Engagement der WHO für die Luftqualität seit den 1950er Jahren

WHO/Tina Kiaer

Luftverschmutzung durch Emissionen im Freien wie in Innenräumen machen weltweit das größte Einzelumweltrisiko für die Gesundheit aus. Nach Schätzungen der WHO starben 2012 mehr als 6 Millionen Menschen vorzeitig aufgrund ihrer Belastung mit verschmutzter Außenluft. Seit fast sechs Jahrzehnten stellt die WHO ihr gesundheitspolitisches Engagement in diesem Bereich unter Beweis, indem sie Berichte zur Luftgüte veröffentlicht und einschlägige wissenschaftliche Erkenntnisse bewertet. Die neue Veröffentlichung des Regionalbüros „Weiterentwicklung der Leitlinien der WHO für Luftqualität: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ fasst die Entwicklungsgeschichte der Luftgüteleitlinien und die Rolle der wissenschaftlichen Erkenntnisse als Grundlage dieser Arbeit zusammen.

Die Geschichte der Luftgüteleitlinien der WHO

Die erste Veröffentlichung der WHO zum Thema Luftverschmutzung und ihre Gesundheitsfolgen erschien 1958 unter dem Titel „Air Pollution“. Darin wurde anerkannt, dass Luftschadstoffe die Gesundheit schädigen können, und erstmals die Schaffung von Luftgütestandards zum Schutze der Gesundheit gefordert. Zwischen 1987 und 2006 veröffentlichte die WHO drei Ausgaben ihrer Luftgüteleitlinien. Die Europäische Region wies in diesem Bereich anderen den Weg und während für die ersten beiden Ausgaben im Titel noch der einschränkende Zusatz „für Europa“ enthalten war, galten die letzten Leitlinien dann auf globaler Ebene.

Seit 2006 arbeitet die WHO an gesonderten Leitlinien für die Luftqualität in Innenräumen. Sie hat seither drei Luftgütelinien veröffentlicht, die sich konkret auf die Innenraumluft bezogen und Empfehlungen zu ausgewählten chemischen Luftschadstoffen, biologischen Wirkstoffen (durch Feuchtigkeit und Schimmel) und Verbrennungsabgasen gemacht, die häufig in Haushalten auftreten.

Aktualisierung der globalen Luftgüteleitlinien der WHO

Im Mai 2015 verabschiedete die Weltgesundheitsversammlung Resolution WHA68.8 über Gesundheit und Umwelt, die sich mit gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung befasste. Diese Resolution appellierte dringend an die Mitgliedstaaten und die WHO, ihren Einsatz zum Schutz der Menschen vor den Gesundheitsrisiken durch die Luftverschmutzung zu verdoppeln. Zudem wurde die Generaldirektorin ersucht, Kapazitäten der WHO im Bereich von Luftverunreinigung und Gesundheit insbesondere durch die Weiterentwicklung und regelmäßige Aktualisierung ihrer globalen Luftgüteleitlinien zu stärken.

2016 begann das Regionalbüro begann mit seinem Europäischen Zentrum für Umwelt und Gesundheit in Bonn, die globalen Luftgüteleitlinien der WHO zu aktualisieren. Angesichts der enormen Mengen an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die seit der Veröffentlichung der letzten Leitlinien im Jahr 2006 hinzugekommen sind, ist die Erstellung einer umfassenden systematischen Übersicht eine große Herausforderung. Insbesondere werden neue Befunde aufgegriffen werden, die eine Verknüpfung zwischen den Luftschadstoffen und negativen gesundheitlichen Auswirkungen schon für sehr viel geringere Konzentrationen belegen, als bislang angenommen. Die künftigen Leitlinien werden voraussichtlich aktualisierte Empfehlungen für den Schutz der Weltbevölkerung vor negativen gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverunreinigung enthalten.

Das Regionalbüro unterstützt die Mitgliedstaaten nicht nur durch die Aktualisierung der Leitlinien darin, die Luftgüte zu verbessern und die Gesundheit ihrer Bevölkerungen zu schützen, indem es:

  • wissenschaftliche Belege für gesundheitliche Auswirkungen der Luftverschmutzung prüft,
  • Veröffentlichungen und Werkzeuge wie die AirQ+ Software bereitstellt, mit der die Gesundheitsrisiken aus Luftverschmutzung quantifiziert werden können, sowie die Leitlinien veröffentlicht,
  • politischen Entscheidungsträger evidenzbasierte Empfehlungen und Regierungen gesundheitspolitische Beratung anbietet,
  • den Vorsitz der gemeinsamen Sonderarbeitsgruppe zu den Gesundheitsaspekten der Luftverschmutzung unter dem Dach des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen führt.