Kleine Länder in der Europäischen Region der WHO tauschen sich über Ideen und Erfahrungen bezüglich chancengleicher, nachhaltiger Entwicklung aus

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Am 31. März und 1. April 2019 fand im Rahmen der sechsten hochrangigen Tagung der kleinen Länder in San Marino ein reger Austausch über bewährte Praktiken und Ideen für die Bewältigung gesundheitlicher Herausforderungen statt. Unter dem Motto „Chancengleichheit und nachhaltige Entwicklung: Der Mensch im Mittelpunkt“ kamen erneut die acht ursprünglichen Mitglieder der Initiative kleiner Länder (Andorra, Island, Luxemburg, Malta, Monaco, Montenegro, San Marino und Zypern) zu einem konstruktiven Dialog über zentrale Gesundheitsthemen zusammen. Erstmals dabei waren dieses Mal auch Estland, Lettland und Slowenien.

Die Veranstaltung wurde gleich zu Beginn durch die Anwesenheit des WHO-Generaldirektors, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, beehrt. Während seiner Ansprache an die Delegierten im Rahmen der Eröffnungssitzung betonte er die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Ländern mit ähnlichen Anliegen und ähnlicher Größe, um gemeinsame Probleme zu identifizieren und gemeinsame Lösungen zu finden.

„Kleine Länder können Handlungskonzepte rasch und effektiv festlegen und umsetzen und sie können dabei oft wesentlich agiler und innovativer vorgehen als größere Länder“, erklärte er. „Auf diese Weise können sie die Federführung im Gesundheitsbereich übernehmen und als Vorreiter für neue Ideen dienen, die anschließend in größeren Ländern zur Anwendung kommen können.“

Die Vorreiterrolle der kleinen Länder war Thema der gesamten Veranstaltung. Die Delegierten stellten zahlreiche Beispiele für die innovative Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) in ihren Ländern und die Bewältigung komplexer Gesundheitsthemen vor, wie etwa der Aufbau eines ausreichenden Personalbestands im Gesundheitswesen, der den Anforderungen und Bedürfnissen im 21. Jahrhundert entspricht.

Bestandsaufnahme und Ausblick auf zukünftige Zusammenarbeit

Von vielen Teilnehmern wurde die Rolle San Marions als Gastgeber und der wichtige Beitrag des Landes zur Gründung der Initiative kleiner Länder im Jahr 2014 anerkannt. Während der Eröffnungssitzung sprach auch Dr. Franco Santi, Minister für Gesundheit und soziale Sicherheit, nationale Krankenversicherung, Familie und ökonomische Planung von San Marino. Er erklärte, dass die Initiative dank des politischen Rahmenkonzepts „Gesundheit 2020“ als wichtigstem Bezugspunkt im Hinblick auf die Verwirklichung der SDG natürlich gewachsen sei.

Dr. Santi lobte die Länder der Initiative für ihre Flexibilität, Widerstandsfähigkeit und prompte Planung „bei Handlungskonzepten und Entscheidungsfindung im Einklang mit den globalen Werten, die den Weg ebnen können für eine bessere, durch mehr Chancengleichheit und größere Nachhaltigkeit geprägte Zukunft“.

Das Programm für die 2,5 Tage andauernde Tagung umfasste Sitzungen über die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Gesundheitssysteme, die Beschleunigung der Fortschritte auf dem Weg zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit, ökologischer Nachhaltigkeit und Gesundheit in Städten, die Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Bewältigung der Herausforderungen für Gesundheitsfachkräfte.

Während der Sitzung zum Thema gesundheitliche Chancengleichheit merkte die Geschäftsführende WHO-Regionaldirektorin für Europa, Dr. Piroska Östlin, an: „Unsere Erfolge bei der Bekämpfung der gesundheitlichen Ungleichheiten hängen stark von unserer Fähigkeit ab, eng mit anderen politischen Ressorts zusammenzuarbeiten und hochrangige politische Unterstützung zu sichern. Die Beschleunigung der Fortschritte hin zu einem gesunden Leben in Wohlstand für alle ist möglich, jedoch ist hierfür systematisches Handeln erforderlich, etwa eine Ausweitung und Anpassung geeigneter Konzepte und die Schaffung neuer Lösungsansätze und Bündnisse, die eine Beseitigung von Hindernissen bewirken.“

An dieser Sitzung nahm auch der weltberühmte italienische Architekt und Stadtplaner Stefano Boeri teil, der am besten für sein Projekt „Il Bosco Verticale“ (Der vertikale Wald) in Mailand bekannt ist. Er erläuterte, wie die baulich gestaltete Umwelt zu den Bemühungen um bessere Chancengleichheit beitragen kann.

