Neuer praktischer Ansatz der Politikgestaltung: Ukraine erarbeitet neuen nationalen Plan am Regionalbüro

Vertreter des ukrainischen Gesundheitsministeriums brachten Anfang August mit Programmleitern aus dem Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten vier produktive Tage im Regionalbüro zu, um ihren nationalen Aktionsplan zu dieser Thematik zu erarbeiten.

Diese neue Art der Entwicklung einer nationalen Strategie bedeutet, dass Fachleute der WHO in konkreten Bereichen Beiträge aus erster Hand leisten können. Vorteile ergeben sich unter anderem daraus, dass die Fachleute des Regionalbüros und Vertreter des Landes die aktuelle Gesetzeslage erörtern, Erfahrungen anderer Länder und Ressorts nutzen und dadurch die Konzepte von Anfang an rationeller gestalten und praktische Empfehlungen entwickeln können.

„Diese Arbeitsweise, bei der wir schon zu Beginn der Gesetzgebung verschiedene Fachbereiche einbezogen haben, hat den Entwurfsprozess unseres neuen Aktionsplans gegen nichtübertragbare Krankheiten beschleunigt. Wir möchten Erfahrungen mit anderen Referaten im Gesundheitsministerium teilen und hoffen sehr, dass der Plan im Oktober durch das Parlament gehen wird,“ sagte der Leitende Diätetiker im ukrainischen Gesundheitsministerium Oleg Shvets.

Die ukrainischen Repräsentanten nahmen einige „preisgünstige“ Interventionen in ihren Aktionsplan auf.  Diese sind vom zeitlichen und betrieblichen Aufwand relativ leicht umzusetzen und sind doch nachweislich gegen Risikofaktoren nichtübertragbarer Krankheiten sehr wirksam. Sie schließen fiskalische Instrumente und Vermarktungsregeln ein, mit denen der Konsum von Alkohol und Tabak sowie der Salzgehalt und die Transfettsäuren in Lebensmitteln verringert werden sollen.  

Die Vertreter des Ministeriums kamen anschließend einzeln und als Gruppe mit Leitern der WHO-Programme zusammen. Fachreferenten leisteten also schon in der Entstehungsphase des Plans ihre Beiträge und die gemeinsamen Besprechungen förderten sowohl die bereichsübergreifende Zusammenarbeit am Regionalbüro als auch die Zusammenarbeit mit den Akteuren.  

Vorrangige Interventionen

Die Vermarktung von Fertiggerichten, verborgener Zucker, Salz und ein Übermaß an gesättigten Fettsäuren im Kontext der aktuellen Gesetzgebung standen im Zentrum der Gespräche, die auch durch Berichte von den Erfahrungen aus anderen Ländern bereichert wurden. Die vorrangigen Interventionen für die Ukraine erstrecken sich auf drei Bereiche:

  • fiskalische Instrumente und Vermarktungsregeln zur Bekämpfung von Alkohol- und Tabakkonsum,
  • Eliminierung von Transfettsäuren in Nahrungsmitteln (und ihr Ersatz durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren),
  • Salzreduktion.

Zur weiteren Unterstützung dieser Maßnahmen wurden Aktivitäten in den Plan aufgenommen wie Öffentlichkeitskampagnen und die Schulung von Gesundheitsfachkräften.

Der Entwurf wird nach weiteren Beiträgen maßgeblicher WHO-Programme und ukrainischer Fachleute in den kommenden zwei Wochen fertiggestellt. Danach wird er dem Gesundheitsministerium vorgelegt und auf dessen Website zur öffentlichen Beratung freigegeben.  Von einem runden Tisch mit Experten und Akteuren im September werden weitere Beiträge erhofft und im Oktober soll der Plan gemeinsam mit einem nationalen Plan für „Gesundheit 2020“ (der auf dem Rahmenkonzept der Region beruht) dem Parlament zur Annahme vorgelegt werden.