Erinnerung an die Bedeutung der Arbeit von Ignaz Semmelweis für den weltweiten Gesundheitsschutz

Hungarian Academy of Sciences

Das Jahr 2018 wurde in Ungarn zum Ignaz-Semmelweis-Gedenkjahr ausgerufen. Es markiert den 200. Jahrestag der Geburt des Mannes, der mehr Menschenleben gerettet haben soll als jeder andere Arzt in der Geschichte. Die Entdeckungen und Errungenschaften von Semmelweis, einschließlich der Einführung wirkungsvoller Hygienevorschriften für medizinische Behandlungen, setzten ein neues Paradigma im Bereich der Infektionsbekämpfung. Seine Arbeit zur Keimtheorie ist heute noch so relevant wie in den 1840er Jahren.

Um das Vermächtnis dieses herausragenden Wissenschaftlers zu feiern, wurde in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften unter der Schirmherrschaft des ungarischen Präsidenten János Áder und in Zusammenarbeit mit der Semmelweis Universität Budapest am 5. Juni 2018 ein Festakt zum Auftakt des Ignaz-Semmelweis-Gedenkjahres begangen.

In seinen einleitenden Bemerkungen hob Präsident Áder hervor, wie wichtig es für die wissenschaftliche Arbeit, auch in der Medizin, sei, nach der wissenschaftlichen Wahrheit zu suchen, Risiken einzugehen, zum Wohle von Patienten statt Institutionen zu arbeiten, Dogmen zu durchbrechen und seinen Wissensdurst zu erhalten.

In ihrem Vortrag rückte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, die Bedeutung der Arbeit von Semmelweis für die heutigen gesundheitspolitischen Prioritäten weltweit in den Mittelpunkt – insbesondere im Hinblick auf nosokomiale Infektionen; antimikrobielle Resistenz; Handhygiene; sauberes Wasser und Sanitärversorgung; die Sterblichkeit von Müttern, Säuglingen und Kindern; sowie frühkindliche Entwicklung. Darüber hinaus sei das Vermächtnis von Semmelweis mit weiter gefassten gesundheits- und entwicklungspolitischen Prioritäten verknüpft, wie etwa dem Gesundheitszustand, der Chancengleichheit und der allgemeinen Gesundheitsversorgung.

„Prävention ist wirkungsvoller und effizienter als Behandlung. Das hat Semmelweis der Welt bewiesen“, sagte Dr. Jakab. Sie betonte, dass die Notwendigkeit von Investitionen in die Prävention deutlich und unerlässlich wird, wenn die Erkenntnisse zeigen, dass sich mit einer einfachen Intervention, wie der von Semmelweis empfohlenen, das Leben von Müttern retten, die Müttersterblichkeitsrate senken, die Lebenserwartung verbessern und die Anzahl der gesunden Lebensjahre erhöhen lässt. Die Botschaft über die Bedeutung von Prävention ist heute noch so relevant wie zu seiner Zeit – vom beträchtlichen Gesundheitsbudget werden in der Europäischen Region lediglich 3% zugunsten der Prävention ausgegeben.

Darüber hinaus umfasste die Konferenz Vorträge führender Persönlichkeiten des Institut Pasteur in Paris, des Verbands Europäischer Akademien für Medizin, des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien (AKH) und des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité. Sämtliche Vorträge hoben die Bedeutung eines fachlichen Austauschs, eines Austauschs wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Würdigung von Innovationen als Mittel zur Verbesserung und Voranbringung von Errungenschaften im Bereich der Gesundheitswissenschaften hervor.

Das Vermächtnis von Ignaz Semmelweis

Mitte des 19. Jahrhunderts starben etwa 5 von 1000 Frauen im Kindbett, wenn die Entbindung von einer Hebamme durchgeführt wurde oder zu Hause stattfand. In den besten Entbindungskliniken in Europa und Nordamerika jedoch betrug die Müttersterblichkeitsrate oftmals bis zu 30 Prozent.

Postoperative Sepsisinfektionen waren für fast die Hälfte aller Todesfälle nach größeren Operationen verantwortlich. Medizinstudenten und ihre Professoren an den Elite-Lehrkrankenhäusern dieser Ära begannen ihren Tag üblicherweise mit Autopsien an jenen Frauen, die Tags zuvor am Kindbettfieber gestorben waren, oder an anderen Patienten, die an einer Sepsis gestorben waren. Diese Autopsien wurden mit bloßen Händen durchgeführt. Anschließend untersuchten sie die in den Wehen liegenden Frauen auf den Geburtsstationen. Die Ursache für die hohe Sterblichkeitsrate mag heutzutage offensichtlich sein, doch zu jener Zeit war sie unbekannt.

Erstmals in der Geschichte der Medizin wies Semmelweis seine Medizinstudenten und Assistenzärzte an, ihre Hände mit einer Chlorkalklösung zu waschen, bis der Leichengeruch nicht mehr wahrnehmbar war. Kurz nach Einführung dieser Vorschriften im Mai 1847 ging die Sterblichkeitsrate in den von Ärzten dominierten Geburtshilfestationen stark zurück. Doch erst im Jahr 1865 wurde das Mikroskop erfunden, mit dem Louis Pasteur und Joseph Lister das Genie von Semmelweis bestätigen konnten.

Bei der Veranstaltung in Budapest verkündete Dr. Jakab, dass die WHO das Angebot der medizinischen Fakultät der Universität Szeged und der Semmelweis Universität angenommen habe, der Organisation eine Büste von Semmelweis zu spenden. Die formelle Enthüllungszeremonie wird im Laufe dieses Jahres im WHO-Hauptbüro in Genf stattfinden.