Gesundheitliche Auswirkung und Wirksamkeit städtischer Begrünung

WHO

Im Vorfeld der 6. Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit, die vom 13. bis 15. Juni in Ostrava (Tschechien) stattfinden wird, hat die WHO einen neuen Bericht vorgestellt, der Wissenslücken in Bezug auf städtische Grünflächen schließen soll. In dem Bericht werden Ergebnisse einer Durchsicht des Erkenntnisstandes vorgestellt und lokale Fallstudien zu städtischer Begrünung bewertet.

Eine Reihe internationaler Vereinbarungen enthalten Bekenntnisse zur Ausweitung und Förderung städtischer Grünflächen, weil diese der Stadtbevölkerung auf verschiedene Weise nutzen können. Dennoch wissen wir noch relativ wenig darüber, wie städtische Begrünungsinitiativen optimiert und der ökologische, soziale und gesundheitliche Nutzen der Grünflächen maximiert werden können.

Die Befunde bestätigen, dass eine Ausweitung bzw. Verbesserung städtischer Grünflächen positive gesundheitliche, soziale und ökologische Folgen für alle Bevölkerungsgruppen, jedoch insbesondere für Gruppen mit niedrigem sozialökonomischem Status, haben kann. Allerdings müssen in Bezug auf Gesundheit und Chancengleichheit die Erträge der Investitionen in Grünbereiche noch vollständiger erfasst und die Beobachtung der örtlichen Handhabung grüner Flächen noch weiter verbessert werden.

Die Erfahrungen vor Ort und die städtische Praxis legen den Schluss nahe, dass bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Einbeziehung örtlicher Gruppen in die Planung eine Vorbedingung dafür sind, dass Begrünung in mehrfacher Hinsicht erfolgreich verlaufen und ein Angebot von funktionellen Möglichkeiten schaffen kann, das unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzieht.   Die Begrünung erscheint dann am wirksamsten zu sein, wenn neben die physische Verbesserung des Grünbereichs soziales Engagement und Partizipation treten, die das Projekt unterstützen und neue Zielgruppen ansprechen.

Politische Rahmen unterstreichen die Bedeutung von Grünflächen

Drei politische Rahmen behandeln direkt die Verbindung zwischen städtischer Grünfläche und Gesundheit:

  • Die Erklärung von Parma gibt die Zusage, bis 2020 gesunde und sichere Umgebungen und Lebensumfelder für alle Kinder zu schaffen, „damit sie zu Fuß oder mit dem Rad in den Kindergarten oder die Schule gelangen und auf Grünflächen spielen und körperlich aktiv sein können“.
  • Die Neue Urbane Agenda unterstreicht die Bedeutung des öffentlichen Raumes. In ihr werden sichere, inklusive, zugängliche, grüne und hochwertige Räume gefordert.
  • Die Agenda 2030 stellt unter dem Motto „niemanden zurücklassen“ als Zielvorgabe 11.7 aus den Zielen für nachhaltige Entwicklung die Aufgabe, allgemeinen Zugang zu sicheren, inklusiven und leicht zugänglichen grünen und öffentlichen Räumen zu schaffen, insbesondere für Frauen und Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Das Thema städtische Grünflächen ist außerdem Bestandteil des prioritären Handlungsfeldes „Schaffung widerstandsfähiger Gemeinschaften und stützender Umfelder“ des Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“.

Bevorstehende Sechste Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit

Grüne Stadträume werden unter dem Stichwort „Städte“ auch Thema der 6. Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit sein.  Diese Konferenz wird vom 13. bis 15. Juni 2017 in Ostrava (Tschechien) stattfinden und Minister für Umwelt und Gesundheit sowie weitere hochrangige Vertreter aus Mitgliedstaaten, Partnerorganisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft der Europäischen Region der WHO zusammenführen. Es wird erwartet, dass die Mitgliedstaaten hier eine Ministererklärung und einen Umsetzungsplan für übernommene Verpflichtungen annehmen sowie einen überarbeiteten Steuerungsmechanismus für den Prozess Umwelt und Gesundheit in Europa beschließen werden.