Auf dem Weg zu einer Strategie zur Förderung der Gesundheit von Frauen in der Europäischen Region

Etwas mehr als die Hälfte der 900 Mio. Menschen in der Europäischen Region der WHO (463 Mio.) sind Frauen. 

Frauen in der Europäischen Region leben länger als Männer, und ihre Lebenserwartung steigt weiter. Im Jahr 2000 lag die Lebenserwartung bei Geburt für Frauen in der Europäischen Region bei 77 Jahren; seitdem hat sie sich auf 80 Jahre erhöht (Stand: 2012). Für Männer stieg sie in demselben Zeitraum von 68 auf 72 Jahre. Doch diese zusätzlichen Jahre – der sog. „Sterblichkeitsvorteil" der Frauen – sind nicht unbedingt gesunde Jahre: im Durchschnitt verbringen Frauen zehn Jahre bei schlechter Gesundheit. 

Die Hauptursachen für Krankheit (Morbidität) und Tod (Mortalität) unter Frauen sind je nach Lebensphase und Land verschieden. In den frühen Lebensphasen herrschen rein körperliche Gesundheitsprobleme vor; bei jungen Frauen entwickeln sich depressive Störungen und Angststörungen am Übergang zum Erwachsenenleben; und ältere Frauen sind häufiger von Kreuzschmerzen, ischämischer Herzkrankheit und Krebserkrankungen betroffen.

Die gesundheitlichen Ungleichgewichte unter Frauen innerhalb von wie auch zwischen Ländern in der Region sind immer noch unannehmbar groß. So haben Frauen in ländlichen Gebieten, Angehörige von Minderheiten sowie Migrantinnen, Flüchtlinge und Asylbewerberinnen immer noch keinen gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Das WHO-Regionalbüro für Europa bemüht sich derzeit, auf der Grundlage der vorliegenden Evidenz und anhand der Erfahrungen maßgeblicher Experten im Bereich der Gesundheit von Frauen aus der nationalen und kommunalen Politik sowie aus der Wissenschaft, aus Organisationen der Vereinten Nationen und aus der Zivilgesellschaft, eine Strategie zur Förderung der Gesundheit von Frauen in der Europäischen Region auszuarbeiten.

Eine Strategie zur Förderung der Gesundheit von Frauen in der Europäischen Region

Die Strategie konzentriert sich auf die Determinanten der Gesundheit von Frauen, ohne dabei automatisch Frauen mit Männern zu vergleichen. So sollen die Regierungen und die maßgeblichen Akteure dazu angeregt werden, darauf hinzuarbeiten, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen auch über Fragen der Reproduktionsgesundheit sowie der Gesundheit von Müttern und Kindern hinaus zu verbessern. Mit der Strategie soll auch dazu ermutigt werden, Maßnahmen zum Abbau der gesundheitlichen Benachteiligung von Frauen im gesamten Lebensverlauf zu ergreifen.

Diese Maßnahmen betreffen folgende Bereiche: Stärkung der Politiksteuerung zugunsten der Gesundheit und des Wohlbefindens von Frauen; Beseitigung diskriminierender Wertvorstellungen, Normen und Praktiken; Bekämpfung der negativen Auswirkungen geschlechtsbedingter, sozialer, ökonomischer, kultureller und umweltbedingter Determinanten; und Verbesserung der Reaktionen von Gesundheitssystemen in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden von Frauen.

Die Strategie orientiert sich an den Wertvorstellungen von „Gesundheit 2020", dem Rahmenkonzept der Europäischen Region für Gesundheit und Wohlbefinden, und wird zu den globalen Anstrengungen zur Förderung der Gesundheit von Frauen beitragen, etwa zur Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und insbesondere ihrer Ziele 3, 5 und 10, die Gesundheit und Wohlbefinden, die Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung bzw. die Verringerung der Ungleichheit betreffen. 

Die Strategie wurde im Zuge einer Reihe von Konsultationen mit Beteiligung der Mitgliedstaaten ausgearbeitet und wird der 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa im September 2016 zur Annahme vorgelegt. Der Entwurf der Strategie soll Synergieeffekte mit anderen Dokumenten erschließen, die dem Regionalkomitee gleichzeitig vorgelegt werden, insbesondere mit dem Aktionsplan zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit in der Europäischen Region unter Achtung der Menschenrechte (2017–2021) und der Strategie und dem Aktionsplan für die Gesundheit von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Region der WHO (2016–2022).

Internationaler Frauentag

In diesem Jahr stehen im Mittelpunkt der Veranstaltungen der Vereinten Nationen zum Internationalen Frauentag am 8. März die Frage, wie die Umsetzung der Agenda 2030 beschleunigt werden soll, und die globalen Verpflichtungen in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter, die Befähigung von Frauen und ihre Menschenrechte. Das Motto ist ein Handlungsappell: „Planet 50-50 bis 2030: Zeichen setzen für die Gleichstellung".