Sonderbericht zum Gesunde-Städte-Netzwerk in Europa erschienen

Das zentrale Thema einer Sonderbeilage der Zeitschrift Health Promotion International sind die Wirkmöglichkeiten der Gesunde-Städte-Bewegung. Die Sonderbeilage enthält überprüfte Analysen und Reflexionen zu sektorübergreifender Politikgestaltung und Steuerung für Gesundheit auf Ebene der Städte, die das Ergebnis einer auf fünf Jahre angelegten Auswertung von Daten aus 99 Städten der Europäischen Region der WHO sind.

Ein zentraler Befund ist der Nachweis positiver Effekte der Ansätze gesunder Städte für ein breites Spektrum gesundheitspolitischer Herausforderungen. Ihre Ansätze werden dafür gewürdigt: 

  • Theorie in Praxis umzusetzen - das Gesunde-Städte-Netzwerks der Europäischen Region der WHO ist wie ein Feldversuch, in dem die strategischen und politischen Verpflichtungen der Heimatländer jeder Stadt erprobt werden können,
  • gesundheitliche Benachteiligung anzugehen - gesundheitliche Chancengleichheit ist nicht nur ein wichtiges Anliegen für Mitgliedstaaten und Städte im Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region, sondern sie ist auch ein wichtiger Gegenstand der konzeptionellen und institutionellen Entwicklung in den Städten geworden,
  • neue Lenkungsformen anzunehmen - die förmliche Anerkennung von und Verpflichtung zu einer konkreten Veränderung der Lenkungsformen als entscheidendem Impuls für die gesundheitliche Entwicklung jeder gesellschaftlichen und staatlichen Ebene wurde in der Europäischen Region mit Erfolg im städtischen Umfeld verwirklicht,
  • innovativ zu agieren - das Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region sowie nationale Netzwerke nutzen gesundheitliche Chancengleichheit und gesundheitsförderliche Politikgestaltung zur Entwicklung innovativer Ansätze für sektorübergreifende Politik, Gesundheitsfolgenabschätzung, Bewältigung der Determinanten von Gesundheit und Interventionen für gesunde Lebensweisen sowie gesundes Altern, für Stadtplanung und für die Gesundheit unterstützende Umfelder. 

Das Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region der WHO

Gesund ist eine Stadt nicht unbedingt, weil ihre Bevölkerung besonders gesund ist, sondern eher weil sie Gesundheit und gesundheitliche Chancengleichheit bewusst aufgreift und verbessert (Hancock and Duhl, 1988).

Seit seiner förmlichen Gründung vor 27 Jahren wird das Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region auf der Grundlage fester Überzeugungen und Grundsätze betrieben. Städte, die dem Netzwerk beitreten möchten, müssen eine Reihe von Kriterien hinsichtlich ihres Engagements erfüllen. Die Entwicklung wird in 5-Jahres-Zyklen oder Phasen mit konkreten Zielen und Richtwerten sowie einer Reihe unveränderlicher Werte und Grundsätze vorangetrieben, die den Ansatz von Anfang an prägten. 

Das Netzwerk tritt jetzt in Phase VI ein und hält vom 24. bis 26. Juni 2015 in Kuopio (Finnland) seine Jahrestagung ab.

Elemente erfolgreicher Gesundheitsförderung in Städten

Lokalverwaltungen kombinieren zusehends Maßnahmen für gesündere Lebensweisen mit Strategien und Programmen für Nachhaltigkeit, Stadtplanung und Chancengleichheit. Ihre Ansätze erfordern Beteiligung und Entschlossenheit vieler öffentlicher Bereiche sowie der Zivilgesellschaft und schaffen dauerhafte Partnerschaften für eine gesunde Entwicklung. 

Das Agieren in komplexen gesundheitsbezogenen Zusammenhängen wird möglich, wenn sich die Städte vernetzen und gegenseitig inspirieren und ihre Modelle bewährter Praxis über das Netzwerk in der Region verbreiten.

Die Lokalverwaltungen verknüpfen Erkenntnisse über die Determinanten von Gesundheit, Führung im Gesundheitsbereich und Chancengleichheit miteinander und entwickeln Visionen und Strategien, die dauerhaft Gesundheit in allen Politikbereichen verankern, ohne dass dies immer explizit gemacht würde.

Lokalverwaltungen erleben die Folgen globaler Wirtschaftskrisen hautnah und müssen in deren Verlauf oft Sparmaßnahmen durchführen. Allerdings bleiben sie einer breiter angelegten sektorübergreifenden Zusammenarbeit verpflichtet und erkennen den potenziellen Beitrag der Gemeinschaften und anderer lokaler Akteure für die gesundheitliche Entwicklung an.