Rio+20: Gesundheit von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung der Entwicklungsziele

Die Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (Rio+20) erkennt in ihrem Abschlussdokument die grundlegende Notwendigkeit an, die sozialen und umweltbedingten Determinanten von Gesundheit anzugehen, um eine inklusive, gerechte, wirtschaftlich produktive und gesunde Gesellschaft zu schaffen. Chancengleichheit und Gerechtigkeit sollen das Kernmotto dieser Aufgabe sein, wobei den Armen und Schwächsten besondere Aufmerksamkeit gebührt.

Als Konferenzteilnehmer warben das WHO-Regionalbüro für Europa, die Panamerikanische Gesundheitsorganisation und das WHO-Hauptbüro für den Standpunkt, dass Gesundheit sowohl zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt, als auch davon profitiert.

Die Einbeziehung von Gesundheit in alle Politikbereiche ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung

Durch eine Verringerung der Luft- und Wasserverschmutzung sowie einen Abbau von Verunreinigung durch Chemikalien könnten bis zu 20 Prozent der gesamten Krankheitsbelastung in Europa vermieden werden. Große Chancen für Fortschritte liegen in der Senkung des Konsums und in gesundheitsförderlichen und umweltverträglichen Entwicklungen in den Bereichen Energie, Verkehr, Wohnungswesen, Stadtmanagement und Landwirtschaft sowie im Gesundheitswesen. Nachhaltige Entwicklung verlangt einen neuen Lenkungsansatz im Gesundheitswesen, bei dem die gesundheitliche Dimension in die Entscheidungsprozesse auf allen Gebieten der Politik einfließt.

Gute Gesundheit ist eine Voraussetzung für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele

Eine für alle zugängliche Gesundheitsversorgung ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung; dazu bedarf es eines sektorübergreifenden Ansatzes, der mit einer Stärkung der Gesundheitssysteme insgesamt einhergeht. Ein erschwinglicher Zugang zu Prävention, Behandlung und Betreuung stärkt den Kampf gegen übertragbare Krankheiten wie HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose und nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weiter weltweit zu ernsthafter Sorge Anlass geben, sowie gegen neu auftretende Krankheiten und Herausforderungen, die sich aus dem demografischen Wandel, einschließlich Migration, ergeben.

Gesundheit dient als Maßstab für die Wirkung politischer Maßnahmen auf dem Gebiet der nachhaltigen Entwicklung

Die Fortschritte auf dem Weg zur Verwirklichung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu überwachen erfordert, die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Dimensionen der Politik bewerten zu können. Mit Investitionen in Gesundheit allein können Probleme wie die Staatsverschuldung, die Schwankungen der Nahrungsmittelpreise oder die Auswirkungen des Klimawandels auf die Umwelt nicht gelöst werden. Die Gesundheit der Menschen bleibt jedoch ein wichtiger Maßstab für die Wirkung politischer Maßnahmen in all diesen Bereichen, und diejenigen, die für ein gerechteres, umweltverträglicheres und nachhaltigeres Globalisierungskonzept eintreten, sollten dies uneingeschränkt anerkennen. Gesundheitsergebnisse sind nicht nur leicht zu messen, gesundheitliche Belange betreffen auch jeden unmittelbar, persönlich und in den Gemeinschaften vor Ort.

Die Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (Rio+20)

Die vom 20. bis 22. Juni abgehaltene Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (Rio+20) bot eine besondere Gelegenheit, die untrennbaren Verknüpfungen zwischen der menschlichen Gesundheit und der nachhaltigen Entwicklung anzuerkennen und daraus Nutzen zu ziehen. In der Rio-Erklärung von 1992 über Umwelt und Entwicklung heißt es: „Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur.“ Das bedeutet: Gesunde Menschen sind besser in der Lage zu lernen, wirtschaftlich aktiv zu sein und positive Beiträge zu der Gesellschaft zu leisten, in der sie leben. Umgekehrt ist eine gesunde Umwelt eine Voraussetzung für gute Gesundheit und Wohlbefinden.