Städte verändern, die Welt verändern

WHO / Brian Thompson Photography

Catherine Calderwood, Chief Medical Officer of Scotland, speaks at the International Healthy Cities Conference, held in Belfast, United Kingdom.

Am 1. Oktober 2018 wurde in Belfast die Internationale Gesunde-Städte-Konferenz der WHO eröffnet, an der mehr als 500 Delegierte aus über 200 Städten in 60 Ländern teilnahmen.

Obwohl die Konferenz alle fünf Jahre stattfindet, ist die diesjährige Veranstaltung doch insofern von besonderer Bedeutung, als sie dem 30-jährigen Bestehen der Gesunden Städte als einer weltweiten Bewegung gewidmet ist und einen Ausblick auf die nächste Phase der Arbeit des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region geben soll.

Im Rahmen ihres viertägigen Programms mit einer Vielzahl von Sitzungen wollen die Teilnehmer unter dem übergeordneten Motto „Städte verändern, die Welt verändern“ der Erkenntnis Rechnung tragen, dass städtische Zentren eine entscheidende Rolle für eine nachhaltige Entwicklung spielen.

Zusammenfassung von Tag 1

Die Delegierten begannen den Montagvormittag umgehend mit einer Sitzung des Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region, in der die stimmberechtigten Mitglieder des Netzwerks über die Vorbereitungen auf die nächste Phase der Arbeit berieten.

Die politische Zukunftsvision und die geplanten Ziele dieser Phase stimmen vollständig mit dem Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramm der WHO, dem Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ und den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) überein. Im Anschluss fanden acht parallele Nebenveranstaltungen statt, in denen Beispiele erfolgreicher Initiativen für gesunde Städte geschildert wurden, die von gesundheitsfördernden Schulen bis zu Technologien zur Unterstützung eines aktiven und gesunden Alterns reichten.

Die Plenarsitzung am Nachmittag begann mit einer beeindruckenden Rezitation des Gedichts „Confidence“ von Colin Dardis, das anlässlich des 70-jährigen Bestehens des National Health Service im Vereinigten Königreich geschrieben wurde und in dem das Ideal einer allgemeinen Gesundheitsversorgung gewürdigt wird.

Der Stellvertretende Oberbürgermeister von Belfast, Emmet McDonough-Brown, hieß die Teilnehmer herzlich willkommen und erinnerte daran, dass Belfast 1988 als elfte Stadt dem Netzwerk beigetreten sei und seitdem zu dessen maßgeblichen Mitgliedern zähle.

Die Plenarsitzung wurde mit einer Schwerpunktlegung auf die primäre Gesundheitsversorgung fortgesetzt, wobei eine inhaltliche Verknüpfung zum 40. Jahrestag der Unterzeichnung der Erklärung von Alma-Ata hergestellt wurde. Die Erklärung wird auch Gegenstand einer demnächst in Astana (Kasachstan) stattfindenden globalen Konferenz sein.

Prof. John Ashton, Oberster Berater des Netzwerks, und Dr. Bente Mikkelsen, Leiterin der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa, hielten je eine Grundsatzrede.

Prof. Ashton befasste sich mit der Frage, was das Netzwerk in seinem 30-jährigen Bestehen dank der anhaltenden Unterstützung über Parteigrenzen hinweg erreicht habe, die von zentraler Bedeutung für die Gründung des Netzwerks gewesen sei. Gegenwärtig gebe es nationale Netzwerke in mehr als 30 Ländern, und die Bewegung breite sich weiter aus: So habe Kirgisistan vor kurzem das erste nationale Gesunde-Städte-Netzwerk in Zentralasien eingerichtet.

Dr. Mikkelsen erläuterte, warum Städte Maßnahmen und Investitionen Vorrang geben sollten, die der Bekämpfung der wachsenden Epidemie nichtübertragbarer Krankheiten dienen. In der Europäischen Region der WHO seien Ungleichgewichte im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten und der psychischen Gesundheit weit verbreitet. Es herrsche dringender Handlungsbedarf in den Ländern, diese wachsende Belastung durch ein energisches Engagement der Politik und eine breite Beteiligung der maßgeblichen Akteure in Angriff zu nehmen.

In einer gemeinsamen Sitzung diskutierten die obersten Gesundheitsbeamten Nordirlands und Schottlands und die stellvertretenden obersten Gesundheitsbeamten aus England und Wales über Herausforderungen, die zu ungesunden Städten führen, und gaben Anregungen, wie solche Städte bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützt werden können. Sie unterstrichen die Bedeutung einer Beteiligung der Bevölkerung an der Gestaltung wirksamer Lösungsansätze.

Die erste Plenarsitzung ging mit Präsentationen von Vertretern der Städte Astana und Almaty zu Ende, in denen diese ihre Bemühungen um eine Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden schilderten. Der Stellvertretende Bürgermeister von Almaty lud die Delegierten zu der nächsten Tagung der Bürgermeister des Gesunde-Städte-Netzwerks der WHO ein, die vom 23. bis 24. Oktober in Almaty stattfindet.

