WHO-Regionalbüro für Europa und ungarisches Gesundheitsministerium führen gemeinsame Mission zur Bewertung der gesundheitlichen Situation der Flüchtlinge und Migranten in Ungarn durch

WHO/Sara Barragán Montes

Das WHO-Regionalbüro für Europa und das ungarische Gesundheitsministerium haben auf einer gemeinsamen Bewertungsmission vom 12. bis 16. Oktober 2015 die Auswirkungen des großen Zustroms von Flüchtlingen und Migranten auf die öffentliche Gesundheit und die Fähigkeit des örtlichen Gesundheitssystems zu ihrer Bewältigung untersucht. Die Mission beinhaltete Zusammentreffen und Gespräche mit Entscheidungsträgern und Experten auf nationaler und subnationaler Ebene sowie mit Vertretern nichtstaatlicher Organisationen. Dabei standen Besuche der Flüchtlingslager in Bicske und Kiskunhalas, des Kinderheims in Fót, der Familienunterkünfte der Baptist Aid und der Transitzonen in Röszke und Szeged auf dem Programm. In Kürze soll ein gemeinsamer Bewertungsbericht veröffentlicht werden, der die wichtigsten Ergebnisse der Mission sowie eine Reihe von Empfehlungen zu Bereichen für eine mögliche Zusammenarbeit zur Stärkung der Gesundheitsschutzmaßnahmen und der entsprechenden Kapazitäten enthalten wird.

Seit 2011 hat die wachsende Instabilität in verschiedenen Ländern des Mittleren Ostens und Afrikas zu großen Zahlen von Flüchtlingen und Migranten geführt, von denen viele in Ungarn ankommen. Nach Angaben des UNHCR wurden 2008 in dem Land 3118 Asylanträge gestellt, während in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 über 175 000 Anträge registriert wurden. Aufgrund des Baus von Grenzzäunen ist die Zahl der Einreisen in den letzten Wochen gesunken.

Anpassung an die Diversität – auf dem Weg zu migrantensensiblen Gesundheitssystemen

An der Bewältigung der durch die Flüchtlings- und Migrantenströme bedingten Krise sind zahlreiche Ressorts der ungarischen Regierung beteiligt, wobei die Federführung beim Innenministerium liegt. Das Gesundheitswesen auf der nationalen und subnationalen Ebene arbeitet mit Vertretern des Ministeriums sowie mit den Gesundheitsabteilungen der Polizei und der Streitkräfte zusammen.

Der rapide Anstieg der Zahl der Menschen, die ins Land strömen, übersteigt die Kapazitäten des Gesundheitssystems und seiner Beschäftigten. Doch Daten aus den vergangenen Monaten bestätigen, dass die öffentliche Gesundheit und die epidemiologische Situation stabil sind und es durch den Zustrom zu keiner größeren Einschleppung übertragbarer Krankheiten gekommen ist. Die meisten Flüchtlinge und Migranten bleiben nur einige Stunden oder Tage in Ungarn. Dies führt zu Schwierigkeiten bei der Impfung und bei der Behandlung chronischer oder anderer Krankheiten. Als wichtigste informelle Hindernisse für einen Zugang der Flüchtlinge und Migranten zur Gesundheitsversorgung wurden die Kommunikation und kulturelle Unterschiede genannt. Deshalb sollten die Gesundheitssysteme sich angemessen auf die konkreten und vielfältigen Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerungsgruppen einstellen.