Gesundheitssysteme müssen Leistungen an neue Herausforderungen anpassen

World Health Summit

Dr Hans Kluge at World Health Summit, Berlin

Die Erkenntnis, dass nichtübertragbare Krankheiten die größte gesundheitliche Belastung für die Länder der Europäischen Region der WHO darstellen, macht eine Umstellung der Leistungserbringungssysteme auf eine bürgernähere Versorgung erforderlich.

In seiner Rede vor dem Weltgesundheitsgipfel, der vom 21. bis 24. Oktober in Berlin stattfand, schilderte Dr. Hans Kluge, Leiter der Abteilung für Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit beim WHO-Regionalbüro für Europa, wie eine Reihe von Ländern vor dem Hintergrund sinkender Wachstumsraten bei den Gesundheitsausgaben gegenwärtig ihre Gesundheitssysteme auf die epidemieartige Ausbreitung nichtübertragbarer Krankheiten sowie auf die Bevölkerungsalterung einstellten.

So seien Länder wie etwa Litauen und die Republik Moldau dabei, neue Modalitäten für die Finanzierung einzuführen, wonach ein Rückgang der Krankenversicherungsbeiträge aus Erwerbseinkommen automatisch Ausgleichszahlungen aus allgemeinen Steuermitteln zur Folge hat. Dies ermögliche es den Ländern, Leistungen aufrechtzuerhalten und gefährdete Gruppen zu unterstützen, die nicht aus eigener Kraft beitragen können. Lettland habe sowohl Haushaltskürzungen als auch Strukturreformen durchgeführt und neue Schwerpunkte gesetzt: primäre Gesundheitsversorgung, Kostenübernahme für unentbehrliche Arzneimittel und ambulante fachärztliche Versorgung.

Dr. Kluge wies auf die zentrale Bedeutung hin, die Effizienzverbesserungen nicht nur für die Verringerung der negativen Folgen der Finanzkrise, sondern auch für die Sicherung der Akzeptanz künftiger Ausgaben in Politik und Bevölkerung hätten. Zu den Maßnahmen zur Effizienzverbesserung gehörten die Beseitigung wirkungsloser und ungeeigneter Leistungen, die rationellere Verwendung von Arzneimitteln und eine Verlagerung der Ausgaben von den Krankenhäusern hin zur primären Gesundheitsversorgung und zur ambulanten fachärztlichen Versorgung.

Interview über die Wirtschaftskrise

In einem im deutschen Fernsehen ausgestrahlten Interview nach dem Gipfel unterstrich Dr. Kluge, Kostendämpfung im Gesundheitswesen sei nicht die Antwort; vielmehr müssten die Länder Bewährtes erhalten und die Finanzkrise als Chance zur Durchführung längst fälliger Systemreformen nutzen. Bei solchen Reformen sei der Schutz einkommensschwacher und anfälliger Bevölkerungsgruppen von entscheidender Bedeutung und stehe im Einklang mit den sozialen Werten, die in der Charta von Tallinn: „Gesundheitssysteme für Gesundheit und Wohlstand“ wie auch in „Gesundheit 2020“, dem Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden, verankert seien.