen überzeugend, dass weitere Maßnahmen zum Abbau der Emissionen und zur Verbesserung der Luftqualität erforderlich sind. 

AirQ+ ist ein Werkzeug für politische Entscheidungsträger weltweit

Als eine Handreichung für Experten, politische Entscheidungsträger und Akteure aus Gesundheitswesen und anderen Gesellschaftsbereichen auf lokaler wie nationaler Ebene hat das Regionalbüro für Europa jetzt die aktualisierte Fassung von AirQ+ veröffentlicht, einem Instrument zur Quantifizierung der gesundheitlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung. Mit AirQ+ werden Forderungen aus einer wegweisenden Resolution der Weltgesundheitsversammlung erfüllt, in der die WHO gebeten wurde, für die Entscheidungsträger auf allen staatlichen Ebenen Instrumente bereitzustellen, die sie in der Bewältigung der gesundheitlichen Folgen von Luftverschmutzung aus unterschiedlichen Quellen zu unterstützen.  Die mit Hilfe von AirQ+ generierten Schätzungen sind Grundlage für die Entwicklung und Anpassung von Konzepten und Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Menschen. 

Die aktuelle wissenschaftliche Fundierung macht AirQ+ weltweit relevant. Mit seiner Hilfe können für jede Stadt, jedes Land und jede Region Schätzungen erstellt werden dazu:

  • inwiefern ein bestimmter Gesundheitseffekt auf ausgewählte Luftschadstoffe zurückzuführen ist (etwa welcher Anteil der Sterblichkeit durch die Ozonbelastung einer Stadt verursacht wird).
  • welche Auswirkungen eine Veränderung gegenüber dem Status quo hätte (etwa wie viele Menschleben eine bestimmte Absenkung der Feinstaubbelastung (PM2.5) in einem Gebiet retten würde).

Quantifizierung der Gesundheitseffekte einzelner Luftschadstoffe

Insbesondere lässt sich mit AirQ+ die gesundheitsschädliche Wirkung der Belastung einer Bevölkerungsgruppe durch die wichtigsten Luftschadstoffe berechnen, für die überzeugende einschlägige Erkenntnisse vorliegen. Errechnet werden in Bezug auf verschiedene Endpunkte (hierunter die Mortalität aufgrund aller oder einzelner Ursachen, die Prävalenz und Inzidenz ausgewählter Erkrankungen und die Zahl der Krankenhauseinweisungen) die Gesundheitseffekte lang- und kurzfristiger Belastungen aus der Umgebungsluft durch Feinstaub PM2.5 und PM10, Ozon, Stickstoffdioxid und Ruß sowie einer langfristigen Belastung aus einer Innenraumluft, die aufgrund der Verwendung fester Brennstoffe verunreinigt ist. 

Aktualisierte globale Datenbank der Luftverschmutzung in Städten

In der gesamten Europäischen Region der WHO liegen die jährlichen Belastungswerte durch PM₁₀ für Stadtbewohner über den in den Luftgüteleitlinien der WHO als Jahresdurchschnitt empfohlenen Höchstwert von 20 μg/m3. Obwohl die Durchschnittswerte in dieser Region niedriger sind als in anderen Regionen und insgesamt unter dem weltweiten Durchschnittswert von 85 μg/m3 liegen,  so betragen sie in Ländern mit hohem Volkseinkommen immerhin noch 25 μg/m3 und sogar bis zu 55 μg/m3 in Ländern mit niedrigem bis geringem Volkseinkommen. 

In diesem Monat hat die WHO ihre Datenbank für die Luftverschmutzung in Städten aktualisiert und erweitert, so dass sie nunmehr Daten für 3000 Städte in 103 Ländern enthält.

Künftige Aktivitäten 

AirQ+ wurde am 19. Mai 2016 in Bonn im Rahmen der Jahrestagung der Sonderarbeitsgruppe zu den Gesundheitsaspekten der Luftverschmutzung (TFH) vorgestellt, die unter Vorsitz der WHO unter dem Dach des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen stattfand. Die Teilnehmer und geladenen Gäste nahmen am 20. Mai auch an einem interaktiven Workshop zur Vorstellung der neuen Software teil.

Während der 9. Weltgesundheitsversammlung vom 23. bis 28. Mai 2016 werden die Mitgliedstaaten einen Fahrplan für erweiterte Maßnahmen der Weltgemeinschaft gegen die schädlichen Gesundheitsfolgen aus der Luftverunreinigung erörtern.