Deutschland: Modell für eine gelungene Politiksteuerung für mehr Gesundheit am Arbeitsplatz

Gesundheitsgefahren und -risiken am Arbeitsplatz sind jährlich für den Tod von mehr als 300 000 Arbeitnehmern in der Europäischen Region der WHO verantwortlich. Im südlichen und östlichen Teil der Region haben weniger als 10% der Arbeitnehmer Zugang zu Angeboten der Arbeitssicherheit, im nördlichen und westlichen Teil der Region sind es dagegen über 90%.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat ein Länderprofil des Systems der Arbeitssicherheit in Deutschland erstellt, um politischen Entscheidungsträgern und Beratern in der gesamten Europäischen Region Lehren aus diesem System präsentieren und aktuelle Empfehlungen in Bezug auf geeignete Maßnahmen zur Regulierung der Arbeitssicherheit abgeben zu können. Es wird den Mitgliedstaaten bei der Entwicklung effektiverer und effizienterer Systeme für Arbeitssicherheit behilflich sein und sich dabei an dem gesamtstaatlichen Ansatz und dem Grundsatz „Gesundheit in allen Politikbereichen“ orientieren, den Säulen des neuen Europäischen Rahmenkonzeptes für Gesundheit und Wohlbefinden, „Gesundheit 2020“.

Arbeitssicherheit in Deutschland

Seit den 1990er Jahren liegt die Todesrate aufgrund von Arbeitsunfällen in Deutschland unterhalb des Durchschnitts in der Europäischen Union. 2008 wurden 60 624 Verdachtsfälle von berufsbedingten Erkrankungen gemeldet; dabei wurde in 23 028 Fällen eine berufsbedingte Ursache bestätigt. Es gab 2391 Todesfälle infolge berufsbedingter Krankheiten, und es wurden 4312 Neuanträge auf Gewährung einer Berufsunfähigkeitsrente geprüft.

Die meisten Fälle einer berufsbedingten Erkrankung wurden in der Metallindustrie festgestellt; an zweiter Stelle folgte die Baubranche. Die hohe Zahl der Todesfälle infolge berufsbedingter Krankheiten ist in erster Linie auf Exposition gegenüber Asbest zurückzuführen.

Die Reihe „Länderprofile“

Dieses neue Länderprofil gibt einen Gesamtüberblick über den aktuellen Stand der Regulierung der Arbeitssicherheit in Deutschland und wählt als Schwerpunkte den staatlichen Handlungsrahmen, die Handlungsprioritäten, die Ziele und Vorgaben, die Mechanismen für die Umsetzung sowie die personellen und finanziellen Ressourcen zum Schutz und zur Förderung der Gesundheit von Arbeitnehmern.

Es wurde vom WHO-Regionalbüro für Europa zusammen mit Kooperationszentren der WHO und anderen Experten entwickelt und ist Bestandteil einer Reihe, in der die Systeme ausgewählter Länder zur Verbesserung der Arbeitssicherheit als Modelle für eine gelungene Politiksteuerung zugunsten der Gesundheit am Arbeitsplatz dargestellt werden.

Das deutsche System für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz

Das deutsche System, das auf einer gesetzlichen Unfallversicherung basiert, gibt es seit über einem Jahrhundert. Es stellt ein Vorbild für eine gelungene Politiksteuerung dar, das auf der systematischen Berücksichtigung von Gesundheit in allen Politikbereichen und auf einer effektiven Finanzierung und Bereitstellung umfassender Angebote im Bereich Arbeitssicherheit zusammen mit den staatlichen Gewerbeaufsichtsbehörden und den Verbänden der Sozialpartner beruht.