Nahrungsmittel-, Wasser- und Gesundheitsversorgung: WHO überprüft die Grundversorgung der Flüchtlinge auf ihrem Weg durch Serbien

WHO/Zoran Dukic

Der Grenzübergang Bapska zwischen Serbien und Kroatien gehört zu den Bereichen, in denen die WHO in jüngster Zeit die Grundversorgung der Flüchtlinge überprüft hat.

Gegenwärtig wird Serbien von einer großen Zahl von Flüchtlingen und Migranten in Bussen durchquert. Diese starten im Raum Preševo im Süden des Landes und fahren bis in die Stadt Sid im Nordwesten, von wo die Menschen die Grenzübergänge Tovarnik oder Bapska nach Kroatien überqueren. In jüngster Zeit kommen täglich bis zu 2000 Flüchtlinge und Migranten durch die Stadt Sid.

Das WHO-Länderbüro in Serbien arbeitet mit den nationalen und kommunalen Behörden zusammen und unterstützt nichtstaatliche Organisationen, indem es in Bezug auf die medizinische Grundversorgung und die Verteilung medizinischer Hilfsgüter berät. 

Vergangene Woche besuchte die Leiterin des Länderbüros zusammen mit dem Abteilungsleiter für öffentliche Gesundheit und dem Leiter des Referats für öffentliche Gesundheit beim Gesundheitsministerium mehrere Aufnahmezentren und Gesundheitseinrichtungen in Serbien, um das Angebot an Gesundheitsleistungen für die das Land durchquerenden Flüchtlinge und Migranten zu bewerten bzw. zu koordinieren.

Überwachung der Gesundheitssituation durch das Gesundheitsamt 

Die Gesundheitssituation im Nordwesten Serbiens wird täglich vom Gesundheitsamt in Sremska Mitrovica überwacht. Die epidemiologischen Überwachungssysteme arbeiten rund um die Uhr, und das Gesundheitsamt gehört zu dem örtlichen Krisenstab, in dem die Aktivitäten zwischen den beteiligten Partnern, wie dem Flüchtlingskommissariat, dem Serbischen Roten Kreuz, dem Innenministerium und den zuständigen Kommunalbehörden, abgestimmt werden.

Die WHO unterstützt das Gesundheitsministerium und die örtlichen Gesundheitsbehörden dabei, die Gesundheitsversorgung mit den nichtstaatlichen Organisationen zu koordinieren.

Gesundheitsversorgung vor Ort

Für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge und Migranten sind ein Arzt, eine Krankenschwester und ein Epidemiologe aus dem Gesundheitszentrum in Sid verantwortlich, und nachts steht ein Team aus der Notaufnahme bereit. Diese Teams handeln im Auftrag von Mitarbeitern des Flüchtlingskommissariats, die immer vor Ort präsent sind. Die Koordination und die Kommunikation funktionieren gut, und in den vergangenen sieben Tagen wurden insgesamt 170 Interventionen durchgeführt, bei denen ein breites Spektrum von Gesundheitsproblemen wie Erschöpfung, Verletzungen und Atemwegsinfektionen behandelt wurde. 

Während des Besuchs verteilte die WHO medizinische Hilfsgüter für die Behandlung von Verletzungen sowie Spritzen und Nadeln an das Gesundheitsamt und an das Gesundheitszentrum in Sid und ist derzeit dabei, weitere Hilfsgüter und Medikamente zu beschaffen.
Die serbischen Behörden haben auch ein stillgelegtes Krankenhaus in Principovac in ein Aufnahmezentrum für bis zu 250 Flüchtlinge verwandelt, die ausruhen und medizinisch versorgt werden müssen. Das medizinische Team aus einem Arzt, zwei Krankenschwestern und einem Psychologen arbeitet mit nichtstaatlichen Organisationen wie dem International Aid Network und dem International Medical Corps sowie mit dem Gesundheitszentrum in Sid zusammen.

An den Grenzübergängen in Tovarnik und Bapska wird die Grundversorgung durch das UNHCR, das Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen und den Dänischen Flüchtlingsrat bereitgestellt. Die kommunalen Gesundheitseinrichtungen wachen über die Arbeit der nichtstaatlichen Organisationen und stimmen sich mit ihnen ab.

Beratung für die Ernährung der Kinder unter den Flüchtlingen

Ein gesondertes Expertenteam von WHO und UNICEF hat in jüngster Zeit mehrere Aufnahmezentren für Flüchtlinge in Serbien besucht, um den dort bestehenden Bedarf zu bestimmen und den nationalen Gesundheitsbehörden Empfehlungen und Leitlinien an die Hand zu geben. Es ist vorgesehen, Schulungen für Gesundheitsexperten zwecks Stärkung der Fachkompetenz im Bereich migrationsbedingter Ernährungsprobleme durchzuführen und entsprechende Grundsatzpapiere zu erstellen. 

Eine unzureichende Ernährung kann die Anfälligkeit für übertragbare wie nichtübertragbare Krankheiten erhöhen; dies gilt insbesondere für ältere Menschen und Kinder. Für Säuglinge sollte sogar in Notsituationen das Ziel darin bestehen, ein Umfeld zu schaffen bzw. aufrechtzuerhalten, in dem ein regelmäßiges Stillen von Kindern bis zum Alter von zwei Jahren möglich ist.

Aktueller Bedarf und künftige Ausrichtung

Für das Gesundheitszentrum in Sid werden zusätzliche Medikamente und ein Krankenwagen, für das Aufnahmezentrum in Principovac eine mobile Klinik benötigt.

Weitere gezielte Anstrengungen und Vorbereitungen sind erforderlich, um die in der bevorstehenden kalten Jahreszeit zu erwartenden akuten Atemwegserkrankungen (z. B. Grippe) behandeln zu können.

Die WHO wird das serbische Gesundheitsministerium auch weiterhin bei der Koordinierung der Gesundheitsmaßnahmen zur Bewältigung des großen Zustroms von Migranten unterstützen.