Durchbruch für die Männergesundheit: WHO und Fachwelt leiten Ausarbeitung einer Strategie und eines Berichts ein

Åsa Nihlen

Erstmalig nimmt die WHO eine Strategie in Angriff, die sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Männern und Jungen konzentriert. Eine Gruppe von Fachleuten unterschiedlicher Bereiche mit Bezug zur Gesundheit von Männern kam am 5. September 2017 in Kopenhagen zur UN City, um die Ausarbeitung dieser Strategie für die Europäische Region auf den Weg zu bringen.

Sie wird sich auf einen Sachstandsbericht über Erkenntnisse stützen zu Themen wie vorzeitige Sterblichkeit, Schnittstellen zwischen maskulinen Rollen und realen Ungleichheiten, Angebote des Gesundheitssystems für Männer im gesamten Lebensverlauf und Beiträge von Männern zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in Bezug auf Gesundheit. Der Bericht wird einen Rahmen für die Ausrichtung und Gestaltung länderspezifischer Konzepte zur Verbesserung der Gesundheit von Männern abgeben.

Zur Eröffnung der Fachtagung sagte Dr. Piroska Östlin, Direktorin der Abteilung Politikgestaltung und -steuerung für Gesundheit und Wohlbefinden beim Regionalbüro für Europa: „Mit dieser Arbeit betritt die WHO Neuland. Wir hoffen, dass unsere Arbeit hier in der Europäischen Region auch die globale Ebene inspirieren wird.“

Wachsende Aufmerksamkeit und steigende Nachfrage nach neuen Konzepten für Gesundheit der Männer

Wie Dr. Gauden Galea, Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung beim Regionalbüro, betonte, ist eine hohe Frühsterblichkeit unter Männern im erwerbsfähigen Alter im Osten der Region schon so lange zu beobachten, dass manche Länder begannen, sie für unabänderlich zu halten.

Dabei könne die überhöhte Sterblichkeit durch gezielte Maßnahmen verringert werden, was eine der Gründe für diese Initiative sei. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Konzepten und Aktionen gestiegen, durch die Männer für die Transformation von Rollen und Normen gewonnen und die Gleichstellung der Geschlechter vorangebracht werden sollen. Immer mehr deutet sogar darauf hin, dass sich geschlechtsspezifische Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von Männern nicht nur positiv auf die Gesundheit von Männern, sondern auch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen und Kindern auswirken.

Vor diesem Hintergrund berieten die Fachleute darüber, wie sie das Regionalbüro bei der Ausarbeitung des Berichts anleiten und unterstützen können. Die Zusammenkunft verfolgte vier Ziele:

  • Erörterung der Rückmeldungen zu Rahmen und Skizze des Berichts zur Männergesundheit;
  • Aufzeigen von Lücken für die Erkenntnisgewinnstrategie;
  • Aufzeigen von Forschungs- und Entwicklungsstand in der Region, der die
    Erarbeitung von Bericht und Strategie befördern kann;
  • Empfehlungen für die Datenerhebung, Forschung und Maßnahmen für Gesundheit und Wohlbefinden der Männer in den kommenden zehn Jahren.

Ein einzigartiges Herangehen an die Männergesundheit

Bericht und Strategie sollen auf der 68. Tagung des Regionalkomitees im September 2018 vorgelegt werden. Sie sollen ein einzigartiges Herangehen an die Gesundheit von Männern begründen und zwei Handlungsbereiche miteinander verknüpfen: die Bewältigung männerspezifischer Herausforderungen und zugleich die Beteiligung am Gleichstellungsdialog. Beide Bereiche haben durch die Annahme der Agenda 2030 Unterstützung erhalten, insbesondere durch die Arbeit zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung 3 (Gesundheit und Wohlbefinden), 5 (Gleichstellung der Geschlechter) und 10 (Abbau von Ungleichheiten).

Nach Veröffentlichung des Berichts „Gesundheit und Wohlbefinden von Frauen in der Europäischen Region: jenseits des Mortalitätsvorteils“ nahmen die Mitgliedstaaten auf dem Regionalkomitee 2016 eine Strategie für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen und einen Aktionsplan zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit an. Diese Dokumente bilden auch eine Grundlage dafür, die Bedeutung der Männer für das Erreichen der Gleichstellung der Geschlechter und die Notwendigkeit der Bewältigung der Auswirkungen maskuliner Rollen und sozioökonomischer Determinanten für die Männergesundheit zu beleuchten.

Die auf der Fachtagung begonnene Arbeit wird den nächsten logischen Schritt in diesem wichtigen Gebiet prägen und zu einer Strategie führen, die sich konkret auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Männern und auf ihre Rolle in der Förderung der Gleichstellung der Geschlechter richtet.

Ein Teilnehmer sagte: „Dies ist ein Durchbruch für die Männergesundheit, auf den viele von uns lange gewartet und für den sie sich seit Jahren eingesetzt haben.“