Flächendeckende Gesundheitsversorgung: Vom Fachbericht zur globalen Bewegung

WHO/Tina Kiaer

Das Regionalbüro unterstützt Konzepte, die eine nachhaltige flächendeckende Versorgung anstreben. Foto: WHO/Tina Kiaer

Auch wenn in vielen Ländern der Europäischen Region der WHO eine flächendeckende Gesundheitsversorgung besteht, so müssen 19 Millionen Menschen hierfür immer noch aus eigener Tasche zahlen und sechs Millionen von ihnen wurden so bereits in die Verarmung getrieben.

Vielen chronisch kranken Menschen, insbesondere mit geringem Einkommen und anderen Benachteiligungen, wird der Weg zu einer hochwertigen ununterbrochenen Versorgung durch erhebliche Barrieren versperrt. Dadurch verzögert sich oft das Aufsuchen der Einrichtungen und die gesundheitliche Kluft in der gesamten Region weitet sich aus. Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat die flächendeckende Versorgung selbst in leistungsfähigen europäischen Ländern auf eine Belastungsprobe gestellt, in der sich grundlegende Werte wie Chancengleichheit und Solidarität beweisen müssen.

Im November 2010 stellte die WHO den Weltgesundheitsbericht über die Finanzierung von Gesundheitssystemen und den Weg zur flächendeckenden Gesundheitsversorgung vor. Dieser Gedanke hat das globale Gesundheitspublikum beflügelt und zu einem weit gespannten Bündnis aus staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren für mehr Wohlfahrt geführt. In der Europäischen Region ist das Erreichen der flächendeckenden Gesundheitsversorgung eine zentrale Teilstrategie zur Verwirklichung der Ziele von „Gesundheit 2020“.

Wie das Regionalbüro eine flächendeckende Gesundheitsversorgung fördert

Das Regionalbüro bietet den Ländern einen Fächer aus Produkten und Dienstleistungen zur Unterstützung an, durch welche Konzepte zur Einführung oder Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung begünstigt werden.

Das Regionalbüro führt maßgeschneiderte Beratung und Grundsatzdialoge in Mitgliedstaaten zu zentralen Fragen der Gesundheitsfinanzierung durch. So beleuchtet etwa ein neuer Bericht die konzeptionellen Antworten der irischen Regierung auf die Krise und regt ein breites Spektrum von Maßnahmen an, die nicht nur negative Folgen für das Gesundheitssystem und die Gesundheit der Bevölkerung mildern, sondern auch die Widerstandskraft insgesamt stärken können. Das Regionalbüro arbeitet mit einer Reihe von Ländern zusammen, zieht Lehren und entwickelt Grundsatzempfehlungen zur Vorbereitung der Gesundheitssysteme auf die Beherrschung kommender Krisen und zur Stärkung ihrer Widerstandskraft. Im April 2013 wird eine Tagung in Oslo stattfinden, in der zentrale Erkenntnisse für diesen Diskurs vorgestellt werden sollen.

Das Regionalbüro bietet zielgerichtete Möglichkeiten zum Kapazitätsaufbau durch Kurse auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene an. Der beliebteste Lehrgang findet in Barcelona zum Thema flächendeckende Gesundheitsversorgung statt. Hierbei handelt es sich um einen Lehrgang für das Fachpublikum, das ein tieferes Verständnis von den Grundsatzoptionen gewinnen möchte.

Das WHO-Regionalbüro für Europa:

  • analysiert und vermittelt länderspezifische und länderübergreifende Erkenntnisse und Einschätzungen und untersucht die Gesundheitsausgaben von öffentlicher Hand und Privathaushalten,
  • analysiert öffentliche und private Ausgaben unter dem Aspekt der finanziellen Absicherung und der Chancengleichheit,
  • fördert den Kapazitätsaufbau und berät Einrichtungen über eine Steigerung der Datenqualität und der Meldung von Daten auf Ebene der Länder, der Region und weltweit.

Es hat eine Reihe von Grundsatzpapieren zur Gesundheitsfinanzierung veröffentlicht.

Definition von flächendeckender Gesundheitsversorgung

Der Arbeitsbegriff umfasst zwei wichtige Elemente: die Erreichbarkeit von hochwertigen Angeboten im Bedarfsfall ohne Risiko des finanziellen Ruins. Zwar wird die Abgrenzung und Messung von Bedarfsfall, hochwertigen Angeboten und finanziellem Ruin noch diskutiert, doch werden diese Merkmale der flächendeckenden Versorgung nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

„Flächendeckende Versorgung ist das Gütesiegel für die Entschlossenheit einer Regierung, alle ihre Bürger zu versorgen. Flächendeckende Versorgung ist letztendlich ein Ausdruck von Gerechtigkeit“, sagte die WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan hierzu auf der 55. Weltgesundheitsversammlung.