Der Tag endete mit acht Parallelsitzungen, in denen über bewährte Praktiken bei ressortübergreifenden Strategien für Gesundheit in Städten berichtet wurde. Im Anschluss fand ein Begrüßungsempfang auf Einladung der Queen’s University Belfast statt.

Zusammenfassung von Tag 2

Die Oberbürgermeisterin von Belfast, Deirdre Hargey, brachte zu Beginn des zweiten Tages der Konferenz ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die führenden Kommunalpolitiker Gelegenheit fänden, sich mit Amtskollegen aus aller Welt auszutauschen und von den innerhalb des Netzwerks gesammelten Erfahrungen zu profitieren. Eine energiegeladene irische Tanzdarbietung der Gruppe Celtic Storm verhalf dem Tag zu einem denkwürdigen und dynamischen Start. Anschließend hielt Dr. Michael McBride, der Oberste Gesundheitsbeamte von Nordirland, eine Begrüßungsansprache.

In ihrer Eröffnungsrede im Namen der WHO erklärte Dr. Piroska Östlin, Leiterin der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden beim WHO-Regionalbüro für Europa, das Netzwerk müsse die in den vergangenen 30 Jahren gesammelten Erfahrungen dazu nutzen, in der ganzen Welt für die Gesunde-Städte-Bewegung zu werben. Die Bewegung sei von innovativen und transformativen Lösungsansätzen geprägt, die für die Verwirklichung der SDG von entscheidender Bedeutung seien, indem Gesundheit als ein Querschnittsthema genutzt werde.

Tony Fitzgerald, Stellvertretender Oberbürgermeister von Cork und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Politische Vision, und Monika Kosinska,  Ansprechperson der Europäischen Region der WHO für das Netzwerk, reflektierten über den von führenden Kommunalpolitikern im Februar 2018 angenommenen Konsens der Kopenhagener Tagung und seine sechs zentralen Themenkomplexe: Frieden, Planet, Räume, Menschen, Teilhabe und Wohlstand. Diese bilden die Grundlage für die nächste Phase der Arbeit des Netzwerks, die auf den allgemeinen Grundsätzen einer chancengleichen, gesunden und nachhaltigen Zukunft für alle beruht.

Frau Kosinska stellte auch den Entwurf der Charta von Belfast vor, in dem die Maßnahmen skizziert werden, die die Städte zur Umsetzung der im Konsens von Kopenhagen dargestellten politischen Zukunftsvision ergreifen müssen. Der Entwurf steht gegenwärtig zur Stellungnahme offen, und die Annahme einer endgültigen Fassung soll zum Abschluss der Konferenz am Donnerstag erfolgen.

Dr. Agis Tsouros, Internationaler Berater für Globale Gesunde Städte, hob hervor, die Ziele und Prioritäten der Gesunde-Städte-Bewegung seien stets mit den großen Themen vereinbar gewesen, die nun in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen verankert seien. Er ermutigte die Städte, sich der „großen Themen“ anzunehmen und die Gelegenheit zu ergreifen, glaubwürdige und evidenzbasierte städtische Gesundheitskonzepte einzuführen.

In ihren Grundsatzreden untersuchten Dr. Brandon Hamber, Professor am Institut für internationale Konfliktforschung der Ulster University (Nordirland), und Dr. Ilona Kickbusch, Leiterin des Global Health Centre am Graduate Institute (Schweiz), das Beziehungsgeflecht zwischen Gesundheit im Entwicklungskontext und Sicherheit, Frieden und Teilhabe.

Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Erstellung von Lösungskonzepten und der Förderung der Bürgerbeteiligung am städtischen Leben zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Plenarsitzung. Dr. Hamber zitierte zur Veranschaulichung der Bedeutung von Teilhabe und Eigenverantwortung die amerikanisch-kanadische Autorin Jane Jacobs: „Städte haben nur dann die Fähigkeit, etwas für jeden zu bieten, wenn sie sich unter Beteiligung aller entwickeln.“

Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich in 16 separaten Parallelsitzungen näher mit Fragen von Umwelt und Gesundheit, Frieden und Städteplanung zu befassen. Der Tag ging mit einem Empfang auf Einladung des Stadtrats von Belfast in dem prächtigen Rathaus von Belfast zu Ende.

An den beiden letzten Tagen der Konferenz werden weitere zentrale Themen der Gesundheit von Städten auf dem Programm stehen, wie etwa transformative Lösungsansätze zur Bewältigung von Herausforderungen für Umwelt und Gesundheit. Die Teilnehmer erhalten auch die Gelegenheit zu einer Reihe von Besichtigungen an verschiedenen Orten in Belfast.