Gesunde Orte, gesunde Menschen – Anwendung eines schottischen Bewertungsinstruments

WHO

Participants at the Edinburgh workshop gained first-hand experience with The Place Standard Tool, through conducting their own assessments using the tool and then analysing them.

Fachleute, Ansprechpersonen des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region der WHO, Akademiker, Architekten und Städteplaner kamen neulich in Edinburgh am 27. und 28. September 2017 zu einem Workshop über ein Bewertungsinstrument zusammen.

Dieses in Schottland entwickelte Instrument ermöglicht die Bewertung von Orten, die entweder schon bestehen, gerade umgestaltet werden oder noch in Planung sind. Das online verfügbare Instrument verwendet lediglich 14 einfache Fragen, die Themen von der gefühlten Sicherheit über Verkehr und Parkmöglichkeiten bis zu sozialen Kontakten abdecken. Zu jeder Frage kann eine Antwort aus einer Skala von 1 bis 7 gewählt werden. Diese Antworten ergeben dann ein detailliertes Bild davon, inwieweit ein Ort die Anforderungen seiner Bewohner erfüllt und ihre Gesundheit und Wohlbefinden unterstützt.

Zur Eröffnung des Workshops sagte die schottische Gesundheitsministerin Shona Robison: „Neue Gemeinden müssen ihren Bewohnern wirtschaftliche und gesellschaftliche Chancen eröffnen – und sie müssen auch einen ökologischeren Lebenswandel ermöglichen. Jeder neu angelegte Stadtteil sollte diese wichtigen Themen gleichzeitig angehen.“

Einfach, aber wirkungsvoll

Den Teilnehmern wurde das Instrument aus erster Hand vorgestellt. Anschließend nutzten sie es direkt vor der Tür für eigene Bewertungen, die sie am folgenden Tag analysieren konnten. Die Belfaster Stadträtin Geraldine McAteer, die auch Leiterin des Partnerschaftsausschusses Westbelfast ist, sagte stellvertretend für viele Teilnehmer: „Als wir das Instrument selbst anwendeten, sahen wir plötzlich, wie einfach und wirksam es zugleich ist. Es kann in vielen Zusammenhängen äußerst nützlich sein.“

Das Instrument wurde gemeinsam durch schottischen Gesundheitsdienst, Architecture and Design Scotland und schottische Regierung entwickelt. In Schottland wird es bereits umfassend genutzt und in den Niederlanden derzeit erprobt.

„Niemand kennt einen Ort besser, als die Menschen, die in ihm leben, arbeiten oder spielen,“ sagte Monika Kosinska, Ansprechperson des Regionalbüros für das Gesunde-Städte-Netzwerk. „Es kann allerdings Einzelpersonen, Organisationen und Gruppen schwerfallen, ihr Wissen anderen Akteuren auf sinnvolle Weise mitzuteilen. Dieses Instrument kann eine gemeinsame Verständigungsgrundlage schaffen und im Regionalbüro sind wir sehr daran interessiert zu sehen, wie es in der gesamten Region zur Bewältigung von Ungleichheit eingesetzt werden kann.“

Das Gesunde-Städte-Netzwerk besteht aus 1300 Städten mit einer Bevölkerung von insgesamt 165 Millionen Menschen. Es soll zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden beitragen, indem es gesundheitliche Ungleichheiten abbaut und partizipatorische Leitung und Politikgestaltung zugunsten von mehr Gesundheit fördert. 2018 wird das Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region der WHO sein dreißigjähriges Bestehen mit einer internationalen Konferenz im nordirischen Belfast (Vereinigtes Königreich) begehen.