Migration und öffentliche Gesundheit auf der Tagesordnung einer informellen Zusammenkunft europäischer Gesundheitsminister

Ministry of Health, Greece

WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab mit dem griechischen Gesundheitsminister Spyridon-Adonis Georgiadis, der das informelle Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen leitete

Die WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab nahm an einer informellen Zusammenkunft von Gesundheitsministern und hochrangigen Beamten aus Ländern der Europäischen Union (EU) teil, auf deren Tagesordnung die Themen Migration und öffentliche Gesundheit sowie Wirtschaftskrise und Gesundheitsfürsorge standen und die aufgrund der griechischen EU-Ratspräsidentschaft am 28. und 29. April in Athen stattfand.

Migration und öffentliche Gesundheit

Migration sorgt für einen großen Teil des Bevölkerungswachstums in der EU und Europäischen Region der WHO. 2008 nahm die Weltgesundheitsversammlung eine Resolution zur Gesundheit von Migranten an, in der die Notwendigkeit sensibler Konzepte und Systeme sowie eines chancengleichen Zugangs zu den Gesundheitseinrichtungen für Migranten anerkannt wurde. Die Minister würdigten während ihres Treffens in Griechenland die vielfachen Herausforderungen, mit denen sich die Staaten und Gesundheitssysteme bei der Lösung dieser Aufgabe konfrontiert sehen, auch weil das Gesundheitsprofil der Migranten sich oft von dem der ansässigen Bevölkerung unterscheidet, sowie die Notwendigkeit, dieser anfälligen Gruppe den Zugang zu den Gesundheitseinrichtungen zu ermöglichen und hierbei ressort- und grenzübergreifend zusammenzuarbeiten.

Die Regionaldirektorin erläuterte gegenüber den Ministern, wie das WHO-Projekt PHAME (Public Health Aspects of Migration in EUROPE) 2011 mit Unterstützung des italienischen Gesundheitsministeriums aufgelegt worden sei mit dem Ziel, die südlichen Mitgliedstaaten und Anrainer des Mittelmeers in der Bewältigung ihrer gesundheitspolitischen Aufgaben zu unterstützen. Seither habe die WHO gemeinsam mit Griechenland, Italien, Malta, Portugal, Spanien und Zypern im Bereich Migration und öffentliche Gesundheit gearbeitet und Bewertungsmissionen in Italien, Malta und Portugal durchgeführt. Das Regionalbüro werde auch eine Fachinformationssitzung zu diesem Thema während der Tagung des Regionalkomitees im September diesen Jahres durchführen. In Übereinstimmung mit „Gesundheit 2020“, dem Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden, wolle die WHO die Mitgliedstaaten weiter darin unterstützen, evidenzbasierte Konzepte zum Schutz der Gesundheit der Migranten zu entwickeln.

Die Minister vereinbarten im Rahmen des Gesundheitssicherheitsausschusses der EU eine Arbeitsgruppe einzusetzen, der die Möglichkeit freiwilliger Leitlinien für Untersuchungen und Impfungen erkunden solle. Die WHO wird sich daran beteiligen und kann mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) ein wichtiges Instrument bereitstellen.

Wirtschaftskrise und Gesundheitsversorgung

Die Minister stellten fest, die neue wirtschaftliche Lage in Europa erfordere, dass die Gesundheitssysteme sich anpassen und widerstandsfähiger werden.

Die Regionaldirektorin erklärte, das Regionalbüro habe seit Ausbrechen der Wirtschaftskrise Erkenntnisse über deren Wirkung gesammelt und konzeptionelle Empfehlungen erarbeitet. Es habe seine fachliche Unterstützung für Länder wie Griechenland, Irland, Malta, Portugal und Zypern ausgeweitet. Außerdem entwickle das Regionalbüro derzeit ein Instrument zur kontinuierlichen Beobachtung und frühen Aufdeckung potenzieller Folgen der Krise für die Gesundheit, ihre Determinanten und die Gesundheitssysteme insgesamt. Die Indikatoren für dieses Beobachtungsinstrument seien bereits vereinbart worden, so dass eine Erprobung im Laufe des Jahres in Angriff genommen werden könne. 

Die Erfahrung früherer Krisen zeige, dass ein Zugang zu hochwertigen Einrichtungen gesichert werden könne, wenn bereits gute Konzepte für eine allgemeine Versorgung bestünden. Gerade in Krisenzeiten seien unbegrenzte Effizienzsteigerungen aber nicht möglich. Wesentlich seien eine robuste Sozialpolitik zur Unterstützung der finanziellen Sicherheit, eine solide Haushaltspolitik zur Gewährleistung angemessener Sozialausgaben und eine moderne Gesundheitspolitik zum Schutz des Leistungszugangs sowie eine starke Führung, die sich für Investitionen in die Gesundheit in Zeiten der Krise einsetze.

Die WHO werbe für eine allgemeine Gesundheitsversorgung, durch die Nachhaltigkeit, der Zugang zu Versorgung und finanzieller Risikoschutz miteinander verknüpft würden, und empfehle dies auch als Element der Entwicklungsagenda nach 2015. Die Sicherung des chancengleichen Zugangs zur Gesundheitsversorgung und die Verhinderung unverhältnismäßiger Auswirkungen von Wirtschaftskrisen auf benachteiligte Gruppen sei zudem ein zentrales Element von „Gesundheit 2020“.