Beseitigung des Tabus der Menstruationshygiene in der Europäischen Region

WHO/Malin Bring

Weltweit sind 52% der Frauen und Mädchen im fortpflanzungsfähigen Alter – etwa 1,9 Mrd. Menschen. Dennoch ist das Thema Menstruation immer noch ein enormes Tabu und mit einem erheblichen Stigma verbunden, und in vielen Ländern und Regionen ist es für Mädchen und Frauen oft schwierig, eine optimale Menstruationshygiene zu praktizieren. Das WHO-Regionalbüro für Europa bemüht sich gemeinsam mit den Mitgliedstaaten um ein besseres Verständnis der Größenordnung des Problems und um Unterstützung bei der Erstellung politischer Konzepte zur Beseitigung von Ungleichheiten in Bezug auf den Umgang mit Menstruationshygiene. Um geeignetere stützende Umfelder für Menstruationshygiene zu fördern und das Tabu brechen zu helfen, trafen Vertreter der Gesundheits- und Bildungspolitik am 23. und 24. Oktober 2018 in Bonn im Rahmen des Protokolls über Wasser und Gesundheit zur dritten Fachtagung über Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene zusammen.

Ungleichheit in Bezug auf Menstruationshygiene hat viele Ursachen, etwa mangelndes Wissen über Menstruation, unzureichende sanitäre Einrichtungen und die Tatsache, dass die notwendigen Menstruationsprodukte oft nicht zur Verfügung stehen oder bezahlbar sind. Die Teilnehmer an der Tagung in Bonn erkannten, dass der Umgang mit Menstruationshygiene ein für Würde und Wohlbefinden von Frauen und Mädchen bedeutendes Thema ist. Dies gilt in besonderem Maße für Mädchen im Schulalter, die oft wegen unzureichender sanitärer Einrichtungen den Unterricht versäumen, und unterstreicht die Notwendigkeit, das Recht auf Sanitäranlagen und Gleichstellung im Bildungswesen einzufordern.

Auf der Tagung schilderten die Mitgliedstaaten Beispiele bewährter Praktiken zur Feststellung des Ausmaßes des Problems, zur Bestimmung der Bedürfnisse der Betroffenen, zur Verbesserung der Einrichtungen an Schulen und zum Ausbau der Aufklärung über Menstruation an Schulen.

Menstruationsarmut in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien

Eine vor kurzem durchgeführte Studie über Menstruationsarmut in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien kam zu dem Ergebnis, dass 90% der Schülerinnen in ländlichen Gebieten während ihrer Periode vier bis fünf Tage lang dem Unterricht fernbleiben. Auch in städtischen Gebieten nehmen immer noch 75% der Schülerinnen während ihrer Periode zwei bis drei Tage nicht am Unterricht teil. Als häufigste Gründe wurden unzureichende Voraussetzungen für Menstruationshygiene an Schulen und der hohe Preis entsprechender Hygieneprodukte genannt.

Kostenlose Menstruationshygieneprodukte für Schülerinnen und Studentinnen in Schottland

Nach einer Umfrage unter Jugendlichen über die Bereitstellung von Menstruationsprodukten an Schulen stellt die schottische Regierung nun kostenlosen Zugang zu Menstruationsprodukten für Schülerinnen und Studentinnen zur Verfügung, um die Gleichheit, Menschenwürde und Menschenrechte der Betroffenen zu gewährleisten. Diese Initiative soll dafür sorgen, dass ein mangelnder Zugang zu solchen Produkten nicht die Fähigkeit von Schülerinnen beeinträchtigt, sich auf allen Ebenen am Bildungswesen zu beteiligen. Die Regierung hat auch ein digitales Forum in Auftrag gegeben, das jungen Menschen alle benötigten Informationen über Perioden und den Zugang zu Hygieneprodukten gibt.

Aufklärung über Menstruationshygiene für Kinder mit Behinderungen in Kirgisistan

In Kirgisistan hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) das Bildungsministerium bei der Erstellung von Unterrichtsmaterial zum Umgang mit Menstruationshygiene unterstützt. Dieses Material wurde an allen Schulen im Land verteilt. Ferner wurde für Kinder mit Seh- und Hörbehinderung auch spezielles Unterrichtsmaterial über Menstruationshygiene in alternativen Formaten erstellt, um ihnen Zugang zu den wesentlichen Informationen über Hygiene für Mädchen sowie Rechte und Sicherheit von Kindern zu verschaffen. Drei Publikationen zu der Thematik in kirgisischer und russischer Sprache wurden für Kinder und Eltern in Blindenschrift und im Audioformat reproduziert. Eine kindgerechte Version des Übereinkommens über die Rechte des Kindes und eine Reihe von Publikationen über Sicherheit an Schulen wurden im Videoformat mit Untertiteln und Übersetzung in Zeichensprache sowie als interaktive Bücher mit Hörtext erstellt. Die Materialien sind über spezialisierte Schulen, den Kirgisischen Verband für Blinde und Gehörlose sowie spezielle Online-Bibliotheken erhältlich.