Erklärung des WHO-Regionalbüros für Europa zum Weltkrebstag

Der Weltkrebstag bietet jedes Jahr Patientenorganisationen, Gesundheitspolitikern und -fachleuten, nichtstaatlichen Organisationen, internationalen Einrichtungen und Gesundheitswissenschaftlern eine Tribüne für ihren gemeinsamen Ruf nach einer entschiedeneren Bekämpfung von Krebs in all seinen Formen und in allen Bereichen der Gesellschaft. Krebs ist in einer Reihe von Ländern in der Europäischen Region der WHO bereits die führende Todesursache und der demografische Wandel wird die Auswirkungen auf die Bevölkerungsgesundheit noch verschärfen. Angesichts der realen und akuten Bedeutung von Krebs für die Bevölkerungsgesundheit erneuert das Regionalbüro seinen Ruf nach entschlossenem Handeln und appelliert dringend an Politiker, Gesundheitsexperten, Patienten und Bürger, eine der wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Jeder von ihnen ist ein wichtiger Akteur in Bezug auf die künftige Prävalenz der Krankheit und kann zur Senkung der Sterblichkeitsrate und zu mehr Gesundheit für alle Menschen in der Region beitragen. 

Für dieses noble Ziel sollten sich engagierte Politiker einsetzen, die ihren leidenschaftlichen Einsatz im Dienst der Öffentlichkeit mit intelligenten, evidenzbasierten Programmen verbinden, um nicht nur den aktuell von Krebs betroffenen Patienten und Familien, sondern auch allen übrigen Bürgern zu helfen, deren gesundheitliche Zukunft von ihrem vorausschauenden Handeln abhängt. Den Gesundheitsministerien in der Europäischen Region (und überall auf der Welt) obliegt es, diesen Kampf an vorderster Front zu führen. Ihre Aufgabe umfasst nicht nur die Führung und den Betrieb von Einrichtungen zur Krebsbehandlung, sondern auch das aktive Eintreten für die Bevölkerungsgesundheit in allen Bereichen der Gesellschaft. Die Pflicht zum Schutz und zur Förderung der Gesundheit beginnt schon bei der Vorsorge (etwa durch Gesundheitsbotschaften und Aufklärung zur Schaffung gesundheitsförderlichen Verhaltens) und schließt auch sektorübergreifende Ansätze ein (damit gesundheitsförderliche Entscheidungen nicht nur gewollt sind, sondern auch leicht fallen). 

Das Regionalbüro wird den Mitgliedstaaten in der Region beistehen und Orientierungshilfe und fachliche Hilfe für Gesundheitsministerien und Politikgestalter in einem breiten Spektrum aus Programmen anbieten, das Prävention und evidenzbasierte Konzepte als zentral für den Abbau der derzeitigen und der künftigen Krebslast hervorhebt. So ist etwa die WHO-Regionaldirektorin für Europa federführend bei der Formulierung und Umsetzung einer neuen europäischen Gesundheitspolitik (Gesundheit 2020) durch die Mitgliedstaaten und Partner, wobei die Prävention ein tragendes Element in der Wiederbelebung dieses Konzepts der öffentlichen Gesundheit in der Region ist. Gleichzeitig setzt das Regionalbüro die Globale Strategie der WHO zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten um und hilft den Ländern bei der Entwicklung nationaler Programme zur Krebsbekämpfung, die ein von der Vorsorge bis zur Palliativversorgung integriertes Angebot gewährleisten. Schließlich unterstützt das Regionalbüro seine Partnerorganisationen auch bei der Entwicklung anderer wertvoller Grundsatzinitiativen. Beispiele hierfür sind etwa die slowenische Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union im Jahr 2008, die im Rahmen ihrer Agenda große Schritte zur Priorisierung von Krebs unternahm, und später die Europäische Partnerschaft für Maßnahmen zur Krebsbekämpfung, die unter der Federführung der Europäischen Kommission steht und besonders vielversprechend ist. Schließlich werden die erste globale Ministerkonferenz über gesunde Lebensführung und nichtübertragbare Krankheiten (am 28. und 29. April 2011 in Moskau) und die bevorstehende Tagung auf hoher Ebene der Vereinten Nationen über die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (am 19. und 20. September 2011 in New York) jeweils eine historische Chance für ein erneuertes Bekenntnis der Welt zur Bewältigung von Krebs und anderen nichtübertragbaren Krankheiten bieten.

Alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die ihr Leben der Verwirklichung von mehr Gesundheit widmen, sind für die Umsetzung und den Erfolg unserer Konzepte unersetzlich. Die Wissenschaft wird die Politik dadurch unterstützen, dass sie ihr Orientierungshilfe in Bezug auf wirksame Programme und Konzepte an die Hand gibt. Die WHO dankt dem Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC), das mit den von der Europäischen Kommission veröffentlichten ersten EU-Leitlinien für Darmkrebsvorsorge und -erkennung einen Beitrag zum Weltkrebstag 2011 geleistet hat, für seine ausgezeichnete Arbeit. 

Daneben sind Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen und andere Gesundheitsberufe wichtig für die Begleitung der Patienten von der Diagnose über die Therapie bis zur Rekonvaleszenz – oder im schlimmsten Falle bis zum Tod. Diese Spezialisten tragen Tag für Tag durch Verhaltensberatung und Vorsorgeuntersuchung zur Vorsorge gegen Krebs bei und behandeln ihn unter Nutzung aller ihnen zur Verfügung stehenden Mittel. Der Weltkrebstag kann nicht ohne die Anerkennung dieser unschätzbaren Arbeit zu unser aller Wohl begangen werden. 

In gleicher Weise gehört dieser Tag auch den ehemaligen, heutigen und künftigen Krebspatienten. Sie stehen im Zentrum aller Bemühungen der WHO und sind auch unersetzlich als Partner für Forschung, Therapieentwicklung, Bewusstseinsbildung und Überzeugungsarbeit. Die Patienten halten den moralischen Kompass für die gesundheitspolitischen Anstrengungen in der Hand, und jede derartige Initiative gewinnt durch ihre Beteiligung an Wert. Die WHO unterstützt mit Nachdruck die Befähigung von Patienten als Rückgrat für die Krankheitsbekämpfung in der Europäischen Region.

Schließlich geht es am Weltkrebstag um die Bürger. Krebs betrifft jeden, ob als Patienten, Verwandten, Freund, Kollegen oder nur als Nachbarn oder Mitglied einer Gemeinschaft. Deshalb muss die Gesellschaft diese Herausforderung mit vereinten Kräften annehmen, und jeder muss seinen Teil der Verantwortung für die Beobachtung der eigenen Gesundheit und der der Mitbürger annehmen. Diese Solidarität kann sich in Maßnahmen zum eigenen Schutz (Aufgabe des Rauchens und Schutz anderer vor einer Schädigung durch Tabakkonsum, Mäßigung des Alkoholkonsums, regelmäßige Bewegung oder gesündere Ernährung) oder zum Schutz anderer Personen (Aufklärung anderer oder Hören auf Personen mit mehr Erfahrung) niederschlagen. Vor allem können sich die Bürger auch dadurch am Weltkrebstag beteiligen, dass sie jeden Tag zu einem Tag der Krebsprävention machen. 

Die WHO unterstützt die Weltkrebsorganisation (Union for International Cancer Control – UICC) bei der Sammlung von einer Million Unterschriften für ihre Erklärung zum Weltkrebstag, die den Staats- und Regierungschefs auf der Tagung der Vereinten Nationen auf hoher Ebene vorgelegt werden soll. Gemeinsam mit wichtigen globalen Partnern (u. a. WHO-Hauptbüro, UICC, IARC, Europäische Kommission) ruft das WHO-Regionalbüro für Europa alle Bürger der Region zum Kampf gegen Krebs und für die Gesundheit auf. Bessere Vorsorge und wirksamere Behandlungen sind möglich, wenn alle Beteiligten gemeinsam auf mehr Gesundheit – heute und in Zukunft – hinarbeiten.