WHO-Regionalbüro für Europa präsentiert Version 1.2 des Softwaretools AirQ+ in Russland

Luftverschmutzung ist das größte ökologische Einzelrisiko für die Gesundheit und zählt weltweit zu den führenden Ursachen von Krankheit und Tod. Im Jahr 2016 waren allein in der Europäischen Region der WHO 556 000 vorzeitige Todesfälle auf die Auswirkungen von Luftverschmutzung in Haushalten und Umwelt zurückzuführen.

Schätzungen zur Gesamtzahl der durch Luftverschmutzung bedingten Todes- und Krankheitsfälle bilden die Grundlage für die Entwicklung und Anpassung von Konzepten und Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Menschen. Die Quantifizierung der Auswirkungen einer Belastung durch Luftverschmutzung auf die öffentliche Gesundheit ist zu einer entscheidenden Größe in politischen Diskussionen geworden.

Zur Unterstützung dieses wichtigen Bestandteils der Politikgestaltung hat das WHO-Regionalbüro für Europa das Softwaretool AirQ+ entwickelt. Das Tool berechnet die gesundheitlichen Auswirkungen einer Belastung durch Luftverschmutzung und gibt Schätzungen zur Verringerung der Lebenserwartung ab.

Anlässlich der 21. Tagung der Sonderarbeitsgruppe über Gesundheitsaspekte der Luftverschmutzung, die gegenwärtig im Europäischen Zentrum der WHO für Umwelt und Gesundheit in Bonn stattfindet, präsentiert das WHO-Regionalbüro für Europa die neue Version 1.2 der AirQ+-Software, die ab sofort auch vollständig in Russisch erhältlich ist.

AirQ+: ein Softwaretool zur Bewertung der Gesundheitsrisiken aufgrund von Luftverschmutzung

AirQ+ wurde ursprünglich am 19. Mai 2016 in Bonn im Rahmen der Jahrestagung der Sonderarbeitsgruppe über Gesundheitsaspekte der Luftverschmutzung vorgestellt, die unter Vorsitz der WHO unter dem Dach des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen stattfand. In den zwei Jahren seit ihrer Vorstellung wurde die Software von Tausenden Nutzern aus aller Welt heruntergeladen.

AirQ+ berechnet das Ausmaß verschiedener gesundheitlicher Auswirkungen, die auf die Belastung einer Bevölkerung durch die wichtigsten Luftschadstoffe zurückzuführen sind. AirQ+ ist auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt und daher von weltweiter Bedeutung. Die Software kann für jede Stadt, jedes Land und jede Region genutzt werden, um abzuschätzen:

  • inwiefern eine bestimmte gesundheitliche Auswirkung auf ausgewählte Luftschadstoffe zurückzuführen ist und
  • inwiefern sich bei einer Veränderung des Niveaus der Luftverschmutzung die Folgen für die Gesundheit verändern würden.

Version 1.2 der AirQ+-Software enthält erstmals eine russischsprachige Schnittstelle.

Sonderarbeitsgruppe über Gesundheitsaspekte der Luftverschmutzung

Die Sonderarbeitsgruppe über Gesundheitsaspekte der Luftverschmutzung wurde 1998 im Rahmen des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung gegründet, um die gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung zu bewerten und Argumentationshilfen zu liefern. Sie führt eine evidenzbasierte Bewertung der Gesundheitsrisiken aufgrund von Luftverschmutzung sowie der Zurückführung solcher Risiken auf den weiträumigen Transport von Schadstoffen in der Atmosphäre durch.

An dieser 21. Tagung der Sonderarbeitsgruppe nehmen Vertreter der Vertragsparteien des Übereinkommens sowie Experten und maßgebliche Interessengruppen teil, die als Referenten zu wissenschaftlichen Themen auf der Tagesordnung eingeladen wurden. Die Teilnehmer werden über Fortschritte bei der Erforschung von Luftverschmutzung und Gesundheit, über Kommunikationsaspekte und über neue internationale Konzepte und Prozesse im Bereich Luftqualität und Gesundheit beraten und sich insbesondere mit den Ergebnissen der im Juni 2017 in Ostrava (Tschechische Republik) abgehaltenen Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit sowie mit möglichen Maßnahmen zur Umsetzung der Erklärung von Ostrava befassen.