Präventionswoche gegen Bleivergiftungen: bleihaltige Farben verbieten

WHO

Bleivergiftungen sind vollkommen vermeidbar. Dennoch kam es nach Schätzungen des Institute for Health Metrics and Evaluation der Universität Washington 2013 aufgrund von Bleibelastung zu 853 000 Todesfällen weltweit und wegen der langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit zu einem Verlust von 16,8 Millionen um Behinderungen bereinigte Lebensjahre (DALY).

Gesundheitliche Folgen von Bleibelastung

Blei ist ein giftiges Metall. Seine weit verbreitete Anwendung belastet die Umwelt umfassend und hat die Gesundheit der Menschen in vielen Teilen der Welt geschädigt. Bleivergiftung kann zu Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, Nervenschäden, Anämie, Müdigkeit und Muskelschwäche sowie Nieren- und Leberschäden führen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass es keinen Grenzwert für einen Bleigehalt im Körper gibt, der eine sichere Belastung zuließe: Die Belastung muss daher so klein wie möglich sein.

Dies liegt auf einer Linie mit dem Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG) 3, Zielvorgabe 3.9 „Bis 2030 die Zahl der Todesfälle und Erkrankungen aufgrund gefährlicher Chemikalien und der Verschmutzung und Verunreinigung von Luft, Wasser und Boden erheblich zu verringern“. Es ist auch verknüpft mit SDG 6, Zielvorgabe 6.3 „Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten“ und SDG 4, Zielvorgabe 12.4  „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“.

Präventionswoche gegen Bleivergiftungen

Die WHO führt gemeinsam mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen den weltweiten Kampf gegen Bleivergiftungen unter anderem durch eine Präventionswoche gegen Bleivergiftungen an. In diesem Jahr findet die Aktionswoche vom 23. bis 29. Oktober statt und konzentriert sich auf die Forderung nach einem Verbot für bleihaltige Farben.

Einer Rundfrage der WHO zufolge gibt es in 34 der 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region Gesetze zur Regulierung bleihaltiger Farben. Allerdings werden die Vorschriften in manchen Staaten nicht durchgesetzt. Das Regionalbüro ruft alle Staaten in der Europäischen Region zu gemeinsamer Überzeugungsarbeit gegen gesundheitsgefährliche Bleibelastung in Umwelt und Beruf, insbesondere für Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter, auf.

Aus Anlass der Präventionswoche gegen Bleivergiftungen beteiligen sich Regierungseinrichtungen und nichtstaatliche Organisationen in Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Litauen, der Republik Moldau, der Russischen Föderation, Slowenien und der Ukraine an der Kampagne gegen Bleivergiftungen. Zu den Aktivitäten zählen Workshops mit Aufsichtsämtern und Behörden, Privatwirtschaft, Herstellern, Verbrauchern, Arbeitnehmern, Gewerkschaften, Lehrern, Eltern und Gesundheitspersonal neben Vorträgen, Berichten in traditionellen und sozialen Medien sowie Flashmobs. Die jeweiligen Aktivitäten spiegeln die Prioritäten der Länder in der Eliminierung der Bleibelastung wieder.

Wirksame Maßnahmen gegen Bleibelastung

Die Belastung mit Blei nimmt aufgrund strenger Maßnahmen gegen die Anwendung von Blei und seine Freisetzung in die Umwelt stetig ab. Eine der wirksamsten Maßnahmen war die weltweite Abschaffung verbleiten Benzins. Zahlreiche Studien belegen, dass dieser Schritt zu einem signifikanten Rückgang der Bleiwerte im Blut von Kindern führte.

Es gibt aber noch viele andere Ursachen von Bleibelastung. Neben bleihaltigen Farben fällt Blei in industriellen Prozessen und in der Abwasserwirtschaft, in Trinkwasser (durch Bleirohre), in Konsumgütern wie Spielzeug, Kosmetik und Schmuck sowie in Bleisäurebatterien an.

Das Regionalbüro fordert alle Länder der Region dazu auf, gesetzgeberisch gegen bleihaltige Farben tätig zu werden und beschlossene Regeln auch durchzusetzen. Außerdem ermutigt es sie zur Umsetzung weiterer Strategien gegen Chemierisiken, hierunter die Strenge Kontrolle bleihaltiger Produkte. Der Aufbau einer Partnerschaft unter den maßgeblichen Akteuren ist mitentscheidend über den Abbau einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Bleibelastungen.