Gesundheitsförderung: Von der Ottawa-Charta bis zu Gesundheit 2020

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Gesundheitsförderung ist ein Prozess, der den Menschen mehr Entscheidungen über ihre Gesundheit ermöglicht und dadurch die Gesundheit verbessern kann. Experten und Politiker aus der ganzen Welt kamen vom 10. bis 14. Juni 2013 in Helsinki (Finnland) zur 8. Globalen Konferenz zur Gesundheitsförderung zusammen, um über Fortschritte zu beraten und Gesundheitsförderung in jeden Bereich von Gesellschaft und Politik zu tragen.

Im Zentrum der Konferenz stehen die praktischen Erfahrungen der Länder und es wird reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch über Modelle und Methoden geben. Am Donnerstag, dem 13. Juni, wurden nationale und subnationale Erfahrungen aus Europa vorgestellt.

Steuern gegen Alkoholkonsum: das Beispiel Finnland

Besteuerung und Verteuerung ist ein Beispiel für einen Ansatz von Gesundheit in allen Politikbereichen, der schädlichen Alkoholkonsum verringert. Viele Länder nutzen die Besteuerung von Bier und Spirituosen und in geringerem Ausmaß Wein zur Reduzierung des Alkoholkonsums und Generierung von Einnahmen.

Vor 2008 unterlag die Preisgestaltung alkoholischer Getränke in Finnland keiner besonderen Regulierung. Danach versuchte Finnland zunächst gesetzlich gegen den Alkoholkonsum vorzugehen, indem es vorschrieb, dass der Bierpreis in Mehrfachpackungen nicht unter dem für einzeln verkauftes Bier liegen durfte. Einzelhandel und Hersteller reagierten, indem sie die Bierpreise senkten und Mehrfachverpackungen in Raten verkauften. Dadurch fiel der Bierpreis im Durchschnitt um 40%, so dass gerade junge Menschen eher Bier kaufen konnten.

Aufgrund dieser Erfahrungen erhöhte die finnische Regierung darauf die Alkoholsteuern viermal in vier Jahren. Dadurch ist der Bierpreis generell gestiegen, das Steueraufkommen ist um 400 Mio. € gewachsen und der Konsum von Alkohol ging insgesamt um 8% zurück. Demnach erscheint Besteuerung als der rationellste Ansatz zur Regulierung der Alkoholpreise.

Wirksame Konzepte zur Verringerung schädlichen Alkoholkonsums erfordern die Zusammenarbeit verschiedener Ressorts und Akteure wie etwa der Ministerien für Justiz, Gesundheit und Verkehr, der Polizei, der Gesundheitsbehörden, der Lokalverwaltungen und der Arbeitsplätze.

Am 13. Juni wurde in Helsinki eine neue Veröffentlichung des Regionalbüros vorgestellt, die einen Lagebericht zu Alkohol und Gesundheit in 35 europäischen Ländern sowie eine Übersicht der Entwicklung des Alkoholkonsums und der sektorübergreifenden Konzepte zu dessen Eindämmung in der Europäischen Region der WHO enthält.

Gesundheitsförderung: Von der Ottawa-Charta bis zu Gesundheit 2020

Bereits 1986 wurde durch die Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung festgestellt, dass die Verantwortung für Gesundheitsförderung nicht nur im Gesundheitssektor liegt und dass sie über gesunde Lebensweisen hinaus auf Wohlbefinden insgesamt zielt, dass sie Gesundheit auf allen Ebenen und in allen Politikbereichen thematisiert und dadurch den Politikern die gesundheitlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen und ihre Verantwortung für Gesundheit verdeutlicht.

Seither hat sich die Erkenntnis verbreitet, dass soziale Faktoren über Gesundheit entscheiden – die Bedingungen unter denen Menschen geboren werden, aufwachsen, leben und älter werden – und dass Gesundheit Bestandteil der Gestaltung von Politik insgesamt sein muss. Heute wird Gesundheit immer mehr als Menschenrecht, als ein Grundelement der globalen Wirtschaft und Sicherheit, ein Mittel zum Erreichen einer gerechten menschlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung und als eigenständiger Wirtschaftsfaktor betrachtet.

Das von den Mitgliedstaaten der Europäischen Region 2012 gebilligte Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ baut auf den Konzepten von Gesundheit in allen Politikbereichen auf und erkennt die Komplexität der aktuellen gesundheitlichen Herausforderungen an. Zwei hervorstechende Ziele sind die Verringerung der gesundheitlichen Kluft samt Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden für alle sowie die Verbesserung von Führung und Teilhabe im Gesundheitsbereich.

Dieser Rahmen kann an die nationalen und lokalen Verhältnisse angepasst werden und die in ihm enthaltenen Werte und Erkenntnisse lassen sich für die Gestaltung von Politik in der Region nutzen. Das Regionalbüro unterstützt die Länder in dieser Arbeit.