WHO veröffentlicht Länderdaten zu Luftverschmutzung und Gesundheitsfolgen

Eines neuen Luftgütemodells der WHO zufolge starben 2012 in der Europäischen Region 479 000 Menschen vorzeitig aufgrund von Luftverschmutzung.

In dem heute veröffentlichten globalen Bericht präsentiert die WHO erstmalig im Detail Daten zu Luftverschmutzung und den Gesundheitsfolgen in den Ländern. Das von der WHO in Zusammenarbeit mit der Universität Bath (Vereinigtes Königreich) entwickelte Modell nutzt Daten von Satelliten und über 3000 Bodenmessstationen weltweit sowie Luftausbreitungsberechnungen.

„Das neue WHO-Modell gibt den Ländern Ausgangsdaten für die Beobachtung ihrer Fortschritte im Kampf gegen die Luftverschmutzung und ihre gesundheitlichen Folgen an die Hand und zeigt, wo noch Datenlücken bestehen,“ sagt Marie-Eve Héroux, Fachreferentin für Luftverschmutzung und Lärmbelastung am Regionalbüro für Europa.

Gesundheitsfolgen der Luftverschmutzung in Europa

Aus globaler Sicht ist die Belastung in den Regionen Westlicher Pazifikraum und Südostasien am größten und führt dort zu 1,1 Mio. bzw. 799 000 vorzeitigen Todesfällen. Doch lebt die Bevölkerung der Europäischen Region generell länger und ältere Menschen können durch kumulative Effekte stärker anfällig gegenüber der Luftverschmutzung sein, was sich in den Rohzahlen der Krankheitsbelastung niederschlägt.

Der Bericht nennt mehrere Indikatoren für die Krankheitslast aufgrund von Luftverschmutzung und geht auf globaler Ebene davon aus, dass 94% der einschlägigen Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten eintreten (ischämische Herzerkrankungen, Schlaganfall, chronisch obstruktive Lungenkrankheit und Lungenkrebs). Der Bericht berücksichtigt standardisierte Altersangaben um der unterschiedlichen Lebenserwartung Rechnung zu tragen und ein realistischeres Profil der Gesundheitsfolgen der Luftverschmutzung in der Europäischen Region zu gewinnen. Doch auch innerhalb der Länder können signifikante Unterschiede hinsichtlich der zugrunde liegenden Risikofaktoren und der grundlegenden Gesundheitsdaten bestehen.

Veröffentlichung interaktiver Karte

Mit dem Bericht und den neuen Daten wird auch eine interaktive Karte verfügbar gemacht, die die nach Bevölkerung gewichtete Belastung mit Feinstaub (≤2,5 μm Durchmesser: PM2.5) für alle Länder anzeigt.
Diese Karte zeigt auch die Daten von Messstationen für PM10 (≤10 μm Durchmesser) und PM2.5 in 3000 Städten weltweit. Die Messmöglichkeiten variieren in der Europäischen Region auffallend stark: Die Karte zeigt somit sowohl Messlücken als auch Verbesserungsmöglichkeiten für die Kontrolle der Luftqualität in der Region auf.

Regionalbüro setzt sich für bessere Luft in Europa ein

Das Regionalbüro arbeitet weiter mit den Mitgliedstaaten und anderen Partnern in der Europäischen Region an der Überarbeitung der Konzepte und Leitlinien für Luftgüte. Insbesondere kooperiert das Regionalbüro mit:

  • der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) im Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung und dem Paneuropäischen Programm für Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP),
  • der Europäischen Kommission an der Überarbeitung ihrer Politik zur Luftgüte.

Weltweit haben die WHO und die Climate and Clean Air Coalition die Öffentlichkeitskampagne BreatheLife ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit besser über Luftverschmutzung als wesentliche Bedrohung für Gesundheit und Klima aufzuklären. Im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung haben die Staaten der Welt 2015 das Ziel aufgestellt: bis 2030 die Zahl der Todesfälle und Erkrankungen aufgrund gefährlicher Chemikalien und der Verschmutzung und Verunreinigung von Luft, Wasser und Boden erheblich zu verringern.