In der Abschlusssitzung der Tagung wurde die Erklärung von San Marino unter dem Titel „Chancengleichheit – niemanden zurücklassen“ angenommen.

Der Besuch der Delegierten in San Marino wurde auch dadurch zu einem unvergesslichen Erlebnis, dass sie Gelegenheit hatten, dem alle sechs Monate stattfindenden Festakt zur Amtseinführung der beiden neuen Staatsoberhäupter der Republik San Marino beizuwohnen. Auch Dr. Tedros hielt im Rahmen dieses Festaktes eine Grundsatzrede, in der er dazu aufforderte, das äußerst erfolgreiche Modell der Initiative kleiner Länder auf kleine Länder in der ganzen Welt auszuweiten.

Umsetzung der SDG in den kleinen Ländern im Fokus

In erster Linie bot die Tagung den Delegierten Gelegenheit, sich über vorbildliche Praktiken, Erfolgsgeschichten und aus ihren eigenen Erfahrungen gewonnene Erkenntnisse auszutauschen und damit für einen fruchtbaren Gedankenaustausch zu sorgen.

Während der Sitzung zum Thema Chancengleichheit hoben einige Delegierte eine Reihe positiver Beispiele hervor, darunter etwa:

  • die Schaffung eines Leitplans für mehr Nachhaltigkeit in San Marino, der unter dem Titel „San Marino für alle“ bekannt geworden ist;
  • die Anwendung digitaler Lösungen zur Steigerung von Effizienz und Chancengleichheit in Estland mit Schwerpunktlegung auf dem im Januar 2018 eingeführten Programm für elektronische Rezepte;
  • die Einführung eines neuen Systems der Zahlungsbeteiligung im Jahr 2017 in Island, mit dem die Transparenz verbessert und Ungleichheiten abgebaut werden sollen; und
  • die jahrzehntelangen Bemühungen Sloweniens um eine Stärkung der gesundheitlichen Chancengleichheit, die zuletzt in maßgeschneiderten Konzepten für die Ausweitung von Präventions- und Vorsorgeleistungen auf gefährdete Bevölkerungsgruppen mündeten.

Während der Sitzung zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung tauschten sich die Länder über Beispiele für ihr Engagement zugunsten einer ressortübergreifenden, partizipatorischen Umsetzung der Agenda 2030 aus. Hierzu zählten u. a.:

  • die Gründung einer ressortübergreifenden, zwischenstaatlichen Kommission in San Marion, die dem Ziel dient, sämtliche Handlungskonzepte an den SDG auszurichten; und
  • die erfolgreiche Einführung einer Strategie für die Gesundheitsversorgung von Transgendern in Malta, die von einem fachübergreifenden Team entwickelt wurde und der vom Gesundheitsministerium entsprechende Haushaltsmittel zugewiesen wurden.

Im Rahmen von im Vorfeld der Tagung erstellten Grundsatzpapieren über partizipatorische Ansätze für die Verwirklichung der SDG wurden bewährte Praktiken aus allen elf Teilnehmerländern hervorgehoben. Diese Papiere sind online verfügbar und enthalten praktische Beispiele für die von den Mitgliedern der Initiative kleiner Länder ergriffenen Maßnahmen für die Verwirklichung der SDG.

Die Tagung ging mit der fünften Tagung der Ansprechpersonen des Gesundheitsinformations-Netzwerks der kleinen Länder und einem Workshop über die Vermittlung von Informationen zum Thema SDG an Kommunikationsbeauftragte und Journalisten zu Ende.