Nach vorliegenden Erkenntnissen hat ein Asbestverbot keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen

WHO

Fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine Exposition gegenüber Asbestfasern erhebliche Gesundheitsrisiken bergen kann. Dennoch bleibt das Mineral weiterhin präsent und wird noch immer in großem Umfang genutzt und gehandelt, sowohl in der Europäischen Region der WHO als auch weltweit. Nach Empfehlung der WHO besteht der wirksamste Weg zur Eliminierung asbestbedingter Erkrankungen darin, die Verwendung und Produktion von sowie den Handel mit sämtlichen Formen der Substanz zu verbieten.

Einige Länder tun sich jedoch schwer damit, weitreichende Konzepte für den Umgang mit Asbest, wie etwa dessen Verbot, zu entwickeln, da davon ausgegangen wird, dass diese Maßnahmen mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen einhergehen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer Bewertung der tatsächlichen ökonomischen Dimension der Krankheitslast, um effizientere und effektivere Handlungskonzepte für Umwelt und Gesundheit zu fördern.

Im Hinblick auf die für die ökonomische Bewertung zur Verfügung stehenden Methodologien, Instrumente und Anwendungen wurden in den Ländern, in der Europäischen Region und auf globaler Ebene erhebliche Fortschritte erzielt. Im Fall von asbestbedingten Erkrankungen wurden die mit den gesundheitlichen Folgen von Asbest verbundenen hohen Kosten in verschiedenen Ländern dokumentiert. Diese Art der ökonomischen Bewertung muss jedoch weiter ausgebaut werden, um die vorhandenen Instrumente weiterzuentwickeln und die Kapazitäten in den Ländern zu stärken, die für eine Bewertung der ökonomischen Dimension und der gesellschaftlichen Kosten bzw. Vorteile eines Verbots von Asbest erforderlich sind.

Angesichts dieser Notwendigkeit hat die WHO gemeinsam mit der Beratungsfirma NERA die mit der Produktion und Verwendung von Asbest verbundenen wirtschaftlichen Kosten für die Gesellschaft einer Bewertung unterzogen. Die Ergebnisse wurden 2017 in einem Bericht veröffentlicht. Er soll den Entscheidungsträgern in den Ländern die maßgeblichen Erkenntnisse liefern, um Handlungskonzepte zu rechtfertigen, die eine Verlagerung hin zu sicheren Ersatzstoffen ermöglichen und die berufliche und umweltbedingte Exposition gegenüber Asbest verhindern.

Wichtigste Ergebnisse des Berichts

Die Asbestproduktion ist weltweit rückläufig, da immer mehr Länder seine Anwendung reduziert haben. Zudem liefern die Daten aus den Ländern keine Anzeichen dafür, dass ein Asbestverbot oder die rückläufige Produktion bzw. Verwendung von Asbest negative wirtschaftliche Auswirkungen hätte. Dies legt den Schluss nahe, dass Länder, in denen gegenwärtig Asbest verbaut bzw. produziert wird – und zwar in ähnlichen Mengen wie in den Ländern, die bereits ein Verbot von Asbest ausgesprochen haben – aufgrund eines Verbots oder eines Rückgangs der Asbestnutzung oder -produktion keine spürbaren Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt verzeichnen würden.

Der Bericht kommt zu folgender Feststellung: Obwohl die Abkehr von Asbest nicht mit spürbaren und anhaltenden negativen wirtschaftlichen Auswirkungen einhergeht, ist die Fortsetzung der Verwendung von Asbest mit erheblichen gesundheitsbedingten Kosten sowie mit Sanierungs- und Gerichtskosten verbunden. So werden etwa die jährlichen weltweiten Gesundheitskosten, die in Zusammenhang mit den gesundheitlichen Folgen von Asbest stehen, auf 2,4 bis 3,9 Mrd. US-$ geschätzt, wobei dies zusätzliche Kosten für Schmerzensgeld und Wohlstandseinbußen nicht mit einschließt. Allein in den Vereinigten Staaten werden die mit Asbest verbundenen Gerichtskosten auf weitere 2,3 Mrd. US-$ pro Jahr geschätzt.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Methoden und Erkenntnisse dieses Berichts wurde kürzlich in der Sonderausgabe des International Journal of Environmental Research and Public Health mit dem Titel „Global panorama of national experiences in public health actions to ban asbestos“ [dt.: Ein globaler Überblick über die nationalen Erfahrungen mit Asbestverboten zum Schutz der öffentlichen Gesundheit] veröffentlicht.