Regionaldirektorin besucht Trapani, den Ankunftsort der Migranten in Sizilien

Am 14. und 15. November 2016 besuchte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, die italienische Region Sizilien, um das erste Europäische Wissenszentrum für Migration und Gesundheit zu eröffnen. Im Rahmen ihres Besuchs hatte sie die Gelegenheit zu einer Besichtigung des Hotspots im Hafen von Trapani, wo etwa 10% aller Flüchtlinge und Migranten in Italien ankommen. Dabei traf sie mit Vertretern der örtlichen Behörden, des Gesundheitspersonals und der anderen Einsatzkräfte zusammen, die vor Ort mit der Bewältigung des großen Zustroms von Flüchtlingen und Migranten auf die Insel beschäftigt sind.

Sizilien ist schon seit Jahrzehnten Fluchtpunkt für eine große Anzahl von Migranten, doch die Zahl der Neuankömmlinge auf der Insel stieg 2011 infolge der Konflikte und Unruhen nach den politischen Umwälzungen des sog. „Arabischen Frühlings“ sprunghaft an. 2015 ging die Zahl der in Sizilien ankommenden Flüchtlinge und Migranten leicht zurück, nachdem weitere Migrationsrouten nach Europa eröffnet worden waren. Doch 2016 stieg die Gesamtzahl der Neuankömmlinge wieder an: seit Jahresbeginn sind mehr als 176 000 Personen auf dem Seeweg nach Italien gekommen. 2016 war das bisher verhängnisvollste Jahr auf dem Mittelmeer: insgesamt wurden über 4700 Menschen tot geborgen oder gelten als auf See vermisst; 2015 belief sich die Zahl auf 3771.

Viele der von Schiffen auf dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge und Migranten wurden in den Hafen von Trapani gebracht. Dr. Jakab traf auch mit Vertretern der Küstenwache und der Marine zusammen, die für die Such- und Rettungsaktionen rund um Sizilien zuständig sind.

Sobald ein Schiff im Hafen angekommen ist, führen medizinische Teams bei den Flüchtlingen und Migranten umgehend eine erste Triage durch. Viele von ihnen leiden an Unterkühlung, Dehydrierung oder Verbrennungen infolge des Kontakts mit Treibstoff. All jene, die eine sofortige medizinische Versorgung benötigen, werden in ein Krankenhaus gebracht. Andere werden in ein Aufnahmelager – einen sog. „Hotspot“ – in Trapani verlegt. Dort verbringen sie durchschnittlich drei Tage, bevor sie an einen anderen Ort verbracht werden.

Im Rahmen ihres Besuchs hatte Dr. Jakab die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen mit den im Hafen von Trapani tätigen Ärzteteams und nichtstaatlichen Organisationen sowie zu einem Gespräch mit dem Leiter des Aufnahmezentrums und den dort tätigen nichtstaatlichen Organisationen. Weiterhin traf sie in der Präfektur von Trapani auch mit Vertretern der örtlichen Behörden zusammen. Am Tag vor dem Treffen waren 800 Menschen in Trapani angekommen. Eine solche Situation wäre früher als Notfall eingestuft worden, aber in Trapani wurden die Kapazitäten so weit erhöht, dass dies mittlerweile als Normalsituation behandelt wird.

Reaktion der sizilianischen Gesundheitsbehörden auf die Migration

Das WHO-Regionalbüro für Europa arbeitet seit 2011 zusammen mit den regionalen Gesundheitsbehörden in Sizilien intensiv darauf hin, zur Gestaltung und Optimierung der Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens auf die Migration beizutragen. Ein gemeinsam mit den Regionalbüro entwickelter regionaler Notfallplan trat 2014 in Kraft. Darin werden klare Verfahren für eine Erhöhung der Effizienz der logistischen, finanziellen und humanitären Maßnahmen zur Bewältigung des Zustroms von Flüchtlingen und Migranten festgelegt. Derzeit führen das italienische Gesundheitsministerium und die sizilianischen Gesundheitsbehörden mit fachlicher Unterstützung durch das WHO-Regionalbüro für Europa eine Überarbeitung dieses Notfallplans im Lichte der seitdem eingetretenen Veränderungen vor Ort durch.