WHO-Regionalbüro für Europa bekräftigt zum Weltflüchtlingstag seine Unterstützung für Flüchtlinge

WHO/Matteo Dembech

Wir leben in einer zunehmend globalisierten Welt, in der die Gesamtzahl der grenzüberschreitenden Migranten und Flüchtlinge rapide steigt. Heute leben nach Schätzungen allein in der Europäischen Region ca. 75 Mio. grenzüberschreitende Migranten; dies entspricht etwa einem Drittel aller grenzüberschreitenden Migranten weltweit. Neben diesem langfristigen Phänomen, das durch zunehmende globale Ungleichheiten noch verschärft wird, hat sich auch die Zahl der Menschen, die vor Konflikten und Kriegen auf der Flucht sind, in den letzten Jahren dramatisch erhöht. In der Europäischen Region wird die akute Wirkung dieses Prozesses deutlich sichtbar: Denn allein im Laufe des Jahres 2015 sind über eine Million Flüchtlinge und Migranten in den Ländern der Europäischen Region angekommen, und in den ersten fünf Monaten des Jahres 2016 sind noch einmal mehr als 200 000 an den Küsten und Grenzen Europas eingetroffen. 

Zum Weltflüchtlingstag erklärt UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon: „Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich. Sie führen ein ganz normales Leben, bevor sie vertrieben werden, und ihr größter Traum besteht darin, wieder ein ebenso normales Leben führen zu können. ... Wir müssen uns unserer gemeinsamen Humanität besinnen, Toleranz üben und Diversität praktizieren und unsere Herzen für die Flüchtlinge in aller Welt zu öffnen." An diesem Tag bekräftigt das WHO-Regionalbüro für Europa seine Unterstützung für die Flüchtlinge innerhalb der Europäischen Region wie auch weltweit.

Strategie und Aktionsplan für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region der WHO

Auch wenn die Migration eine Vielzahl positiver Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, wie etwa ökonomische und beschäftigungsmäßige Vorteile, so hat doch der große Zustrom von Menschen aus Ländern der WHO-Regionen Afrika und Östlicher Mittelmeerraum zu einer Reihe von Herausforderungen geführt, die Anpassungsmaßnahmen in den Gesundheitssystemen und in den öffentlichen Gesundheitsdiensten erforderlich machen.

Auf Wunsch der Mitgliedstaaten arbeitet das Regionalbüro für Europa gegenwärtig eine Strategie und einen Aktionsplan für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region aus, bei denen es aus den Erfahrungen des Programms Migration und Gesundheit schöpft. Sie streben eine kohärente Reaktion der Europäischen Region auf den Zustrom von Flüchtlingen und Migranten an. Im Mittelpunkt stehen dabei die strategischen Handlungsfelder und die vorrangigen Maßnahmen zur Bewältigung der durch die Migration bedingten Herausforderungen für Bevölkerungsgesundheit und Gesundheitssysteme. Das Dokument basiert auf den Grundsätzen und Werten des Europäischen Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020", der Resolution WHA 61.17 der Weltgesundheitsversammlung über die Gesundheit von Migranten und der vor kurzem verabschiedeten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die Strategie und der Aktionsplan werden dem WHO-Regionalkomitee für Europa im September 2016 zusammen mit einer Resolution zur Annahme vorgelegt.

Verstärkte Gewinnung von Evidenz über die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten

Der Europäischen Region fehlen zuverlässige und vergleichbare Daten über Migrationsmuster und -trends. Um die Evidenz in Bezug auf Migration und Gesundheit zu erweitern und zu verbessern, veröffentlicht das Regionalbüro in Zusammenarbeit mit einigen Universitäten in der Europäischen Region eine Serie von Berichten des Health Evidence Network (HEN), die darauf abzielen, die vorhandene Evidenz über Migration und Gesundheit zusammenzustellen und aufzubereiten. Diese sollen als Evidenzgrundlage für die Ausarbeitung der Strategie und des Aktionsplans für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region dienen.

Dort, wo aussagekräftige Zahlen vorliegen, deuten sie in der Regel darauf hin, dass Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten oft schlechtere gesundheitliche Resultate erzielen und teilweise auch erhöhte Säuglingssterblichkeitsraten aufweisen. Migranten stellen einen hohen Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung in niedrig bezahlten Berufen und stehen häufiger in weniger sicheren und zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen. Dies kann zu sozialer Ausgrenzung, Depressionen und dem frühzeitigen Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. In Bezug auf den Gesundheitsstatus treten deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zutage: So sind Frauen häufiger sexueller Gewalt, Missbrauch und Menschenhandel ausgesetzt und tragen zusätzlich die Risiken in Verbindung mit Schwangerschaft und Entbindung, insbesondere wenn sie dabei keine ärztliche Hilfe erhalten. Zu den besonderen Risikofaktoren für Männer zählen Unfälle, hohe körperliche Belastung und andere berufsbedingte Gefahren. Es gibt auch Indizien dafür, dass Flüchtlinge und Migranten einer höheren psychischen Belastung ausgesetzt sind; als Risikofaktoren gelten weibliches Geschlecht, Alter und Traumaerfahrungen. 

Die Berichte des HEN enthalten jeweils eine Untersuchung von Konzepten und Interventionen, die zur Verringerung von Ungleichheiten in Bezug auf den Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Qualität dieser Versorgung beitragen sollen. Die Links zu den drei veröffentlichten Berichten sind nachstehend aufgeführt.