Gesunde Städte in der Europäischen Region nehmen Charta von Belfast an und leiten damit eine neue Phase des Engagements ein

WHO/Brian Thompson Photography

18 site visits across the city of Belfast gave participants at the Healthy Cities Conference an opportunity to gain first-hand experience and insight into actual projects making Belfast a healthier, more sustainable city to live in.

Zum Abschluss der viertägigen Internationalen Gesunde-Städte-Konferenz in Belfast (Nordirland, Vereinigtes Königreich) wurde vom Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region der WHO am 4. Oktober 2018 offiziell die Charta von Belfast für Gesunde Städte angenommen. Diese leitet für das Netzwerk Phase VII ein, die sich über den Zeitraum 2019–2024 erstreckt. Sie baut auf der politischen Vision und dem Rahmen des zu Beginn dieses Jahres angenommenen Konsenses der Kopenhagener Tagung der Bürgermeister auf.

Die Charta umfasst eine politische Erklärung, in der nachdrücklich zu mehr Investitionen in Städte und ihr Humankapital aufgerufen wird, sowie die Verpflichtung, auf die Verwirklichung bestimmter strategischer Ziele hinzuarbeiten. Darüber hinaus definiert sie mit aller Deutlichkeit neue gesundheitspolitische Aufgaben für Bürgermeister und andere staatliche Entscheidungsträger.

Das Netzwerk verpflichtet sich dazu, Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern und Ungleichheiten abzubauen sowie auf kommunaler, nationaler und globaler Ebene mit gutem Beispiel voranzugehen, angefangen bei den Kommunalverwaltungen. Zudem verpflichten sich die Städte und nationalen Netzwerke in Phase VII dazu, die Umsetzung der strategischen Prioritäten der WHO wie etwa die Verfolgung des Ziels einer allgemeinen Gesundheitsversorgung und der Ziele des 13. Allgemeinen Arbeitsprogramms der WHO zu unterstützen.
In den Tagen vor Annahme der Charta von Belfast umfasste die Konferenz weiterhin ein volles Veranstaltungsprogramm.

Zusammenfassung von Tag 3

Im Einklang mit den Grundsätzen einer gesunden Stadt begann der Tag für die Teilnehmer und Delegierten mit der Gelegenheit, an einem morgendlichen Dauerlauf oder einem schnellen Spaziergang durch Belfast teilzunehmen. Die morgendliche Plenarsitzung konzentrierte sich dann auf die transformativen Ansätze im Bereich Umwelt und Gesundheit.

Dr. Janez Potočnik, Ko-Vorsitzender der Internationalen Sachverständigengruppe „Ressourcen“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), hielt eine faszinierende Grundsatzrede. Er forderte ein neues Paradigma der Kreislaufwirtschaft und warnte, dass wir eine einmalige Gelegenheit hätten, die voraussichtlichen Entwicklungen im Bereich der Urbanisierung in eine ökologisch nachhaltigere und sozial gerechtere Richtung zu verlagern.

Dr. Potočnik fügt hinzu, dass Kompromisse zwischen verschiedenen Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) unumgänglich seien, da sie von den natürlichen Ressourcen abhingen, doch dass eine Schwerpunktlegung auf nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster der beste Weg sei, diese Kompromisse in Grenzen zu halten und für wirksamere Synergien zu sorgen. Eine Kreislaufwirtschaft müsse als Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Umbruchs angesehen werden, der erforderlich sei, um die Menschheit zu sichern, mit Vorteilen sowohl für Umwelt als auch Gesundheit.

Victor Everhardt, der Stellvertretende Bürgermeister von Utrecht, hielt eine zweite Grundsatzrede, in der er unterstrich, dass die Schaffung einer gesunden Stadt eine langfristige Verpflichtung sei. Er bot Paradebeispiele aus seiner Stadt, wie etwa elektrisch angetriebene Boote, die Lieferungen über das Kanalnetz der Stadt tätigen, Ansätze zur Beseitigung von Autos aus öffentlichen Räumen sowie Initiativen zur Verbesserung und zum Ausbau von Fahrradwegen und Fahrradstellplätzen in der gesamten Stadt.

Im Anschluss daran fand eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung der beiden Grundsatzredner sowie von Brigit Staatsen vom Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (Niederlande), Prof. Jonathan Patz vom Global Health Institute der University of Wisconsin–Madison (Vereinigte Staaten) und Tom Andrews vom Netzwerk Sustainable Food Cities (Vereinigtes Königreich) statt.

Die Teilnehmer gingen der Frage nach, wie sich eine bessere Verzahnung zugunsten eines Erfahrungsaustauschs ermöglichen lässt. Im Mittelpunkt stand hierbei der Bereich Umwelt und Gesundheit, der Ausbau aktiver Fortbewegung, die Verringerung von Emissionen und Energieverbrauch und die Gewährleistung gesunder und nachhaltiger Ernährungsweisen. Auch wenn kommunale Handlungskonzepte mit globalen Handlungskonzepten und Kontexten verknüpft werden müssten, um die bereichsübergreifende Politikkohärenz zu verbessern, sollte dies die führenden Kommunalpolitiker und Städte nicht davon abhalten, bereits jetzt Maßnahmen zu ergreifen.

