Unterstützung syrischer Flüchtlinge in der Türkei durch benötige Gesundheitsleistungen und entsprechende Orientierungshilfe

WHO/Ozge Bayram

Nach Jahren des Konflikts ist das syrische Gesundheitssystem am Boden und Patienten mit chronischen Krankheiten haben mit der Unterbrechung ihrer dringend benötigten Behandlung zu kämpfen. In Aleppo musste Mohammed verzweifelt mit ansehen, wie seine Tochter Vale vergeblich auf eine Bluttransfusion wartete, die sie zur Behandlung ihrer Thalassämie benötigt – eine besonders häufig in Syrien und anderen Teilen des Nahen Ostens auftretende erbliche Blutkrankheit. „Vor dem Krieg wurde Vale in einem lokalen Krankenhaus behandelt“, erläutert Mohammed. „Als der Krieg ausbrach, hatte sie keinen Zugang mehr zu dieser Leistung. Einige Monate lang erhielt sie keine Bluttransfusion mehr. Ich hatte große Angst um sie.“

Als die Familie in die Türkei flüchtete, ließen sie sich zunächst in Hatay, einer Stadt im Süden des Landes, nieder. Doch noch immer wusste Mohammed nicht, wo seine Tochter die nötige Behandlung bekommen konnte. „Wir sprachen kein Türkisch, daher wussten wir nicht, dass Arzneimittel in der Türkei kostenlos sind. Ich lieh mir Geld von unseren Nachbarn, um mir die Medikamente aus Syrien schicken zu lassen“, erklärt er. „Doch ich konnte nicht genügend bekommen, daher musste Vale die Medikamente rationieren – eine 1-Monats-Packung musste für 2 Monate reichen.“

Syrische Gesundheitsfachkräfte ermöglichen ihren Landsleuten den Zugang zur Gesundheitsversorgung

Nachdem sie einige Zeit in Hatay gelebt hatten, zog Mohammed mit seiner Familie nach Ankara. „Die Nachbarn erzählten uns von einem nahe gelegenen Gesundheitszentrum, wo man Vale helfen könne“, erinnert er sich. Als die Familie das von der WHO unterstützte Ausbildungszentrum für die Gesundheit von Flüchtlingen besuchte, wurde sie schnell an eine Kinderärztin überwiesen.

Dr. Ahlam, die vor dem Krieg in einem Forschungszentrum für hämolytische Bluterkrankungen gearbeitet hatte, handelte schnell. Sie überwies Vale an ein Krankenhaus, wo sie nun jeden Monat Bluttransfusionen und die entsprechende Gesundheitsversorgung von Gesundheitsfachkräften erhält. „Ich werde von den Kollegen im Krankenhaus kontinuierlich über ihren Gesundheitszustand informiert und überwache ihre Zustand selbst im Zentrum“, sagt Dr. Ahlam.

Dr. Ahlam, die bereits seit zwei Jahren in dem Zentrum arbeitet, ist eine von 1200 syrischen Ärzten, die von der WHO ausgebildet wurden, um im türkischen Gesundheitssystem zu arbeiten und ihren Landsleuten kultursensible Gesundheitsleistungen in deren Muttersprache anbieten zu können. Die WHO unterstützt das türkische Gesundheitsministerium durch die Ausbildung dieser Gesundheitsfachkräfte, um so Sprach- und Kulturbarrieren abzubauen, denen sich Flüchtlinge gegenübersehen, wenn sie versuchen, Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erhalten. Diese Intervention trägt dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der syrischen Gemeinschaft in der Türkei zu erhöhen und gleichzeitig ein flüchtlingssensibles Gesundheitssystem zu stärken.

Sozialarbeiter bieten kontinuierlich Orientierungshilfe und Unterstützung

Als sie sich beim Zentrum registrieren ließen, wurde Mohammed und seiner Familie auch eine Sozialarbeiterin zugewiesen, um ihre Situation zu beurteilen. Zeynep begrüßte sie auf Arabisch und bot ihnen allgemeine Orientierungshilfe. „Zu Beginn besuchte sie uns fast jeden Tag. Sie half uns, uns registrieren zu lassen, um zusätzliche Hilfe zu bekommen, sie begleitete uns in die Krankenhäuser und erläuterte uns alles in unserer eigenen Sprache“, erklärt Mohammed.

Die WHO beschäftigt in jedem der sieben Ausbildungszentren für die Gesundheit von Flüchtlingen Sozialarbeiter, die syrischen Familien ebenso wie den Gesundheitsteams zusätzliche Unterstützung bieten. Sie identifizieren Risiken und kümmern sich um die verschiedenen Bedürfnisse, indem sie die Flüchtlinge im Rahmen umfassender Sofortmaßnahmen an entsprechende Sozial-, Rechts- und Schutzdienste verweisen. Sozialarbeiter wie Zeynep spielen eine wichtige Rolle, um Brücken zu schlagen zwischen dem Gesundheitszentrum und der Gemeinschaft. „Ich fühle mich sehr wohl mit Zeynep. Sie hat meiner Tochter und meiner Familie so sehr geholfen. Wann immer ein Problem auftritt, wende ich mich an sie“, sagt Mohammed.

Das Gesundheitsprogramm für Flüchtlinge wird derzeit durch großzügige Beiträge aus Deutschland (durch die KfW Entwicklungsbank), des Regionalen Treuhandfonds der Europäischen Union als Reaktion auf die Syrien-Krise, des Büros für Bevölkerungsfragen, Flüchtlinge und Migration (Bureau of Population, Refugees, and Migration) des US-amerikanischen Außenministeriums sowie der Regierung Japans unterstützt.