Niemanden zurücklassen bei der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Ein Viertel aller Frauen in der Europäischen Region der WHO erleben körperliche bzw. sexuelle Gewalt durch einen Intimpartner – weltweit die häufigste Art von Gewalt gegen Frauen. Am 25. November, dem ersten Tag der globalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, veröffentlicht die WHO ein Handbuch, das Anleitungen zur Stärkung von Maßnahmen der Gesundheitssysteme zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gibt.

„Gewalt gegen Frauen darf in keiner Gesellschaft geduldet werden“, sagt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Die Beseitigung von Gewalt erfordert entschlossene Anstrengungen zur Förderung von Gleichheit zwischen den Geschlechtern, die Infragestellung geschlechtsspezifischer Vorurteile und eine engagierte Arbeit mit Frauen und Mädchen – nicht nur als Opfer von Gewalt, sondern auch als befähigte Akteurinnen des Wandels. Dies wurde im vergangenen Jahr von allen Mitgliedstaaten in der Europäischen Region durch die Annahme der Strategie zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Frauen in der Europäischen Region der WHO bestätigt.“

25,4% der Frauen in der Europäischen Region sind irgendwann im Laufe ihres Lebens körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beidem) durch einen Intimpartner ausgesetzt; 5,2% erleben sexuelle Gewalt von einer anderen Person als ihrem Partner; dies geht aus dem WHO-Bericht über Schätzungen zum Ausmaß von Gewalt gegen Frauen weltweit und in der Europäischen Region der WHO hervor.

Das Motto der diesjährigen Kampagne lautet „Niemanden zurücklassen bei der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“. Zwar kommt Gewalt gegen Intimpartner in allen sozialen Gruppen vor, doch sind Migrantinnen und Frauen aus ethnischen Minderheiten anfälliger und benötigen daher von den Gesundheitssystemen ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit. Mädchen und Frauen, die sich auf dem Weg nach Europa befinden oder innerhalb Europas unterwegs sind, stehen aufgrund geschlechtsspezifischer Normen und Diskriminierung vor besonderen Risiken und Herausforderungen. Dazu zählen die Gefahr, sexuelle Gewalt zu erleben, Probleme beim Zugang zur Gesundheitsversorgung aber auch Rechts- und Sozialsysteme, die ihre Rechte nicht ausreichend achten, schützen und verwirklichen.

Neues Handbuch der WHO für Führungskräfte im Gesundheitssystem

Das jüngst veröffentlichte Handbuch der WHO mit dem Titel Stärkung der Gesundheitssysteme zur Versorgung von Frauen, die Gewalt durch Intimpartner oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind enthält praktische Tipps für die Führungskräfte in den Gesundheitssystemen, wie Gesundheitsfachkräfte beim Umgang mit Fällen von Gewalt gegen Frauen unterstützt und wie Angebote für Gewaltopfer eingerichtet, geführt und überwacht werden können. Das Handbuch dient zur Ergänzung der Publikation Gesundheitsversorgung für Frauen, die Gewalt durch Intimpartner oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind: Ein klinisches Handbuch, die sich direkt an die Anbieter von Gesundheitsleistungen richtet, indem sie ihnen Empfehlungen für den Umgang mit Gewaltopfern und deren Behandlung gibt. Beide Publikationen basieren auf den Leitlinien der WHO für wirksame Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen Gewalt an Frauen.