Im Laufe des restlichen Vormittags hatten die Delegierten Gelegenheit, an einer der 18 Besichtigungen in ganz Belfast teilzunehmen, um aus erster Hand mehr über tatsächliche Projekte zu erfahren, die Belfast zu einer gesünderen, nachhaltigeren Stadt machen sollen.

Den Abschluss von Tag 3 bildeten 2 Blöcke paralleler Sitzungen (insgesamt 16), die sich mit einem breiten Themenspektrum befassten, von nachhaltigen Gemeinschaften über Chancengleichheit und Inklusion bis hin zu Umwelt und Gesundheit. Am Abend fand im wunderschönen Malone House ein vom Lord Mayor of Belfast ausgerichtetes Abendessen für die Delegation aus Bürgermeistern und Politikern statt.

Zusammenfassung von Tag 4

Der Abschlusstag der Konferenz wurde mit einem Auftritt des Chors Harmony Choir eröffnet, einem Projekt, an dem zehn Schulchöre aus dem Norden Belfasts beteiligt sind. Die morgendliche Plenarsitzung konzentrierte sich auf das Thema Lebensmittel und Lebensmittelsysteme und ihre zentrale Rolle für Gesundheit, Wohlbefinden, Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften und den Umgang mit Ungleichheiten.

Geoff Tansey, Kurator der Food Systems Academy (Vereinigtes Königreich) betonte, dass Lebensmittelsysteme für sichere, nachhaltige und ausreichende Ernährungsweisen für alle sorgen müssten. Er erklärte, dass die Vermarktung ungesunder Nahrungsmittel unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden schade und fügte hinzu, dass die vier größten Gefahren für die Welt und unsere Lebensmittelsysteme die Destabilisierung des Klimas, zunehmende Ungleichheiten, der Wettbewerb um Ressourcen und die globale Militarisierung seien.

Um diesen Trends entgegenzuwirken, müsse man über Kulturen und Grenzen hinweg zusammenarbeiten, um glücklichere und gesündere Städte zu schaffen. Herr Tansey forderte die führenden Kommunalpolitiker auf, über technologische Innovationen hinweg auch soziale, wirtschaftliche, institutionelle und rechtliche Innovationen in Betracht zu ziehen, um Wege zur Schaffung nachhaltiger, chancengleicher Lebensmittelsysteme zu finden.

Der Nachmittag war von weiteren parallelen Sitzungen sowie einem Treffen der Universitäten geprägt. Die Gruppe befasste sich mit der Entwicklung einer offenen Partnerschaft zwischen Universitäten, die mit dem Netzwerk zusammenarbeiten und wissenschaftliche sowie praktische Unterstützung leisten könne.

Am Nachmittag fand die abschließende Plenar- und Geschäftssitzung der Konferenz statt, in deren Verlauf die Charta von Belfast offiziell angenommen wurde. Darüber hinaus wurde die Wahl von Vertretern von Städten und nationalen Gesunde-Städte-Netzwerken in den Beratungsausschuss für die nächste Phase angekündigt.

Prof. Selma Sogoric, Koordinatorin des kroatischen Gesunde-Städte-Netzwerks, wurde für ein Plakat ausgezeichnet, das sie gemeinsam mit Kollegen für die Konferenz entworfen hatte – eines von Dutzenden von Plakaten, die im Laufe der Woche ausgestellt worden waren. Die finale Sitzung umfasste auch kreative Anmerkungen in Form einer bildlichen Darstellung, die während der gesamten Konferenz erstellt worden war.
Dr. Franklin Apfel, Geschäftsführer der Organisation World Health Communication Associates, moderierte eine zukunftsgerichtete Diskussion mit den früheren und gegenwärtigen Ansprechpersonen der WHO für das Netzwerk, Dr. Agis Tsouros und Monika Kosinska.

Sie gaben Aufschluss darüber, was Phase VII für das Netzwerk bereithält. Frau Kosinka erklärte, dass die Bedingungen für das Netzwerk ideal seien, da die Welt sich auf die Verwirklichung der SDG konzentriere. In ihren abschließenden Bemerkungen sagte sie: „Es spricht sich herum: Die Arbeit der Städte des Netzwerks überzeugt immer mehr Menschen weltweit. Die Zeit für die Gesunden Städte ist gekommen.“

Den Abschluss der Konferenz bildeten die Verabschiedung von Suzanne Wylie, Chief Executive des Stadtrats Belfast, sowie ein Auftritt des Chors Here 4 U aus Belfast. Gemeinsam mit dem Chor sangen die Delegierten ein für die Veranstaltung komponiertes Stück auf die Melodie von „Ode an die Freude“. Die nächste Internationale Gesunde-Städte-Konferenz findet 2024 zum Abschluss von Phase VII statt.